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BERLIN taz | Sehr geehrter Günter Grass. Sie haben gestern ein politisches Gedicht veröffentlicht, das in den Medien wie eine Atombombe eingeschlagen ist. Es dauerte auch nicht lange, bis wir von ganz oben dazu aufgefordert wurden, uns etwas dazu zu überlegen: "Das ist doch eine Steilvorlage für Satiriker! Das könnt ihr euch nicht entgehen lassen!" Uns gar nicht dazu zu äußern, kam also nicht in Frage. Wir überlegten darum hin und her und her und hin, was wir von dieser verschnarchten Altherrenpoesie denn nun halten sollten. Bereits durch die flüchtige Lektüre des lyrisch-rheumatischen Mahnmals um etwa drei Jahrzehnte gealtert, kamen wir schließlich zu folgendem Ergebnis: Herr Grass, hätten Sie dieses Scheißgedicht nicht erst einen Tag später veröffentlichen können? Dann hätten wir nämlich frei gehabt. Auch das musste einmal gesagt werden.
Der Historiker Christian Gerlach hat extrem gewalttätige Gesellschaften untersucht. Sein Ergebnis: Auch die Zivilbevölkerung kann Auslöser von Massengewalt sein.

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