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  • 03.02.2009

Aufruf: "Reichtum umverteilen"

Weltsozialforum will ein Steuersystem unter UN-Regie und Schuldenerlass für Arme

BELÉM taz Kehraus auf dem Campus der Amazonien-Uni: Am Sonntagnachmittag ist das neunte Weltsozialforum mit einer "Versammlung der Versammlungen" in Belém zu Ende gegangen. Auf einer Bühne trugen die Sprecher von 22 Aktionsbündnissen ihre Forderungen vor: Feministinnen, Umweltschützer, Kleinbauern, Afrobrasilianer, Migrations-, Finanz-, Wasser-, Gesundheits- oder Bildungsaktivisten.

Ein paar tausend hörten sich die teils recht langatmigen Erklärungen geduldig an. Die meisten der 133.000 Forumsteilnehmer aus insgesamt 142 Ländern hatten schon vorher den Heimweg angetreten. Beschlossen wurde eine "Woche gegen Kapitalismus und Krieg" zwischen dem 28. März und dem 4. April. Am 30. März findet ein "Solidaritätstag mit Palästina" statt. Am 12. Oktober wollen nicht nur Indígenas aus ganz Amerika für ein neues "Zivilisationsmodell" auf die Straße gehen, sondern auch AktivistInnen in Afrika, Asien und Europa.

Immer wieder ist von "Systemkrise" und einem zwingenden "Paradigmawechsel" die Rede. Im Publikum steht der deutsche Attac-Aktivist Alexis Passadakis und fasst seine Botschaft so zusammen: "Das Finanzsystem muss auf völlig neue Füße gestellt und der globale Reichtum umverteilt werden, kosmetische Korrekturen reichen nicht." Der Forderungskatalog, den er mit anderen erarbeitet hat, reicht von der Gründung eines Steuersystems unter der Regie der UN bis zu Schuldenerlassen für Länder des Südens.

Wilfried Steen vom Evangelischen Entwicklungsdienst beklagte, dass Entwicklungsländern durch Steuer- und Kapitalflucht 900 Milliarden US-Dollar pro Jahr entgingen und sie im Gegenzug nur 100 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe erhielten. Außerdem würden derzeit Billionen Dollar zur Stabilisierung des internationalen Finanzsystems eingesetzt.

Forderungen nach einer "offiziellen" Schlusserklärung weist Forumsmitbegründer Chico Whitaker von sich: "Das wäre das Ende des Forums. Die bessere Welt kann nicht dekretiert werden, sie wächst langsam von unten." Die nun präsentierten Vorschläge seien ausgereifter denn je, meint der 77-Jährige.

In der Klimapolitik lehnten die Globalisierungskritiker den Emissionshandel ab. Unternehmen könnten sich damit von der Verpflichtung freikaufen, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu vermindern.

"Es war fantastisch, so viele Gleichgesinnte zu erleben", sagt die Offenbacher Gewerkschafterin Bettina Ellermann zum Schluss, "das gibt mir neuen Auftrieb für die Arbeit zu Hause." Das nächste Weltsozialforum soll 2011 stattfinden, über den Ort soll in den nächsten Tagen entschieden werden. GERHARD DILGER

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