die tageszeitung von heute

Hier können Sie durch die aktuelle Ausgabe der Zeitung blättern:

  • 12.02.2011

Ick hör dir trapsen

Am liebsten habe ich es, wenn mein Mann vor mir kniet und sich am Rohr zu schaffen macht. Endlich mal, dachte ich neulich. Da war nämlich schon ein ganz schöner Stau im Traps.

Der Traps, das ist dieses anmutig geschwungene Looping-Rohr unter der Spüle. Wenn man es abschraubt, ist man Intimitäten ausgeliefert, die einem den Atem rauben. Die Bezeichnung Traps ist vom englischen Wort "trap", Falle, abgeleitet und meint in diesem Fall: Geruchsfalle. Diese geniale Erfindung, der man im Alltag oft zu wenig Beachtung schenkt, ist das Bindeglied zwischen Zivilisation und Abgrund, denn das darin stets stehende Wasser hält die Gerüche jener Kanalisation fern, in der das Spülwasser per Fallrohr landet - und eben nicht nur das Spülwasser.

In meinem Traps hatte sich jedoch eine Wanderdüne aus Kaffeesatz festgesetzt - so ahnte ich, traute mich jedoch nicht, Hand an das so geniale wie kompliziert verschraubte Rohr zu legen. Was, wenn ich es nicht mehr angeschraubt bekäme? Man müsste gar nicht mehr in den Hades hinabsteigen, er kröche einem fürderhin entgegen.

In den Tagen seiner Abwesenheit versuchte ich es daher mit den üblichen Strategien. Verdrängung etwa, doch irgendwann fängt die aufgestaute Brühe im Spülbecken auch ohne Verbindung zur Kanalisation an, komisch zu riechen. Der Einsatz eines Pömpels - auch "Saugfix" genannt - erwies sich wiederum als zwecklos.

Ohne Man-Power war da nichts zu machen. Daher kniete nun mein Mann an einem Freitag zwischen leeren Flaschen und Krempel und schraubte, entfernte, stöhnte, durchspülte, ächzte - während ich gar nichts tun musste, außer mir die Nase zuzuhalten.

Liebe heißt, auch mal auf die Knie zu gehen. Und das nicht nur, um einen Heiratsantrag zu machen. MARTIN REICHERT

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!