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taz: Herr Schmid, ist der Männerkulturtag ein Gegenkonzept zum Frauentag?
Karl-Heinz Schmid: Nein, überhaupt nicht. Er findet nur zufällig in derselben Woche statt.
Sie sprechen von einem neuen Männerbild im Kino. Welches meinen Sie damit?
Es ist ein Bild, das Männer in schwachen Positionen, in Krisensituationen, zeigt. Dies lässt sich seit etwa 25 Jahren beobachten.
Auch im deutschen Kino?
Ja, es gibt drei Standardfiguren. Christian Ulmen ist der Trottel, der sich nichts zutraut, Till Schweiger der Macho, bei dem Sexualität eine sehr große Rolle spielt. Er wird dann weich, wenn er einer Frau oder Kindern begegnet, und entdeckt plötzlich das Gute in sich. Matthias Schweighöfer leidet unter seinem milchbubihaften Äußeren und will unbedingt ein "richtiger Mann" werden.
Viele sprechen vom Schmerzensmann. Gibt es den?
Ja natürlich. Er ist sehr leidend, sehr verinnerlich. Aber es gibt auch weiterhin Machos, aggressive Männer, die zu viel Adrenalin haben. Unterschiedliche Milieus bringen unterschiedliche Männer hervor. Spannend finde ich, dass im Film der schwächelnde Mann in den Mittelpunkt gerückt wird.
Aber fast nur im Rahmen bestimmter Genderstereotype.
Leider besteht im kommerziellen Kino eine Tendenz zur Vereinfachung. Fehlende Differenzierung bietet offensichtlich einiges an Identifikationsmöglichkeiten. Das macht diese Filme so erfolgreich. Ein reifer Mann hat verschiedene Seiten. Er zeigt Gefühle, ist aufmerksam und verständnisvoll, steht aber auch zu seinen Aggressionen und kann sich im Zweifelsfall durchsetzen.
Sind denn Geschlechterstereotype dann nicht hinfällig?
Dies ist eine wichtige Diskussion. Sie gehört dazu, wir klammern sie aber trotzdem aus.
INTERVIEW: TORBEN DITTMER
57, Geschäftsführer des Kommunalkinos City 46, organisiert den 10. Bremer Männerkulturtag.
Der Historiker Christian Gerlach hat extrem gewalttätige Gesellschaften untersucht. Sein Ergebnis: Auch die Zivilbevölkerung kann Auslöser von Massengewalt sein.

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