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  • 16.06.2012

Wenig Wir und ganz viel Ich!

STAR Ronaldo bestreitet pro Spiel immer zwei Partien - eine für das Team und eine für sich

Wir hatten große Probleme. Nach dem 2:0 dachten wir, das Spiel sei schon gelaufen." Oder: "Diesmal hatten wir das Glück, das uns gegen Deutschland gefehlt hat." Das vorweg: Cristiano Ronaldo hat nach dem Sieg Portugals über die Dänen nicht nur über sich gesprochen. Er kann auch "wir" sagen. Sollte er auch können. Er ist der Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft. Aber hören will das niemand. Alle wollen, dass er von sich selbst spricht. Ich, ich, ich. Und ja, er spricht auch ganz gern über sich. Ein bisschen Wir und ganz viel Ich - das ist Cristiano Ronaldo. Wo andere ein ganz normales Fußballmatch spielen, bestreitet er immer zwei Partien in einer. Eine für seine Mannschaft und die andere für sich.

Oft gewinnt er beide Partien. Mit Real Madrid ist ihm das in diesem Jahr sehr oft gelungen. Unglaubliche 46 Tore hat er in der Meisterschaft geschossen und mit Madrid den Titel gewonnen. Und doch hat er auch wieder verloren. Lionel Messi hat für den FC Barcelona noch unglaublichere 50 Tore geschossen. Jeder kennt die Geschichte des Wettrennens dieser beiden unglaublichen Kicker. Sie hätten sich im Fernduell um den Titel als Weltfußballer des Jahres 2012 gegenseitig zu Höchstleistungen angestachelt. Das ist oft gesagt und geschrieben worden. "Messi, Messi, Messi!", schallte es durch das Lemberger EM-Stadion nach jedem Schuss von Cristiano Ronaldo, der sein Ziel verfehlt hat.

Messi, Messi, Messi

Ob er das zweite Mal - allein vor dem dänischen Torwart - danebengeschossen hat, weil er sich gedanklich schon auf die Journalistenfragen zu den Messi-Sprechchören vorbereitet hat? Nachdem Portugal das Spiel gewonnen hatte, interessierte sich kaum einer für die Sieger. Alle warteten auf den Verlierer des Tages - Ronaldo. Wen interessieren schon dänische Verlierer? Keiner erwartete, dass ein Depriknödel durch die Mixed Zone kriechen würde. Erhobenen Hauptes und schnellen Schrittes marschierte der 27-Jährige daher. Am Ende blieb nur ein Satz hängen, der von denen, die ihn gehört hatten, an die, an denen Ronaldo vorbeigegangen war, weitergegeben wurde. Stille Post: "Sie wissen ja, wo Messi vor einem Jahr war. Er ist bei der Copa America im eigenen Land ausgeschieden. Das ist ja wohl schlimmer, oder?" Und: "Meine Tore werden schon noch kommen."

Auch das hat Ronaldo am Mittwoch in Lemberg gesagt. Ich, ich, ich. Im Spiel gegen die Niederlande wird er wieder zwei Partien zu bestreiten haben. In beiden geht es um etwas. Es geht ums Weiterkommen für Portugal und es geht um seine persönliche Bilanz. Die könnte besser sein, was Großereignisse betrifft. In 15 Turnierspielen seit 2004 traf er fünfmal. Jetzt hat er gesehen, dass Portugal auch ohne sein Zutun gewinnen kann. Er wird nicht unbedingt gebraucht. Vielleicht macht ihn das frei. Noch weniger wir und noch mehr ich. Das könnte der Cristiano Ronaldo sein, den man am Sonntag in Charkow sehen wird. ARUE

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