die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 20.10.2007
  • 680 Seiten "heavy stuff"

    betr.: "Der Schock-Moderator"

    Die deutsche Sprache hat zwar ihre Tücken, aber bislang steht das Wort Moderator noch nicht für Streitgespräch. Wahrscheinlich ist mir da eine entsprechende neue taz-Sprachreglung entgangen. Ich habe mich ganz konservativ an den Duden gehalten. Der versteht darunter "mit einleitenden und verbindenden Worten versehen". Tut mir leid, dass ich die Reporterin so enttäuscht habe. Falsche Veranstaltung besucht.

    Apropos Naomi Klein: Es kann ja sein, dass tazler einen Teleprompter brauchen, um sich ihre eigenen Texte wieder ins Gedächtnis zu rufen. Naomi Klein weiß einfach noch, was sie geschrieben hat und - sorry - stottern tut sie auch nicht. Vielleicht erhöht mangelnde Selbstsicherheit ja in Euren Augen die Glaubwürdigkeit. Neu war mir bislang allerdings, dass FAZ und taz inzwischen demselben neoliberalen Gedankengut huldigen beziehungsweise die taz sich von der FAZ die Argumente leiht. Das Pro-Kopf-Einkommen ist eine klassische Durchschnittsfalle. Milliardärseinkommen in Indien und anderswo bringen den Hungernden merkwürdigerweise kein Korn Reis mehr in die Schüssel - außer in der Statistik. Und was hat das mit den Argumenten des Buches zu tun? Da geht es um die Nationen, die eine neoliberale Wirtschaftspolitik eingeführt haben. Kann ja sein, dass die Reporterin sich in Russland besser auskennt: Die Armut ist seit dem kapitalistischen Crashkurs dramatisch gewachsen, wie man ja auch in der taz nachlesen kann. Lesen hilft. Aber 680 Seiten sind wirklich heavy stuff. JOHANNES KAISER, Berlin

  • Ein Stück Menschheitsgeschichte

    betr.: "Unter Verdacht. Der ,Fall Dejagah' ist zu einem Lehrstück für politische Empörungsroutinen geworden", Kommentar von Daniel Bax, taz vom 16. 10. 07

    Lob der taz für die Art und Weise der Berichterstattung und Diskussion des "Falls Dejagah". Jenseits der Frage, welche Motive für Ashkan Dejagah ausschlaggebend waren und wie er diese ohne einen solchen Eklat hätte verfolgen können, stellt sich die Frage, ob Deutschland bereit ist, Migranten mit eigenen geschichtlichen und politischen Erfahrungen anzuerkennen. Der Holocaust ist ein Stück Menschheitsgeschichte, der zur Erinnerungskultur eines jeden Menschen, insbesondere wenn er in Deutschland lebt, gehört. Der Staat Israel und seine Politik in den besetzten Gebieten können aber unterschiedlich beurteilt werden, auch beeinflusst durch die eigenen historischen Erfahrungen. Das bei der Einbürgerung geforderte Bekenntnis zu Deutschland kann nicht so weit gehen, dass es ein bestimmtes Verhältnis zu Israel beinhaltet. MARTIN LEDER, Dresden

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Mehr Wechsel ist notwendig

    betr.: "Wir brauchen keine Revision", Interview mit Tarek Al-Wazir, taz vom 11. 10. 07

    Es ist ja nett, wenn sich die taz im Interview mit dem grünen hessischen Fraktionsvorsitzenden Tarek Al-Wazir Gedanken über junge Talente in der Politik macht. Wenn sie aber zugleich denjenigen, die sich nach ihrer Abgeordneten- oder Ministerzeit für einen selbst gewählten Abschied aus der (Partei)politik entschieden haben, unterstellt, "abgehauen" zu sein, dann ist das unfair und inkonsistent zugleich. In der Regel behaupten Journalisten doch, dass die Politiker entweder auf ihren Sesseln kleben oder sie von der Parteibasis endlich abgewählt werden müssten. Da passt etwas nicht zusammen. Meines Erachtens brauchen wir eher mehr Wechsel in die Politik und selbstbestimmte Abschiede aus selbiger.

    KLAUS MÜLLER, Minister a. D., Düsseldorf

  • Zu viel Krawallsendungen gesehen?

    betr.: "Der Schock-Moderator"

    Mit großer Verwunderung habe ich den Bericht über eine Lesung von Naomi Klein gelesen. War dies die erste von der Autorin je besuchte Lesung? Oder hat sie vielleicht im Fernsehen zu viele Krawallsendungen gesehen? Denn seit wann ist es üblich, Buchvorstellungen wie Boxkämpfe zu inszenieren? Zugegeben: Manchmal habe ich mir bei solchen Gelegenheiten selbst schon etwas mehr Kritik und Konfrontation gewünscht, zum Beispiel bei der Präsentation von Pamphleten im Buchformat wie Henryk M. Broders "Hurra, wir kapitulieren". Aber es ist doch wohl absurd, einer Autorin vorzuwerfen, dass Moderator und Publikum sie nicht fertigzumachen versuchten. Sollte der taz-Bericht dafür einen Ausgleich liefern?

    IRMGARD PINN, Aachen

  • Wichtiges Thema geht unter

    betr.: "Der Schock-Moderator"

    Der Vorwurf, dass Frau Klein "bei ihrer Argumentation einige Punkte unter den Tisch fallen" lässt, trifft möglicherweise zu. Die genannten Punkte jedoch haben mit Frau Kleins These kaum etwas zu tun: dass die Verfechter des Neoliberalismus Krisen und Katastrophen ausnutzen, um Änderungen in ihrem Sinne durchzusetzen. So wurde zum Beispiel in New Orleans innerhalb kürzester Zeit nach "Katrina" die Umwandlung öffentlicher Schulen in teilprivatisierte chartered schools in die Wege geleitet.

    Schade, dass ein wichtiges Thema so untergeht, im Stil zwischen Klatschspalte und Sportreportage. STEFAN BARTH, Jünkerath

  • Allerhand Unfug

    betr.: "Der Schock-Moderator. In der Berliner Buchhandlung ,Dussmann' stellt Naomi Klein ihr neues Buch ,Die Schock-Strategie' vor" von Nicole Basel, taz zwei vom 17. 10. 07

    Die Autorin moniert, Naomi Klein habe unterschlagen, dass "das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen seit den 70er-Jahren gestiegen" sei. Frei nach Radio Eriwan mag das "im Prinzip" zutreffen. Wenn beispielsweise das Einkommen eines Managers um 10.000 Euro und mein Einkommen um 100 Euro steigt, hat sich unser beider Einkommen um durchschnittlich 5.050 Euro erhöht. Mit Durchschnittlichkeit lässt sich so allerhand Unfug erklären!

    GÜNTER FRECH, Berlin