die tageszeitung von heute

Hier können Sie durch die aktuelle Ausgabe der Zeitung blättern:

  • 25.02.2012

Die Elbe in ihrem Element

WASSERTOURISMUS Das Radfahren entlang der Elbe besser mit Schiff, Bus und Bahn verbinden soll ein Modellprojekt der Metropolregion Hamburg für sanften Tourismus

VON SVEN-MICHAEL VEIT

Die Zukunft endete vor einem halben Jahrhundert. Im Oktober 1961 wurde die "Hugo Basedow" außer Dienst gestellt. Das Flaggschiff der Lauenburger Dampferflotte war mit einer Kapazität von 1.491 Fahrgästen der größte Raddampfer auf der Elbe gewesen - und der letzte. Mit ihm wurde die Linienschifffahrt beendet. Jetzt träumen manche davon, die Personenschifffahrt oberhalb von Hamburg wieder zu beleben. "Was auf Rhein und Donau seit über 100 Jahren funktioniert, sollte auch auf der Elbe wieder möglich sein", sagt Rolf-Barnim Foth aus der Hamburger Senatskanzlei.

Die Vernetzung von Radfahren mit Schiffen und öffentlichem Nahverkehr ist deshalb das Ziel einer Tourismusinitiative, die Hamburg und sechs an die Elbe grenzende Landkreise aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg jetzt starten. Das 300.000 Euro teure Projekt "Wassertourismus Elbe" soll als Leitprojekt der Metropolregion Hamburg bis 2014 den sanften Tourismus am und auf dem Fluss fördern. Dazu gibt es nun mehrere kostenlose Broschüren mit Fahrradtouren.

Hilfreich ist auch das frisch erschienene Elbradweg-Handbuch 2012, das detailliert radlerfreundliche Campingplätze, Pensionen, Hotels und Lokale sowie Transportmöglichkeiten entlang des Elbradwegs auflistet. In drei Abschnitten beschreibt die Broschüre 840 Kilometer Elbe von der Mündung bis zum Elbsandsteingebirge inklusive der Bahn- und Fährverbindungen.

"Wir müssen das Kirchturmdenken überwinden", sagt der Lüneburger Landrat Manfred Nahrstedt, "und die Elbe als das verbindende Element unserer Region begreifen." Der Abschnitt von den Hamburger Vier- und Marschlanden über Lauenburg, Hitzacker, Dömitz und Schnackenburg bis nach Wittenberge biete mit dem Elberadweg und seiner "einzigartigen Naturbelassenheit" im Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe große Potenziale als Naherholungs- und Tourismusziel.

Wichtig dabei sei es, den Gästen "auch im Umland mehr anzubieten", sagt Projektleiter Jens Kowald von der Flusslandschaft Elbe in Bleckede. Alle natürlichen und kulturellen Sehenswürdigkeiten entlang des Stromes müssten mit Fahrrädern, E-Bikes, Bussen, Bahnen und Schiffen in problemloser Kombination erreichbar sein.

Die Reederei Wilcke aus Artlenburg bietet mit ihrem Schiff "Lüneburger Heide" bereits an ausgewählten Terminen Fahrten auch mit Radtransport zwischen Hamburg und Hitzacker an. Die neue feste Elbtallinie startet am 10. Juni zwischen den Hamburger Landungsbrücken und Dömitz mit Umsteigen in Lauenburg. Die beiden Reedereien Barkassen-Meyer und Heckert kooperieren hier mit abgestimmten Fahrplänen, einheitlichen Preisen und optionaler Busrückreise.

Bis zum Sommer soll auch eine Verlängerung bis nach Magdeburg eingerichtet werden. Weitere Erlebnistouren sind in Arbeit, zum Beispiel mit Stopp in Zollenspieker und anschließender Radtour durch die Vier- und Marschlande. Die touristische Zusammenarbeit sei eine gute Chance für Wertschöpfung und Arbeitsplätze", sagt Nahrstedt, "nachhaltige Erfolge können wir aber nur gemeinsam erzielen."

Projektleiter Kowald ist zuversichtlich, die Gremien in sechs Bundesländern unter einen Hut zu bekommen. Wenn es nach ihm ginge, könnten noch zwei weitere hinzukommen: Berlin und Sachsen. Zwei Schiffe für bis zu 2.000 Passagiere gebe es auf der Elbe, die nicht ausgelastet seien und neue Touren anbieten könnten: Die "Dresden" und die "Sans Souci". Sie würden von Hamburg nach Berlin oder Dresden eine Woche brauchen, die Preise dürften bei 800 Euro aufwärts liegen.

Fahrpläne und Fahrradbroschüren: www.metropolregion.hamburg.de/radfahren. Handbuch Elberadweg: www.elberadweg.de. Schiffslinien: www.fgs-lueneburger-heide.de, www.elbtallinie.de.

"Was auf Rhein und Donau seit über 100 Jahren funktioniert, sollte auch auf der Elbe möglich sein"

ROLF-BARNIM FOTH, SENATSKANZLEI

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!