Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 17.09.2008
  • Politiker scheinen resistent

    betr.: "Bewegung gegen Kohle", taz vom 15. 9. 08

    Mobilisieren, das ist leichter gesagt als getan. Der Bürgerinitiative "Saubere Energie Dörpen" ist es im kleinen emsländischen Dörpen trotzdem gelungen, 5.000 Menschen für eine Großdemo gegen das geplante Kohlekraftwerk der Schweizer BKW zu mobilisieren.

    Scheinbar haben die Großkonzerne mit ihrem großen Werbeetat nicht nur Einfluss auf die Politik, sondern auch auf die meisten Medien. Anders ist wohl nicht erklärbar, dass die Berichterstattung über unsere Demo und weitere Aktionen - wenn überhaupt - sehr knapp war. In teuren, groß angelegten PR-Kampagnen der Schweizer BKW wird die Bevölkerung mit Hilfe der Politik, mit Halb- und Unwahrheiten verunsichert. Und die Politiker unterstützen dies, indem sie vor dem Verlust von Arbeitsplätzen warnen, wenn das Kohlekraftwerk nicht gebaut wird.

    Die Umweltverbände können nicht annähernd so große finanzielle Mittel für Öffentlichkeitsarbeit einsetzen, wie sie die Stromkonzerne dafür zur Verfügung haben. Trotzdem haben sich hier in vielen Nachbargemeinden Dörpens bis zu 75 Prozent der Bevölkerung gegen das Kohlekraftwerk der BKW ausgesprochen! Und die Politiker und die Berner Kraftwerke BKW? Sie scheinen resistent und wollen an den Plänen festhalten! HEIDI WIENAND, Esterwegen

  • "Schrödingers Katze"

    betr.: "Gurke des Tages", taz Wahrheit vom 12. 9. 08, "Pisaniveau schockt Schrödinger", Leserinbrief, taz vom 15. 9. 08

    "Gibt es Erwin Schrödinger überhaupt, wenn niemand hinguckt?" (Wahrheit), ist eine wundervolle Parodie auf "Schrödingers Katze", seine Parodie auf die unerträgliche Situation, in die seine Quantenmechanik den menschlichen Verstand gebracht hat. Denn die lehrt, der Zustand eines (quantenmechanischen) Systems sei so lange grundsätzlich unbestimmt, bis er gemessen wird. Erst dann entscheide es sich für den einen oder andern Zustand. Übertragen aufs Makroskopische würde das bedeuten, ob der Zug Verspätung hat oder nicht, entscheidet sich erst, wenn er im Bahnhof einrollt, davor hat er sowohl Verspätung als auch nicht. Schrödinger hat daraus die Fabel konstruiert: Ein zerfallendes Atom (von dem man nie weiß, wann es das tut) löst einen Schussmechanismus aus, der eine Katze in einem Kasten tötet. Solange keiner nachschaut, ist die Katze in einem geheimnisvollen Zwischenzustand - sie ist weder tot noch lebendig, oder beides. GERHARD RUDOLF, Bad Homburg v. d. Höhe

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Bachelor geht gut

    betr.: "Der Bachelor-Bluff", taz vom 11. 9. 08

    Seit fünf Jahren bilden wir an der Hochschule Bremen BiologInnen in einem Bachelorstudiengang (Istab) aus. BiologInnen, die doch nach landläufiger Meinung sogar mit Promotion meist arbeitslos oder PharmareferentIn werden, und dann auch noch ein Bachelor an einer Fachhochschule? Kollegen von großen Unis haben mir damals prophezeit, da könne gar nicht gutgehen.

    Es geht gut! Wir haben das Studienprogramm entrümpelt und überlegt, was unsere AbsolventInnen können müssen, um in einem Beruf außerhalb der Hochschule bestehen zu können. Also wurde unter anderem ein verpflichtendes Auslandsjahr (Studium und Praxissemester) eingeführt und konsequent Praxisbezug in alle Veranstaltungen eingebaut. Die Vorbereitung auf die Promotion überlassen wir den Masterprogrammen. Der Erfolg: Unserer AbsolventInen finden überwiegend innerhalb eines halben Jahres nach dem Studium einen angemessenen Job, zum Beispiel im Labor bei Firmen, im Consultingbereich, im technischen Vertrieb, bei Behörden, und in Forschungseinrichtungen. GERD KLÖCK, Loxstedt

  • In der Ruhe liegt die Kraft

    betr.: "In der Falle der Gegenbilder", taz vom 10. 9. 08

    Nein, die Literatur hat 9/11 durchaus erfasst. Eher zufällig habe ich den 11. September "live" erlebt. Bis heute zieht sich bei mir bei einsamen Flugzeugen am Himmel der Magen zusammen. Das ist die Macht nicht des Mediums, sondern des Ereignisses, man kann es sich auch vorstellen. Großartige Romane wie John Updikes "Terrorist", Projekte wie das 9/11-Heft von Lettre International oder Grantas "What we think of America" versuchen sich nicht als Momentaufnahme, sondern denken über den fallenden Menschen nach. Die Ohnmacht des unmittelbaren Bildes gegen die subtile Macht empathisch-kritischen Denkens. In der Ruhe liegt die Kraft.

    CHRISTOPH ASSHEUER, Berlin