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  • 15.08.2012

Eine Frau geht seinen Weg

PRODUKTBESCHREIBUNG Zwischen Macht und Understatement: Friede Springer wird 70

"Ich fühle mich weder mächtig noch reich. Ich lebe mein Leben und es ist das Gegenteil von Berühmtheit", sagt Friede Springer. Das ist zumindest souverän untertrieben, wenn man die eigentliche Herrscherin über eines der mächtigsten Medienhäuser Deutschlands ist.

Zum 70. Geburtstag von Friede Springer, geborene Riewerts, gibt es heute in Berlin großen Bahnhof; natürlich nicht ganz so großen wie den zum 100. ihres Axel im Mai, als sich der ideologisch immer noch verkämpft-verkrampfte Großverlag mit einer Nummernrevue mal richtig locker machte.

In der Neuauflage ihrer Biografie startet die Frau des Hauses auch selbst richtig durch: Sie habe einer ganz andere Friede Springer als vor sieben Jahren gegenübergesessen, gab Biografie-Autorin Inge Kloepfer im Spiegel-Interview zu Protokoll: "Gelassen, fröhlich, nicht mehr so bedrückt von den ewigen Kämpfen um das Erbe gegen Kirch. Sie ist bei sich angekommen."

Dass das dieser Frau gelingen würde, die 1965 als Kindermädchen im Hause Springer ankam und nach langer "wilder Ehe" 1978 die fünfte - und letzte - Frau Springer wurde, hatte wohl keiner auf der Rechnung. Seit dem Tod des Verlegers 1985 präsidierte sie formal ganz oben, doch für die nächsten 16 Jahre ging es bei Springer eher drunter und drüber - und fast immer an Friede vorbei. Dass sie trotzdem in all den Jahren oben blieb, mal mit, mal gegen den mächtigen Testamentsvollstrecker Bernhard Servatius, mal mit, mal gegen häufig wechselnde Vorstände - und immer gegen Leo Kirch, den ungeliebten Großaktionär, zeugt von Steherqualitäten. Selbst von schlechten Beratern hat sie sich nicht unterkriegen lassen.

2002 hatte sich Kirch erledigt, da hieß der neue Vorstandschef schon Mathias Döpfner. Das Verhältnis der beiden sei distanzierter geworden, suggeriert die aktualisierte Biografie. Und trotzdem mache ihn Friede Springer zur "Identifikationsfigur" für den Verlag, weil Döpfner den "Mythos Springer" nähre. Zumindest Letzteres stimmt. Friede Springer "kann und will das nicht", so Biografin Kloepfer. Und lehne Begriffe wie "Verlegerin" eher ab, sagt, sie wolle doch alles nur "zusammenhalten". Was angesichts langjähriger Prozesse mit den eigenen (Stief-)Enkeln um das Erbe zumindest ziemlich doppeldeutig ist.

Ins Tagesgeschäft mischt sie sich nicht ein. Das hat schon mal den Vorteil, dass gesellschaftspolitisch Strittiges - wie die Rolle der Bild-Zeitung in der Berliner Republik - an ihr vorbeigeht. Darüber verliert sie kein Wort, wählt aber auf Einladung der CDU Bundespräsidenten mit. "Friede Springer hat keine Ambitionen, intellektuell zu glänzen. Sie bleibt authentisch", sagt Kloepfer: "Ihr geht es nur um das Lebenswerk ihres Mannes."

Doch gleichzeitig plädiert sie vorsichtig für die Führungsquote für Frauen, nicht nur in Medienunternehmen. Pflegt Kontakt zu Alice Schwarzer (beide sind Fans einer gewissen Angela Merkel). Und lässt sich gern - unterschätzen. STEFFEN GRIMBERG



Eine zärtliche Frau, ja eine Dame

Von Mathias Dö.

Ein lesenswertes Buch - es sollte selbstverständlich sein, dass die Lebensgeschichte dieser Frau Pflichtlektüre wäre an Gymnasien und in Seminaren, in jedem Land nämlich, das nicht so fahrlässig umgeht mit großen Personen. Was zu kurz kommt, so finde ich, ist die unendliche Zärtlichkeit dieser Frau, ihre Kunstbeflissenheit, ihr Witz, ihre unerschütterliche Laune, ihre Schönheit am Morgen und in der Nacht, die Abende am Klavier, draußen in Potsdam, die Heimlichkeit unserer Begegnungen. Ja, sie wurde kühler in letzter Zeit, nicht nur zu mir. Aber sie bewahrt sein Andenken, Axel Cäsar Springers, wie auch ich. Darin sind wir eins.

Kein Frieden mit Friede

Von Aggi

Schön und gut das Buch, Friede war wichtig für Granddaddy, jaja. Auch zu mir war sie teils rührend, sie kann lieb sein. Was aber fehlt: Welch falsches Spiel sie trieb mit dem Erbe des großen deutschen Verlegers, mit Hilfe des Testamentsvollstreckers. Dafür empfehle ich das Buch "Das neue Testament" von Axel Sven Springer - sehr lesenswert.

Wie stark sie ist

Von Alice

Es liegt einzig und allein am steinzeitlichen (und gekränkten!) Stolz einiger Männer, dass die Geschichte der Friede Springer erzählt wird als Geschichte einer Frau, die nach oben kam, allein ob ihrer fraulichen Reize und nicht etwa durch Sachkenntnis und Verstand. Welch gutes Signal, dass sie es ist, die den wichtigsten Chefredakteur (Diekmann) und den wichtigsten Vorstandsvorsitzenden (Döpfner) durch die deutsche Medienlandschaft dirigiert. Sie sagt, was sie zu tun haben. Und bringt die Sache der Frauen nach vorne. Sie macht Merkel stark, viel mehr als frau es ahnen kann. Und sie macht möglich, dass die wichtigste Frauenrechtlerin dieses Landes in Bild schreiben darf. Das macht das Land besser. Das macht die Zeitung besser. Und hilft der Sache der Frauen. Wie wär es mal so herum: Nicht Axel Springer hat sie gefischt, sondern sie ihn. Frau weiß eben, was sie tut.

Nee, ey, geh weg

Von K. D. Lang

Ihr Getue, ihre Handtaschen, ihr schmallippiges Friesisch, wie sie an Döpfner hängt. Sie geht mir nur noch auf die Nerven. Ich musste weg von ihr. Hier scheint die Sonne. Sie ist nicht konservativ, sie ist ein Brot. Kennt sie Kohl? Kennt sie irgendwen? Weiß sie, was der Boulevard braucht? Sie ist nicht schlau, sie ist beraten. Und selten gut. Wie die durchs Haus wackelt! Frauen, lest dieses Buch, wenn ihr wissen wollt, wie ihr nach oben kommt, ohne euch auszuziehen. Ich bin erst mal raus.

Post von mir

Von Franz Josef Wagner

Liebe Friede, du stehst da. Sie alle wollten dir ans Geld. Du bleibst stehen. Sturm auf Sylt. Sturm in Berlin. Ich muss ein Geständnis machen, nicht weil ich trinke. Whiskey im 16. Stock. Blick auf die Stadt. Du bist kein junges Ding. Aber ich muss sagen: Ich verehre dich, ich bewundere deine Stärke. Ich sah in dein Gesicht. Ich sah es von vorne. Ich sah, wie du in die Sphäre von Siegen und Verlieren kamst. Am Ende: Triumph Friede. Immer wieder. Das haben sich die Herren, die Einstecktücher, die Bäuche, anders gedacht. Niemand glaubte, was ich wusste: Friede siegt.

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