die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 01.08.2008
  • Bedarf dem Angebot anpassen

    betr.: "Wind liefert stundenweise mehr Strom als AKWs", Interview mit Raimund Kamm, taz vom 25. 7. 08

    Der Vergleich der Windenergie mit der Atomenergie zeigt anschaulich, wie weit wir schon mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien gekommen sind. Der Wind erzeugt im Jahr etwa ein Drittel so viel Strom wie die Atomenergie.

    Aber der Ausbau der Windenergienutzung hat sich in Deutschland verlangsamt, und es wird noch sehr lange dauern, bis die Windenergie mit der Atomenergie gleichzieht. Mit dem Aufbau riesiger Offshore-Windparks in der Nordsee ginge es schneller voran. Sechshundert große Windturbinen im Meer können in der Jahressumme so viel Strom liefern wie ein Atomkraftwerk.

    Allerdings liefert auch ein Offshore-Kraftwerk den Strom nicht gerade so, wie wir ihn brauchen. Genauso wenig wie ein Atomkraftwerk kümmert sich der Wind um den Bedarf der Verbraucher. In Zukunft wird zwar immer öfter der Fall eintreten, dass Wind stundenweise mehr Strom liefert als alle AKWs zusammen, aber wir wissen dann nicht mehr, wohin damit. Windstrom, der in stürmischen Winternächten massenhaft anfällt, nützt uns nichts, wenn wir ihn nicht verbrauchen können.

    Da hilft nur eins: Die Verbraucher müssen in Zukunft ihren Bedarf dem Angebot anpassen. Das könnte man über den Strompreis regeln, der stundenweise festgelegt und in allen Haushalten angezeigt wird. Wenn viel Solar- und Windstrom im Netz ist, wird der Strom billig sein, und dann sollte man die Waschmaschine starten - oder einen anderen Stromfresser.

    Unter dem Strich billiger wird der Strom dadurch sicherlich nicht. Deshalb ist es wichtig, dass die Stromverschwendung in den Haushalten endlich aufhört. DETLEF KOENEMANN, Bielefeld

  • Realitätsferne Agrarromantik

    betr.: "Es gibt zu viel Milch auf dem Markt", taz vom 29. 7. 08

    Bei der taz-Lektüre ist mir heute Morgen mal wieder aufgefallen, dass eure Auswahl an Bildern zum Thema "Milchpreise" ausgesprochen einseitig und irreführend ist.

    Neben dem Artikel heute ist eine Kuh unter freiem Himmel zu sehen, unter dem Bild der muntere Kommentar: "Um sie geht es beim Milchgipfel: Kuh auf der Weide." Erst mal ist dieser Satz schon auffallend falsch. Denn um die Kühe und die Bedingungen ihres Lebens und Sterbens geht es bei der gesamten Milchpreisdebatte, auch in der taz, leider überhaupt nicht.

    Ich erinnere mich an etliche andere Bilder "glücklicher" Kühe in der taz in den letzten Wochen, und muss mich schon fragen, wo eure Motivation liegt, gerade solche Bilder zu drucken. Bekanntermaßen leben die allermeisten Kühe in Deutschland nicht auf grünen Wiesen, sondern in engen, dunklen Ställen, nach zwei, drei Jahren intensivster Milchproduktion sind sie "schlachtreif". Mit eurer Bildauswahl befördert ihr eine realitätsferne Agrarromantik und erledigt damit genau das Geschäft der Agrarwirtschaft.

    Viele Menschen hängen dieser Romantik an, das Wissen darüber, wie Fleisch, Milch oder Eier produziert werden, ist auch bei gebildeten Schichten oft erschreckend gering, ebenso wie die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Es wäre doch schön, wenn die taz hier aufklärend wirken würde. LUKAS SCHULTE-VENNBUR, Bonn

  • Teure Stromerzeugung

    betr.: "Wind bringt mehr Strom als Atomkraft. 19.900 Rotoren liefern mehr Megawatt als die 17 Atommeiler", taz vom 24. 7. 08

    "19.900 Rotoren mit einer maximalen Leistung von 23.000 MW bringen mehr Strom als 17 Kernkraftwerke mit 21.500 MW." Das Jahr hat bekanntlich 8.760 Stunden, Kernkraftwerke sind im Mittel rund 7.500 Stunden mit der Nennleistung am Netz, Windanlagen an Land erreichen rund 2.000 Stunden. Die Kernkraftwerke erzeugen also rund 157,5 Milliarden kWh im Jahr, 2006 waren es 167, 2007 waren es 141. Die genannten Windanlagen werden 2008 vielleicht 50 Milliarden kWh erzeugen können, das heißt, es fehlen immerhin noch rund 100 Milliarden kWh. Das ist erheblich mehr als die bisherigen Windanlagen an Land im Jahr 2007 erzeugt haben, denn das waren nur 39,5 Milliarden kWh, ein bisheriges Rekordergebnis!

    Trotz der rund 20.000 Windanlagen konnte bisher noch kein einziges Kraftwerk auf Dauer außer Betrieb genommen, also abgebaut werden, mit Inbetriebnahme der Offshore-Anlagen wird das kaum anders werden. Daraus folgt logisch, dass die Stromerzeugung nur wesentlich teurer werden wird und nur, sofern man Kohle- und keine Kernkraftwerke im Falle vorhandenem Winddargebotes zurückfährt, entsprechende CO2 Verringerung erreicht. Die grüne Pflanzenwelt würde das bedauern - wenn sie es könnte, die Parteimitglieder der Grünen finden das gut. HELMUT ALT, FH Aachen

  • Vorgeschriebener Schwachsinn

    betr.: "Solarpflicht kippt", taz vom 29. 7. 08

    Während in Bebauungsplänen solch Schwachsinn vorgeschrieben werden darf, dass Holzhäuser verklinkert werden müssen, die Höhe von Zäunen, die Farbe von Dachziegeln und sogar die Größe von Carports, will das Regierungspräsidium Gießen die Vorschrift zum Einbau von klimaschonenden Techniken in der städtischen Satzung verbieten.

    Da könnte einem fast die Idee kommen, dass maßgebliche Leute aus dem Präsidium von Aufsichtsratssalären oder Schmiergeldern der Energieversorgern profitieren. Beinah bin ich versucht mir zu wünschen, das Gießener Regierungspräsidium möge beim nächsten klimabedingten Starkregen kollektiv ersaufen.

    THOMAS FRIEDL, Geschendorf

  • Einheitskost und Pullover für Arme

    betr.: "Sarrazins Wintertipps", taz vom 30. 7. 08

    Thilo Sarrazin sollte mit gutem Beispiel voran gehen und zuerst den Politikern die Diäten kürzen, bevor er sich anmaßt, an die Ärmsten Einheitskost oder Pullover zu verteilen. Er scheint zu hoffen, dass er mit dem Clement-Syndrom Frührentner werden kann.

    BARBARA UDUWERELLA, Hamburg

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.