die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 10.08.2007
  • Statt froh zu sein, wird gejammert

    betr.: "Wer kümmert sich?", taz vom 7. 8. 07

    Die osteuropäische Kraft, die nach Deutschland kommt, spricht deutsch. Nicht selten sind das Deutschstudenten oder -lehrer, die während der Arbeitszeit in Deutschland auch die deutsche Sprache verbessern wollen. In den schlimmsten Fällen verfügen die osteuropäischen Arbeiter mindestens über die Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Diese Menschen bleiben natürlich länger als drei Wochen (siehe Zuwanderungsgesetz, Freizügigkeitsgesetz), sie bleiben zumindest drei Monate lang, danach machen sie eine zwei-, dreiwöchige Pause und kommen meistens wieder.

    Pflegerinnen ist vielleicht ein unglückliches Wort, denn sie sind in den meisten Fällen keine Pflegerinnen, sondern Betreuungspersonal. Sie machen Essen, Einkäufe und den ganzen Haushalt. In manchen Fällen müssen sie die alten Menschen waschen, umziehen oder ihnen Medikamente geben. Ansonsten kommt morgens und abends eine deutsche Pflegekraft, die die tatsächliche Pflege macht. Solche Vermittlungen wie McPflege haben endlich das abgeschafft, worüber so viele jammerten - das Illegale. Statt erst mal darüber froh zu sein, wird weitergejammert - diesmal über Lohndumping! Statt sich ständig zu beklagen, könnte man versuchen nach neuen Lösungen zu suchen, die für alle in Ordnung wären.

    Man sollte darüber nachdenken, wie viel diese Menschen hier leisten, was für unglaublich schwierige Arbeit sie machen, und auch darüber, dass es vielleicht nicht genug Deutsche gibt, die so eine Arbeit rund um die Uhr (denn viele Familien wollen ja nicht viele Personen zu Hause, sondern brauchen vertraute Personen) sogar für mehr Geld nicht machen würden! JOANNA PIWOWARCZYK, Berlin

  • Ein Kompromiss gefunden

    betr. "Ernährungsmedizin in der Krise", taz vom 3. 8. 07

    Gerade Prof. Pudel war lange der Gegenspieler des auf vegetarische Vollwerternährung setzenden Dr. Bruker in Lahnstein. Erst als mehrere zum Teil sehr groß angelegte Studien wie die des Bundesgesundheitsamtes (Prof. Rottka), des Deutschen Krebsforschungsinstituts in Heidelberg und des Instituts für Ernährung in Gießen (Prof. Dr. Leitzmann) in Deutschland und viele weitere im Ausland den Wert vegetarischer Ernährung bewiesen, wurde zurückgerudert. Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt offen zu, dass die Einstellung der Bundesregierung für sie eine große Rolle spielt.

    Und unser Ernährungsminister Seehofer, der leider zugleich Landwirtschaftsminister ist, vertritt so sehr die Linie des Bauernverbandes, sprich der großen Agrarindustriellen, dass deren Präsident Sonnleitner sich deswegen selbst für entbehrlich erklärte. Was folgt daraus? Die Agrarindustrie in Deutschland setzt hauptsächlich auf "Veredlungsprodukte", sprich Fleisch, Milch und Eier. Entsprechend wirbt die CMA als Marketinginstrument der Bauern, entsprechend sieht die "Ernährungsberatung" des Landwirtschaftsministeriums aus. Die DGE gerät dadurch unter Druck. Hier wurde nun schlicht und einfach ein Kompromiss gefunden! Es ist klar, dass Ernährungsstudien an Menschen keine Laborbedingungen erfüllen. Aber sie sind immer noch aussagekräftiger als jeder Tierversuch!

    ELISABETH PETRAS, Hamburg

  • Leid wissenschaftlich belegt

    betr.: "Entschädige mich" von Ariel Magnus, taz zwei vom 8. 8. 07

    Zynisch und gewollt lustig kommt Magnus' Artikel daher; ihm als Enkel einer Holocaust-Überlebenden scheint man das zuzugestehen bei einem Thema, das sonst mit einer berechtigten Witz-Sperre belegt ist. Und er geht dabei meilenweit vorbei an den berechtigten Unterstützungsgesuchen von Nachkommen Holocaust-Überlebender, deren Leid wissenschaftlich vielfach belegt ist. Auch gänzlich unlustig die Gleichsetzung zwischen der Ausdehnung der Opfer-Gruppe auf die 2. Generation der Überlebenden einerseits und der gar nicht neuen Viktimisierung der Mitläufer und Täter in Deutschland andererseits. Wirklich interessant ist dagegen der letzte Absatz, wenn auch vielleicht nicht so gemeint: dass die israelische Politik gegenüber den Palästinensern trotz aller aktualpolitischer Erschwernisse und oft berechtigter Sicherheitsinteressen in vielen Zügen nur verständlich wird, wenn das generationenübergreifende, im faschistischen Holocaust ihren negativen Höhepunkt findende Trauma des Verfolgt- und Vernichtetwerdens als (zumindest unbewusste) Grundlage politischer Entscheidungen miteinbezogen wird.

    DAVID ZIMMERMANN, Berlin

  • Wichtige, lebendige Kontaktstelle

    betr.: "Auf Konfrontationskurs", taz vom 8. 8. 07

    Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag "Willy-Brandt-Zentrum - Schließung verhindert" gelesen. Ich selbst war 2003 am Willy-Brandt-Zentrum als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Mein Eindruck von der Arbeit des Zentrums ist daher natürlich keineswegs objektiv. Unabhängig von der hohen wissenschaftlichen Qualität, die den Forschungsprojekten des Zentrums eignet, erscheint es mir wichtig, vor allem auf einen Aspekt hinzuweisen: Das Willy-Brandt-Zentrum hat sich seit seiner Gründung als eine wichtige und lebendige Kontaktstelle in den deutsch-polnischen Beziehungen entwickelt, die ihresgleichen sucht. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass Sie so ausführlich über die Lage des Zentrums berichten und auf diese Weise dazu beitragen, dass sich die Stimmen für einen Erhalt des Willy-Brandt-Zentrums mehren. CHRISTIAN LOTZ,

    Leipziger Kreis, Forum für Wissenschaft und Kunst

  • Ängste relativieren

    betr.: "Angst vor hochgiftigem Gas", taz vom 4. 8. 07

    Um die Ängste vor der geplanten Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen Dormagen und Uerdingen etwas zu relativieren, sollte man sich vergegenwärtigen, dass, bevor das Stadtgas durch Erdgas ersetzt wurde, jeder Gaskunde Kohlenmonoxid in seine Küche geliefert bekam. Das Stadtgas enthielt ca. sechs Prozent Kohlenmonoxid.

    BERND WILLENBERG, Bergisch-Gladbach

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.