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  • 16.02.2008

der kommentar

Wer schützt Ali - vor sich selbst?

Erst bat sie in Paris Nicolas Sarkozy darum, ihr die französische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Dann reiste sie weiter nach Brüssel und appellierte an das EU-Parlament, doch bitte einen Fonds einzurichten für Menschen wie sie, "deren einziges Verbrechen die freie Rede ist", wie sie formulierte. Keine Frage, Ayaan Hirsi Ali ist eine begnadete Selbstdarstellerin.

Natürlich, für ihre Sicherheit muss gesorgt werden: Seit ihr Freund Theo van Gogh einem Attentat zum Opfer fiel, ist auch sie bedroht. Doch die Angelegenheit ist mehr als dubios. Erst im Oktober schlug Hirsi Ali ein Angebot aus Dänemark aus, dessen Regierung ihr freien Aufenthalt und Personenschutz zugesichert hatte. Auch die Niederlande würden ja für ihren Schutz aufkommen, wenn sie wieder in das Land zurückkehrt, wo sie einst ihre Karriere als "Islam-Kritikerin" begann. Doch der aus Somalia stammenden Publizistin reicht das offenbar nicht: Sie will unbedingt maximale Aufmerksamkeit erheischen.

Umstritten war sie schon immer. Doch selbst frühere Fans finden inzwischen, dass sie militanten Stuss redet. Der Islam sei "der neue Faschismus", sagte sie kürzlich, und "über eine Milliarde Muslime" lägen "völlig falsch", wohingegen sie natürlich völlig richtig liege. Unterstützung für ihren Kreuzzug in eigener Sache findet sie bei anderen Selbstdarstellern - wie Bernard-Henri Levi, dem selbst auch kein Pathos zu billig ist.

Ein paar EU-Parlamentarier sammeln jetzt Unterschriften, um für sie einen Fonds zu gründen. Das ist die gleiche EU, die Flüchtlinge und Asylsuchende ansonsten an ihren Grenzen verschimmeln lässt. Es wäre schon ein Witz, wenn sie sich nun ihren Fall als humanitäres Feigenblatt anheften würde. BAX