die tageszeitung von heute

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Ausgabe von: 25.07.2012
  • LESERINNENBRIEFE

    Hoffnungslos

     betr.: "Niemand weiß, warum er um sich schoss", taz vom 23. 7. 12

    In Colorado erschießt ein junger Mann in einem Kino 12 Menschen und verletzt Dutzende schwer. Medien in aller Welt berichten. Menschen in aller Welt sind empört, trauern, fragen sich, warum, und/oder fordern Konsequenzen. Folgerichtig. In Guatemala erschießen Anfang des Jahres ein paar junge Männer in einer Diskothek 8 Jugendliche und verletzen Dutzende schwer. Ein paar Medien berichten am Rande. Die wenigen Menschen, die es erfahren haben, wissen: Mafiamord, Auftragskiller, nichts Ungewöhnliches, bleibt ohne Konsequenzen. Hoffnungslos. BIRGIT KNOBLAUCH, Guatemala

    Ohrfeige für alle Parteien

     betr.: "Urteil gegen Ausgrenzung", taz vom 19. 7. 12

    Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Würde von Asylbewerbern ist eine Ohrfeige für alle Parteien, ganz besonders aber für die Grünen. Sie haben sich einmal - und dafür sind sie von vielen gewählt worden - als Anwalt der Menschenrechte und damit der Menschenwürde verstanden. Sie haben vor 20 Jahren die deutlichste Gegenposition gegen das unsägliche Asylbewerberleistungsgesetz eingenommen. Und obwohl sie seitdem sieben Jahre selbst an der Regierung waren, hat man in dieser Sache wenig von ihnen gehört. Es scheint, als hätten sie sich die Agenda der anderen Parteien aufdrängen lassen, sich zu Spezialisten der Eurokrisenbewältigung geschult und ihre ureigensten Themen aus der Hand gegeben.

    Wie sehr wir aber eine Partei brauchen, die äußerst wachsam auf Menschenrechte und Menschenwürde achtet, das hat das Karlsruher Urteil deutlich gemacht. Wollen sie den Ansprüchen ihrer Wähler gerecht werden, müssen die Grünen den Spagat schaffen und Eurokrise und Menschenrechte mit gleicher Aufmerksamkeit im Blick behalten. ROLF SCHMIDT, Gütersloh

    Begriffsverwirrung

     betr.: "Wenn Biomarker und Gentests entscheiden", taz v. 20. 7. 12

    Einer Begriffsverwirrung unterliegt heute offensichtlich der Begriff einer individualisierten oder personalisierten Medizin. Eine ärztliche Behandlung, die diesen Namen verdient, also über die reinen "medizinischen Notwendigkeiten" hinausgeht, war und ist schon immer eine personalisierte und individualisierte Medizin.

    Jeder Mensch ist ein Individuum, und somit ist jede Behandlung eine individuelle. Natürlich lässt sich ein kleiner Ausschnitt individueller Besonderheiten auch pharmakogenetisch und mittels irgendwelcher Marker erfassen, aber wenn wir von individualisierter Medizin sprechen, meinen wir üblicherweise eine integrierte, den Menschen in seiner somatischen, mentalen und psychosozialen Einzigartigkeit zu erfassen suchenden Medizin.

    Es wäre erfreulich, wenn sich die somatische Medizin von ihrem mechanistisch-biologischen Denken zu einer individualisierten Betrachtungsweise erweitert, diese darf aber auf der Ebene molekularbiologischer Parameter nicht stehen bleiben. Wir waren in unserem Menschen- und Krankheitsverständnis schon einmal deutlich weiter. Große Hoffnungen auf Änderung bestehen unter dem Einfluss eines mächtigen mediko-industriellen Komplexes nicht.

    STEPHAN HEINRICH NOLTE, Kinder- und Jugendarzt, Marburg

    Wo Millionen durch die Luft fliegen

     betr.: "Der Schatz im Stall", taz vom 21. 7. 12

    Mancher kommt auf den Hund, die taz aufs Pferd. Wo Millionen durch die Luft fliegen und sich Millionäre tummeln, sind die Sportberichterstatter der taz nicht weit. Nach der Fußball-EM werden sie sich dem nächsten Milliardengeschäft beziehungsweise -grab widmen: den "olympischen" "Spielen". Als Vorspiel wird den Leuten mit Durchschnittseinkommen und wenig Geld ein Gaul näher gebracht, der ein unvorstellbares Vermögen kostet, der menschliche Züge und einen kostümierten Affen tragen muss.

    Berichtet über SportlerInnen - die Amateure im französischen Sport -, die alles, nur nicht des Geldes wegen Sport treiben.

    GERT GROPP, Gangelt

    Trennung von Kirche und Schule

     betr.: "Eingeschränkt religionsfrei", taz vom 24. 7. 12

    Ihr Artikel trifft die Situation der nicht klar definierten Trennung von Kirche und Staat sehr gut. Ich möchte hierzu ergänzen, dass wir dies selbst ähnlich erlebt haben - und zwar nicht nur auf dem Lande, sondern in einer sich als weltoffen und international bewerbenden Großstadt.

    Unsere Tochter und wir sind ebenfalls konfessionslos, lebten aber bis vor Kurzem in Bonn. Wir haben, da wir als Vollzeiterwerbstätige ansonsten unsere Tochter in der Zeit des Religionsunterrichtes hätten aus der Schule abholen müssen, gemeinsam mit ihr den etwas offener wirkenden evangelischen Religionsunterricht gewählt. Bekommen habe wir: katholisch. Begründung: Es seien zu viele Interessenten für evangelisch, daher habe man sie katholisch zugeordnet. Eine Möglichkeit, dies zu ändern, gab es nicht, trotz unseres Hinweises auf die Religionsfreiheit.

    Es war allerdings nur eines von mehreren Erlebnissen bezüglich der "Kinder- und Familienfreundlichkeit" in dieser Stadt, sodass uns - wie auch mehreren anderen höher qualifizierten Eltern, denen es ähnlich erging - der Wegzug von Bonn nach Berlin nicht schwer fiel. RENE KREMPKOW, Berlin