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  • 09.08.2012

Knallharte Königsgöttin

KORRUPTION Erst Spitzenanwältin, dann Geschäftsfrau - der angeklagten Gu Kailai wird eine Liebesbeziehung mit dem Mordopfer nachgesagt

BERLIN taz | Die korrupten Praktiken von Gu Kailai und ihrem Mann dürften gar nicht erst untersucht werden. Sonst würde deutlich, wie die beiden sich mittels ihrer politischen Macht und Verbindungen bereicherten, wie es noch viele KP-Kader tun.

Wie ihr Mann zählt auch die nun angeklagte Gu (siehe Text oben) zu den sogenannten Prinzlingen, also den Kindern hoher Revolutions- und KP-Kader. Ihr Vater Gu Jingsheng war General der Revolutionstruppen, fiel aber während der Kulturrevolution (1966-1976) in Ungnade.

Als jüngste von fünf Töchtern musste Gu sich damals allein mit "niederen" Tätigkeiten durchschlagen. Nach der Rehabilitation ihrer Familie studierte sie an der renommierten Peking-Universität und wurde Anwältin mit einer eigenen Kanzlei. 1984 lernte sie Bo kennen, der damals Kader in der nördlichen Hafenstadt Dalian war. Die beiden heirateten und bekamen einen Sohn. 1997 machte Gu als Anwältin Schlagzeilen, weil ihre Kanzlei als erste Chinas einen Prozess in den USA gewann. In einem Aufsatz lobte sie die Effizienz der chinesischen Justiz im Vergleich zur US-amerikanischen.

Während ihr Mann zum Bürgermeister von Dalian, zum Provinzgouverneur, zum Handelsminister und schließlich zum Parteichef Chongqings aufstieg, gab sie ihren Beruf auf; laut Bo, um nicht in Interessenkonflikte zu geraten. Doch manche vermuten als Grund eher, dass sie als Geschäftsfrau an der Seite des zunehmend mächtigen Bo viel mehr Geld verdienen konnte.

Neil Heywood, dass spätere Mordopfer, der schon lange ein Freund der Familie war, half ihr, Sohn Guagua auf die britische Eliteschule Harrow zu bekommen. Er half wohl auch, Gelder ins Ausland zu schleusen. Dabei soll es letztes Jahr zum Zerwürfnis gekommen sein, das Heywood mit dem Leben bezahlen musste. Zuvor soll er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua Gus Sohn bedroht haben.

Manche spekulieren auch über eine Liebesbeziehung zwischen der stets edel gekleideten Gu und dem zwölf Jahre jüngeren Briten. Laut AP ließ sie sich - nach dem Himmels- und Königsgott der ägyptischen Mythologie - Horus nennen. Ehemalige Geschäftspartner beschreiben Gu als charmante Frau, die aber knallhart drohen kann.

Xinhua attestierte Gu auch psychische Probleme. Die könnten einen Ausweg bieten und ihr die Todesstrafe ersparen. Dafür könnte ihr mitangeklagter Hausangestellter, der womöglich Heywood auf ihre Anordnung hin im Hotel vergiftete, als Sündenbock hingerichtet werden.

SVEN HANSEN

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