die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 14.08.2008
  • So läuft's mit den Noten!

    betr.: "Interessantes Thema!", Leserbrief vom 9. 8. 08

    Ja, so läuft's mit den Noten! Nach Meinung von Karen Schulz muss der Artikel "Bitte nicht für Schüler engagieren" (taz vom 30. 7.) mit "mangelhaft" bewertet werden, und der Verfasser des Artikels und die Lehrerin Sabine Czerny stehen blöd da. So geht's vielen der 10 Millionen SchülerInnen in Deutschland. Aber das Thema ist nicht die motivierende Lehrerin, sondern wie mit ihr umgegangen wird: Unterstellung des Betrugs, üble Nachrede, Strafversetzung. Vergehen: Nichtvollzug der Selektion, da 91 Prozent der SchülerInnen ihrer Klasse den Übertritt auf Realschule oder Gymnasium erreicht haben. Und nicht nur 27 Prozent (Bayerischer Wald) oder 70 Prozent (Starnberg). Objektivität der Notengebung?

    Das ist das Thema, Frau Schulz! Sie haben es verfehlt, und können wählen: Note fünf oder sechs. Je nach Lehrer, je nach Schule, je nach Schulart, je nach Reichtum der Gegend, je nach Bundesland.

    Literatur über anderen Unterricht gibt's zu Hauf, auch Schulen, die SchülerInnen auf dem Weg der Förderung begleiten, nicht nur in Skandinavien oder in Südtirol, sondern auch in Köln-Holweide oder Essen-Holsterhausen oder Hagen-Haspe und in Dortmund, in der Grundschule an der Kleinen Kielstraße, die 2006 den Deutschen Schulpreis gewonnen hat. URSULA LEPPERT, München

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • "Parlamentsarmee" vorm Reichstag

    betr.: "Bund will Gelöbnis vor Reichstag", taz vom 9./10. 8. 08

    So so, der Bund und alle Berliner Senatsfraktionen, bis auf die Linke, sind also dafür, das "öffentliche" Rekrutengelöbnis jedes Jahr auf dem Platz der Republik stattfinden zu lassen. Sogar die zum Militarismus konvertierten "Grünen können sich einen dauerhaften Umzug vor den Reichstag offenbar vorstellen". Nach Rot-Grün im Bund wundert einen hier eh schon nichts mehr.

    Es scheint ja auch keiner von den Verantwortlichen am Tag des Gelöbnisses in Berlin gewesen zu sein und gemerkt zu haben, dass das, was dort ablief, alles andere als öffentlich war. Oder sie waren alle geladene Gäste. Die Bundeswehr hätte ohne weiteres das Parlament besetzen können, ohne dass dies jemand mitbekommen hätte, denn es durfte sich niemand sonst auf Sicht- oder Hörweite nähern.

    Was sagt ein de facto nicht öffentliches Zeremoniell, bei dem die gesamte Bevölkerung weiträumig vom Parlament ferngehalten wird, damit dort das Militär ungestört (!) aufmarschieren darf über unsere sogenannte Demokratie aus?

    Wenn man schon öffentlich den Charakter einer "Parlamentsarmee" unterstreichen muss, so ist es doch viel wichtiger noch zu unterstreichen, von wem dieses Parlament ausgeht! Aber vielleicht will man ja genau dies durch den Ausschluss der Öffentlichkeit veranschaulichen. JAN STEGER, Berlin

  • Sozial schwach im Geländewagen

    betr.: "Umweltschäden treffen Ärmere schwerer", Interview mit Caren Lay (Die Linke), taz vom 9. 8. 08

    Nun fallen auch Abgeordnete der "Linken" auf dieses Unwort "sozial Schwache" herein. Es mag schon sein, dass es nicht wenige finanziell Schwache gibt, die ein unterentwickeltes Sozialbewusstsein haben. Aber "sozial Schwache" findet man auch als Betriebswirte, die massenhaft Leute entlassen, bei "Squeeze and Exit"-Heuschreckenfonds als Anleger, in schwarzen Geländewagen mit verchromtem Kindertöter vorm Kühler oder einfach so beim Ausgeben von ererbtem Geld. Ihre Aussage: "Wir befürworten Sozialtarife für sozial Schwache", klingt also wenig durchdacht. Die bisher übliche Nutzung dieses Ausdrucks lenkt gefährlich davon ab, auf welche Art man auch "sozial schwach" sein kann. RAINER WERNER, Mannheim

  • Nur die Karriere im Blick

    betr.: "Eltern wollen gerechte Arbeitsteilung", taz vom 12. 8. 08

    Im Untertitel des Artikels zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie heißt es: "Vater und Mutter kümmern sich um Kind und Karriere." Warum wird bei der Berufstätigkeit beider Elternteile so häufig der Begriff "Karriere" verwendet? In vielen Familien geht es weniger darum, seine Karriere im Blick zu haben. Vielmehr möchten viele Menschen entweder aus rein finanziellen Gründen (und aus der Angst heraus, den Anschluss zu verlieren) oder aber aus dem Bedürfnis nach Erfolgserlebnissen und/oder Freude im Job eine Berufstätigkeit neben der Kindererziehung ausüben. Der Begriff "Karriere" impliziert jedoch meist den Ehrgeiz, aufzusteigen und mehr Geld zu verdienen. TANJA FOERSTER, Kaiserslautern