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Die Pohlstraße geht von der Potsdamer Straße ab und ist eine Sackgasse, die nicht viel hermacht. Überraschenderweise ist dort aber jeder zweite Laden, so scheint es, eine mal mehr, mal minder seriöse Galerie. Tanja Wagner gehört fraglos zur seriösen Sorte. Zurzeit stellt sie Mariechen Danz aus. Die 1980 in Dublin geborene Künstlerin mit Abschluss am CalArts in Los Angeles interessiert, was man mit Worten machen kann, etwa beim Unterrichten und der Wissensvermittlung. Wie kommunizieren Worte objektives Wissen? Was passiert, wenn sie sich zu Schiefertafel-Organigrammen verknäulen? Macht Rhythmus Sinn? Etwa das Klappern der schwarzen Holzfußsohlen, die sie in der Galerie verstreut hat? Oder erlebt man am besten nicht gleich eine ihrer Sprach-/Gesangsperformances, um zu kapieren, dass Wissen mehr meint als Begriffe und Zahlen?
Schräg gegenüber in der Pohlstraße kann der Frage des Wissens weiter nachgegangen werden. Dort hat sich seit zweieinhalb Jahren Gilla Lörcher niedergelassen. Sie zeigt Monika Romstein. Die Christa-Näher-Schülerin setzt für ihre installative Präsentation von Malerei und Videoszenen Material aus George Cukors "Das Haus der Lady Alquist" von 1944 ein. Der Film gehört zum Genre des "female gothic". Ingrid Bergmann spielt die Frau, der ihr angestammter Platz, das eigene Heim, immer unheimlicher wird und die daher fürchtet, geisteskrank zu sein. Trotzdem sucht sie ihren Irritationen auf den Grund zu gehen. Romstein zeichnet diese Suche nach, indem sie einzelne Filmsequenzen herausgreift, zeitlich dehnt, neu anordnet und in das Innere eines kleinen Holzhauses projiziert. Überzeugend werden Wissensformen wie Wahn und sechster Sinn, Traum- und Detektivarbeit, Hollywoods Erfahrung mit der Produktion von Spannung und die Ästhetik des Malerischen produktiv in Beziehung gesetzt.
Der Historiker Christian Gerlach hat extrem gewalttätige Gesellschaften untersucht. Sein Ergebnis: Auch die Zivilbevölkerung kann Auslöser von Massengewalt sein.
