die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 18.06.2010
  • LESERINNENBRIEFE

    Atomkraft wird nicht gebraucht

      betr.: "Streit über Atompolitik spaltet die Union", taz vom 14. 6. 10

    In unserer Zeit bestimmt Wissenschaft äußerst erfolgreich die technische und wirtschaftliche Entwicklung. Nur in den Köpfen unserer schwarz-gelben Politiker gelten andere Regeln. Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Wir brauchen die Atomkraft nicht. Die vorhandenen Laufzeiten reichen aus für den Übergang ins solare Zeitalter, zu dem sich die Koalition ja im Koalitionsvertrag bekannt hat. Niemand erwartet von den Abgeordneten im Bundestag oder von den zuständigen Ministern, dass sie die komplexe Materie der Energieversorgung durchblicken. Deshalb werden Gutachten in Auftrag gegeben. Schon 2008 erhielt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) den Auftrag, ein Gutachten zum Wechsel der Energieversorgung von fossilen hin zu erneuerbaren Energien zu erarbeiten. Anfang Mai wurden die Ergebnisse vorab als Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Laufzeitverlängerung der AKWs in einer ausführlichen Stellungnahme vorgestellt. Die Aussagen darin sind eindeutig: Der volkswirtschaftlich optimale Weg für eine vollständig regenerative Energieversorgung bis zum Jahr 2050 ist jetzt der massive Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze.

    Trotz des im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Ziels eines Wechsels hin zu erneuerbaren Energien und trotz der klaren Aussage des SRU, dass sowohl die diskutierte Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken als auch der geplante Neubau von erheblichen Kapazitäten von Kohlekraftwerken mit einer Übergangsstrategie hin zur vollständig regenerativen Energieversorgung unvereinbar sind, votieren Umweltminister Röttgen und unsere Kanzlerin für eine Laufzeitverlängerung. Flugs wird ein Gegengutachten durch das DIW - in dem Kohle- und Atomkraftlobby vertreten sind - in Auftrag gegeben. Darin sollen ausschließlich die Vorzüge unterschiedlicher Laufzeitverlängerungen berechnet werden. Die Option "Keine Verlängerung" ist nicht vorgesehen. Wie im Mittelalter: Wissenschaftliche Ergebnisse, die nicht ins Weltbild passen, werden ignoriert und ihre Vertreter bekämpft. Politische Widerstände sollen jetzt mit juristischen Tricks kaltgestellt werden. Was für eine scheinheilige Regierung! ANITA SCHWAIER, Angermünde

    Soziales Jahr statt Wehrpflicht

      betr.: "Staatsbürger ohne Uniform", taz vom 17. 6. 10

    Matthias Greffrath fragt sich, warum ein soziales Pflichtjahr keine Lobby habe. Dazu kann ich etwas aus meiner Jugend erzählen. Etwa 1983 habe ich in der Schule mal angemerkt, dass ich es ungerecht fand, dass die Buben mit 18 zum Militär müssen oder zum Zivildienst, die Mädchen aber unbehelligt bleiben. Damals gab man mir zwei Gründe: Erstens seien die Frauen mit dem Kinderkriegen schon genug belastet. Das sei eben ihr Dienst an der Gesellschaft. Und zweitens sei ein Zwangsdienst für alle nicht denkbar, weil er an den Reichsarbeitsdienst (RAD) der Nazis erinnere. Mal abgesehen davon, dass der RAD keine Erfindung der Nazis war, muten mich beide Argumente von damals heute so wie Reminiszenzen aus der politischen Steinzeit an. Matthias Greffrath gebe ich vollumfänglich recht.

    INGO DIERCK, Dannstadt-Schauernheim

    Hetze gegen links

      betr.: "Linker Sprengsatz erfreut Rechte", taz vom 17. 6. 10

    Angesichts der Tatsache, dass überhaupt noch nicht klar ist, wer diese Bombe aus welchem Motiv gezündet hat, finde ich es widerlich, wie diese Detonation instrumentalisiert wird für Hetze gegen links. Bevor irgendetwas feststeht, hetzen PolitikerInnen schon jetzt gegen berechtigte Anliegen. Theoretisch könnte das aber genauso gut jemand gewesen sein, dessen Anliegen es ist, gezielt Linke in Misskredit zu bringen, und Fakt ist nun mal, dass Polizei und Konservative sowie Rechte jetzt von dieser Bombe profitieren. Natürlich ist es Gewalt, wenn ein Sprengsatz auf Polizeibeamte geworfen wird, genauso ist das Sparparket der Bundesregierung aber auch Gewalt gegen die Ärmsten. Name und Anschrift sind der Red. bekannt

  • FANPOST

    Einsame Menschen

      betr.: Public Viewing

    Wie einsam müssen sich die Menschen wohl fühlen, wenn sie so ein übersteigertes Bedürfnis nach Gemeinschaftsgefühl haben und sich wieder in Massen zum Public Viewing einfinden? Wieso haben die gleichen Menschen nicht das Bedürfnis, mal miteinander in einer großen Masse gegen Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft zu demonstrieren? THOMAS HENSCHKE, Berlin

    Reflex oder Meinung?

      betr.: Nazijargon im ZDF

    Deutschland siegt und gleich kommen wieder die alten Formulierungen hoch, wir sind wieder beim Reichsparteitag, Deutschland siegt an allen Fronten! GERHARD LANGGUTH, Berlin

    Wo bleibt die Öko-Vuvuzela?

      betr.: Vuvuzela

    Wahrscheinlich kommt das Spielzeug aus China. Zu Billiglöhnen, vielleicht sogar aus Arbeitslagern? Und wie sieht es mit giftigen Inhaltsstoffen aus? Wo ist die Unterstützung für kleine Kollektive, die zu fairen Löhnen aus Recyclingpappe oder aus Maisstroh Öko-Vuvuzelas herstellen? ERICH LUTZ, Freiburg

    Ché und Fidel

      betr.: El Diego, der gottgleiche Lausbub, WM-taz vom 12. 6. 10

    Ich habe den Bericht mit Genuss gelesen, obwohl ich kein Fußballfan bin. Zu einem Maradona-Fan wurde ich, als ich die sehenswerte Dokumentation "Die Hand Gottes" von Emir Kusturica gesehen habe. Darin war gut zu sehen: Diego Maradona hat zwei Tattoos: Ché Guevara auf dem rechten Oberarm und Fidel Castro auf der linken Wade.

    SIBYLLA NACHBAUER, Erlangen