Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 06.12.2007
  • Eine schreckliche Schrift

    betr.: "Die CDU staubt Themen ab", taz vom 3. 12. 07

    Der CDU-Programmentwurf stellt eine der schrecklichsten Schriften moderner Geschichte dar. Wenn, wie beschrieben, die soziale Herkunft des Einzelnen nicht über seine Zukunft entscheiden darf, warum wird dann davon geredet, man bräuchte qualifizierte Ausländer? Die Qualifikation hängt laut CDU-Definition sehr wohl von der (sozialen) Herkunft ab. Denn wer aus einem Bildungswesen kommt, in dem die Frauen, wie in Indien, kaum Chancen auf ausreichende Bildung haben, dem ist der Aufstieg schon verwehrt. Auch sind in der CDU-Verfassung die Homosexuellen minder wert, als die Heterosexuellen, da ihre Ehe der heterosexuellen nicht gleichgestellt wird.

    Wenn die CDU schreibt, dass unter anderem die deutsche Geschichte einen Nationalstaat geprägt hat, möchte ich doch an die Zeit "des gemeinsamen Handelns" von 1936-1945 erinnern. Das Programm bleibt jedoch weiter nationalistisch: "Die Nation ist eine Verantwortungsgemeinschaft …" Und wieso ist es in Zeiten der Globalisierung nicht die gesamte Welt mit all ihren Lebewesen?

    Weiterhin werden Möglichkeiten eines toleranten Zusammenlebens genommen. So soll es Geld für Eltern geben, die ihre Kinder vom 1. bis 3. Lebensjahr zu Hause betreuen. Wieso jedoch ist dies anzustreben, wo doch gerade die jungen Kinder im frühen Alter ein Zusammenleben mit den verschiedensten, auch ausländischen Kindern im Kindergarten erlernen können? FELIX RÖHRLE, Hamburg

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Sie sprechen mit zwei Zungen

    betr.: "Soforthilfe für Marco W. kaum möglich", taz vom 23. 11. 07

    Wo bleiben der Aufschrei der deutschen Kinderschutzvereine? Warum sprechen die deutschen populistischen Politiker und Medien mit zwei Zungen? Im Fall Marco W. geht es nach den Aussagen des dreizehnjährigen Opfers um den dringenden Tatverdacht der deutschen Straftatbestände des "schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern", des "sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen" während eines Schlafes mit der Folge der Gefahr von erheblichen Schädigungen der seelischen Entwicklung des Mädchens.

    Erst kürzlich wurden dafür unter Beifall der deutschen Politiker und Medien in Hamburg zwei türkische Jugendliche zu jeweils drei Jahren Jugendhaft von deutschen Richtern verurteilt, die ein dreizehnjähriges Mädchen im Internet kennenlernten und dann missbrauchten. Warum sollte dies in der Türkei anders sein?

    Demnach dient das deutsche populistische Geschrei nur der völlig ungerechtfertigten Verunglimpfung der türkischen Justiz und des türkischen Staates. Ebenso bloße Propaganda ist das Einschalten der deutschen Politiker und Medien sowie des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte durch die Anwälte des Marco W., genauso wie der ewige Hinweis auf Mahnwachen und Weihnachten. Die deutschen Politiker und Medien sollten vielmehr, wie auch ansonsten hierzulande, sich um die Belange des erheblich geschädigten Mädchens kümmern. Sie hätten ihm ihr Mitgefühl zu bekunden, denn Opferschutz geht vor Täterschutz. PETER HADLER, Hamburg

  • Spaltung der Frauenbewegung

    betr.: "Frau Schwarzer und der Sex", taz vom 1. 12. 07

    Sicher kann frau kritisch hinterfragen, ob Alice Schwarzer gut beraten war, Bild als Lautsprecher zu beanspruchen. Ihr jedoch einen hausbackenen und autoritären Feminismus zu unterstellen, heißt, die Spaltung der Frauenbewegung zu versuchen. Liberale Ansichten zu Prostitution und Pornographie mögen ja dem Zeitgeist entsprechen, dass es sich hierbei um Dienstleistungen hauptsächlich für Männer handelt, bleibt jedoch eine Tatsache einschließlich der ausbeuterischen Bedingungen, denen Frauen, ob freiwillig oder gezwungen, dabei ausgesetzt sind.

    Die Unterscheidung zwischen Opfer und Täterin ist in unserer komplexen Gesellschaftsstruktur überhaupt nicht klar zu trennen, Frau Schwarzer versucht das auch erst gar nicht. Ihre Kernthese war stets ein Appell an Frauen, selbstbewusst und selbstbestimmt, also unabhängig von männlich geprägten Vorgaben, zu handeln. Nach wie vor bleibt in dieser Hinsicht viel zu tun, auch wenn sich die heutige Frauengeneration weitgehend für gleichberechtigt hält. Sie ist es jedoch weder ökonomisch noch sozial.

    Frau Schwarzer ist keine weichgespülte Zeitgenossin, und dafür sei ihr Dank geschuldet. Zu viele andere knicken ein angesichts des überwältigenden neoliberalen Klimas. Möge zukünftig in der taz nicht ihr Alter Anlass zu Berichterstattung geben, sondern ihre Sicht der Dinge. RENATE FIEDLER, Bremen

  • Großmäulige Skandalisierung

    betr.: "Frau Schwarzer und der Sex"

    Der verhaltene Glückwunsch zu Schwarzers Geburtstag geht in zwei falsche und äußerst problematische Richtungen:

    Alice Schwarzer schreibt nicht nur zu Pornographie und Prostitution verkürzt und nachgerade fahrlässig, sondern auch zu Islam und anderen Themengebieten, die gar nichts mit "Sex" zu tun haben. Das aufzuzeigen und von ihren unbestrittenen Verdiensten klar abzugrenzen, wird leider versäumt. Was und wie sie schreibt und denkt, ist mitnichten generationenspezifisch, wie ich aus Gesprächen mit vielen Studierenden weiß. Meines Erachtens wissen Sie das auch. Aber sie schielen auf die Zustimmung der "junge(n) Feministin". Zugleich bedient sich der reißerisch mit dem Stichwort Sex verzierte Artikel mancher Darstellungs-, Schreib- und wohl auch Denkmethoden, die mit Recht gerade an Schwarzer kritisiert werden, der Vereinseitigung, großmäuligen Skandalisierung und der Mobilisierung falschen Publikumsbeifalls. URSULA NIENHAUS, Berlin

  • Polizistinnen in Wechseljahren

    betr.: "Ohne Hoden keine Uniform", taz vom 3. 12. 07

    Ist schon der 1. April? Wie geht die Polizei in Hessen mit Polizistin-nen in den Wechseljahren um? Werden die zur Einnahme von Hormonpräparaten gezwungen, damit sie keine Stimmungsschwankungen haben? Oder werden dort Frauen gar nicht erst in den Polizeidienst gestellt? In der 5. Jahreszeit geht's in Hessen wohl besonders närrisch zu. BARBARA KIRSCH, Lüneburg