die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 24.10.2007
  • Anderer Lebensstil ist nötig

    betr.: "Technik statt Verzicht", taz vom 17. 10. 07

    Es wird angedeutet, dass für Umweltschutz und gegen Klimawandel nicht nur technische Innovationen, sondern auch ein anderer Lebensstil benötigt wird. Dieser Diskussion möchte ich einen Aspekt über die Wirksamkeit von neuen Techniken hinzufügen, wenn die Problemursache in Wirklichkeit in archaischen Trieben liegt.

    Ein Beispiel dazu ist der Abgas-Turbolader, der damals den Wirkungsgrad des Ottomotors deutlich verbesserte - sollte also den CO2-Ausstoß verringern. Wozu diese Erfindung dann "turbogeil" missbraucht wurde, ist hinlänglich bekannt. Ein anderer Fall wird durch die immer größer werdende Kerosin-"Sparsamkeit" von Flugzeugen gezeigt: Sie hat mit dazu beigetragen, dass das Fliegen extrem billig wurde, und die Zuwachsraten dieses mit Abstand schädlichsten Verkehrsmittels wuchsen entsprechend schwindelerregend (vom neuen Weltraumtourismus abgesehen). Der Dieselmotor und Autoreifen wurden durch technische Innovationen immer "sauberer". Das Resultat liegt dann darin, dass der Ruß bzw. Reifenabrieb nun extrem fein ist und durch die Lungenbläschen in die Blutbahn gerät - mit zigtausendfachem frühzeitigem Tod allein in Deutschland.

    Technische Verbesserungen sind kaum hilfreich, wenn es um psychologische und soziale Fehlentwicklungen geht wie gelangweilten Konsumismus und archaische PS-Prahlerei.

    KLAUS BUGGISCH, Karlsruhe

  • "Passive Sterbehilfe"

    betr.: "In Kürze: Sterbehilfe in Italien", taz vom 20. 10. 07

    Ich befürchte, dass Sie mit dieser Überschrift Verwirrung stiften könnten.

    Wenn in Deutschland ein Arzt auf Wunsch des Patienten das Beatmungsgerät abschaltet, macht er sich nicht strafbar und der Fall würde auch nicht vor Gericht verhandelt werden. Es handelt sich nämlich nicht um Sterbehilfe, wenn darunter eine verbotene und strafbare Handlung verstanden wird, etwa "aktive" Sterbehilfe. Im geschilderten Fall geht es um die auch in Deutschland erlaubte "passive Sterbehilfe", besser bezeichnet als "Sterbenlassen" (Zulassen, Geschehenlassen des Sterbens). Der Patient verzichtet darauf, medizinisch behandelt zu werden - und das "darf" er auch dann, wenn er in der Folge (früher) stirbt. Kein Mensch darf zu einer medizinischen Behandlung gegen seinen Willen gezwungen werden. Und nach dem Verständnis der Bundesärztekammer gehören auch künstliche Beatmung oder künstliche Ernährung zu medizinischen Behandlungsmaßnahmen, auf die der Patient - z. B. in einer Patientenverfügung oder im Gespräch mit seinem Arzt - verzichten kann (Empfehlungen der BÄK zum Umgang mit Patientenverfügungen 2007).

    JOACHIM KRAUSE, Schönberg

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Gegen die medizinische Ethik

    betr.: "Mediziner werden zu Spitzeln der Kassen. Ärztekammer-Chefin kritisiert die neue Meldepflicht bei Behandlung von Schäden nach Piercings und Schönheits-OPs", taz vom 19. 10. 07

    Es ist mir unverständlich, wie Frau Wenker fordern kann, dass mensch die Folgen missglückter Schönheits-OPs aufgrund von "Selbstverschulden" selber tragen soll. Abgesehen davon, dass die Nachfrage nach Schönheits-OPs in sich ein Symptom für Psychopathologie und daher für sich selber heilungswürdig ist, ließe sich die Liste "selbst verschuldeter" Behandlungsindikationen nach ihrem geschilderten Verständnis sehr leicht erweitern auf (Extrem-)Sport, Suizidversuche, Selbstverletzungen, Tabakkonsum… etc. Dem entgegen steht die medizinische Ethik, wonach jeder behandlungsbedürftige Mensch eine solche auch bekommt, welche auch Frau Wenker bekannt sein sollte.

    Es ist ein Schritt in Richtung Verweigerung medizinischer Leistungen, bestimmte Indikationen aus der Kostenerstattungspflicht der GKV herauszunehmen. Dass es gesellschaftliche Kräfte gibt, die gerade dieses erreichen wollen, sollte nicht überraschen; dass diese auch an der Spitze einer Landesärztekammer angekommen sind, lässt nichts Gutes erahnen. JÜRGEN PIATER, Kassel

  • Ein wichtiger Politiker

    betr.: "Das grüne Fallbeil. Robert Zion ist zur prominenten Reizfigur der Grünen geworden", taz vom 19. 10. 07

    Robert Zion verfügt offenbar über ein Verantwortungsgefühl gegenüber sozial Schwachen und setzt sich für das bedingungslose Grundeinkommen ein. Das macht ihn zu einem wichtigen Politiker. Ich finde es erschreckend, wenn ein grüner Bundestagsabgeordneter das soziale Gewissen des Herrn Zion mit Begriffen wie "Sozialismusromantizismus" verhöhnt und sich damit eigentlich nur zum Abklatsch von Westerwelle und Co. macht. Zwei Tage zuvor war in der taz zu lesen, dass Hartz IV die Zahl der Kinder in diesem Land verdoppelt hat, die am Rande des Existenzminimums leben. Nimmt man bei den Grünen solche Nachrichten noch zur Kenntnis? Die Umsetzung der Ideen, die bekanntlich aus den Vorstandsetagen eines Konzerns stammen, schließen immer mehr Menschen von der Teilhabe am öffentlichen Leben aus und tragen so zum schrittweisen Abbau der Demokratie bei. Ich kann nur hoffen, dass Herr Zion nicht der einzige Grüne ist, der dies mitbekommt.

    BERND-MICHAEL KABIOLL, Berlin

  • Männlich und sensibel

    betr.: "Gleich, gleich, ungleich", taz vom 20. 10. 07

    Es kommt wirklich selten vor, dass ich vor Freude heule, wenn ich den Bayerischen Rundfunk schaue. Doch als ich vor ein paar Monaten zufällig in ein Konzert von Michael Fitz zappte, passierte es: Ich war hingerissen. Mir war sofort klar, dass er den Tatort schmeißen musste. Nicht, dass er ein schlechter Schauspieler wäre und den "Carlo" nicht super sympathisch und sexy rübergebracht hätte. Aber was er mit seinen Songs - mehrsprachig! auch auf Bayerisch! - an Männlichkeit und Sensibilität ausdrückt, das ist einfach Wahnsinn. Carlo ist tot, es lebe Michael Fitz! PETRA STAMM, Bad Brückenau