die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 17.10.2007
  • Warum Susan B. sterben "musste"

    betr.: "Ehrenmord: Ich würde sie wieder töten", taz vom 10. 10. 07

    Wenn ich den Bericht richtig verstanden habe, dann "musste" Susan B. nicht nur deshalb sterben, weil der Mann, mit dem sie zu welchem Zweck auch immer verheiratet (worden) war, nicht nur ausgesprochen menschenverachtend dumm gemacht worden war (das Patriarchat ist bekanntlich ein weites Feld und nicht nur für Frauen ein Gefängnis).

    Sie musste auch sterben, weil sie der Residenzpflicht unterlag und deshab nicht im Frauenhaus bleiben konnte; sie als aus dem Irak stammende Frau nach "gescheitertem" Asylverfahren nur geduldet war; weil geduldete IrakerInnen ausreisepflichtig sind und deshalb abgeschoben werden können (und werden! Die Flugverbindung nach Erbil steht!); weil geschlechtsspezifische Verfolgung ja nur da stattfindet, wo ein Mann einer Frau nicht durch Ehe oder Verwandtschaft begründet an den primären Geschlechtsorganen "rumpuhlt"; weil ein Kontaktverbot zwar ausgesprochen, aber nicht präventiv durchgesetzt werden kann; weil in der eher traditionell landsmannschaftlichen kurdischen Werteordnung den Frauen die Gleichberechtigung halt im Unterschied zum Grundgesetz nicht gewährt worden ist; weil Ehescheidung nicht unter mittelbare staatliche politisch motivierte Verfolgung fällt; weil wir ja nicht alle Verfolgten aufnehmen können, nicht mal dann, wenn sie Frauen sind; weil sie glaubte, die deutsche Justiz helfe ihr und das vorübergehend noch geduldete vertraute Umfeld könne ihr und dem Kind noch ein kleines Weilchen erhalten bleiben.

    Hab ich was ausgelassen, vergessen? Außer, das eine ordentliche deutsche Ehefrau, wenn sie denn Anwältin ist, nicht für solche Menschen wie Susan B. tätig sein sollte, weil das kein Geld bringt? …

    CHRISTINE RÖLKE-SOMMER, Berlin

  • Missliche Situation selbst verursacht

    betr.: "Was ist sozial gerecht? SPD weiter uneins", taz vom 9. 10. 07

    An dieser misslichen Situation innerhalb der SPD ist die Partei einzig und alleine selber schuld und sie hat die Ursache ganz alleine in den eigenen Reihen und in der jüngsten Vergangenheit zu suchen. Die Krönung der Sozialstaatsdemontage durch die Ära Schröder war die Agenda 2010, welche die Arbeitnehmer sowie die Arbeitslosen, welche einen Hauptwähleranteil darstellten, in eine soziale Krise gebracht hat. Dieser Verlust der sozialen Identität gibt der Neuen Linken, aber auch der CDU die Möglichkeit, sich sozial zu profilieren, und diese beiden Parteien können genüsslich von außen zusehen, wie sich die Partei von innen zerfleischt und selber vernichtet. Hätte man die Politik von Schröder vorher gestoppt und auf sein eigenes soziales Profil geachtet und vor allem darauf geachtet, dass sie eigentlich eine Arbeitnehmerpartei ist, hätte sie sich für diese Gegenwart viel Ärger von innen, aber auch von außen ersparen können.

    Die SPD kann nicht sagen, sie sei nicht gewarnt worden, die massenhaften Parteiaustritte und die Wahlergebnisse waren nur jeweils ein Schuss vor den Bug für die Meinung der Basis bezüglich ihrer Sozialpolitik. GEORG DOVERMANN, Bonn

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Kinder als Spitzel missbraucht

    betr.: "Alkohol in Kinderhänden", Kommentar von Christian Rath, taz vom 15. 10. 07

    Ich habe keinen einzigen kritischen Kommentar gelesen, der "Bedenken" (Zitat) derart hatte, wie Sie sie formulieren: "Denn Jugendlichen, die unter Aufsicht der Polizei den Jugendschutz testen, wird dabei ja nicht zugemutet, Alkohol zu trinken oder jugendgefährdende Videos anschauen. Diese Jugendlichen werden die Produkte bloß aus dem Regal holen, an der Kasse vorzeigen, bezahlen und anschließend bei einem Beamten, der das alles beobachtet, abliefern." Es ging darum, Kinder als Spitzel zu missbrauchen.

    "Zwar wirkt es immer problematisch, wenn der Staat seine Bürger zu rechtswidrigem Verhalten anstiftet, um sie dann dafür zu bestrafen." Noch mal: der Widerspruch bezog sich auf die Kinder! Der Staat stiftet Kinder an, Erwachsene zu rechtswidrigem Verhalten zu verführen! So wird unser Rechtsstaat dann Kindern vorgeführt. Der Kinderschutzbund hat bereits vor drei Tagen zu Recht darauf hingewiesen, dass derartige Aktionen die Würde von Kindern missbrauchten. Es tröstet mich, dass Frau von der Leyen immerhin so viel Rechtsempfinden hat, dass sie der Meinung ist, dass unsere derzeitige Rechtslage den Einsatz von Kinder-Spitzeln nicht erlaubt.

    DORIT SIEVERT, Aachen

  • Bürger gängeln und gefügig machen

    betr.: "Mit Spionen auf Mitarbeiterjagd", taz vom 13. 10. 07

    endlich werden die verhältnisse mal wieder auf die füße gestellt. schäuble ist mit seinen gezielten rechtskonservativen äußerungen, die er stück für stück streut, sicherlich ein der aufklärung und demokratie äußerst schädlicher mensch. dennoch geht ja das allseits bekannte bild von ihm mit der unterschrift "stasi 2.0" in die falsche richtung, denn die vorratsdatenspeicherung hat ja nun doch wirklich die zypries zu verantworten, wie der artikel schön darstellt, und die gehört zur spd. damit steht sie in bester tradition zu horst herold, der sich damals in nürnberg noch als polizeipräsident von seinen beamten jeden tag an der bahnhofsbuchhandlung die prawda hat holen lassen. später dann als chef des BKA führte er u. a. die rasterfahndung ein. den bürger gängeln und gefügig machen scheint somit ein symptom der so genannten volksparteien zu sein.

    KARSTEN NEUMANN, Nürnberg

  • Pointiert, boshaft, unvergesslich

    betr.: "Krönung einer Rebellin", taz vom 12. 10. 07

    Ich habe mich über Doris Lessing auf der ersten Seite sehr gefreut, möchte aber doch Einwände gegen die Behauptung ihrer Autorin Renée Zucker erheben, dass diese Grande Dame der britischen Literatur keine Schriftstellerin von großer Meisterschaft sei. Lessings Martha-Quest-Reihe oder Bücher wie "The Good Terrorist" sind großartig erzählt, packend, ihre Charakterstudien toll, pointiert, boshaft, unvergesslich. Das finden auch Frauen (und Männer) unter 45 Jahren. TANJA DÜCKERS, Berlin