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Ausgabe von: 29.09.2008
  • Katholisches Gloria auf die Ehe

    betr.: "Training für die Liebe", taz zwei vom 24. 9. 08

    Ein katholisches Gloria auf die Ehe durften wir da lesen. Welch Neuigkeit! Und dass die Trennungen jetzt durch zwanghafte Kommunikationsseminare im Vorfeld vermieden werden sollen, bitte schön. Wer meint, er und sie müssen sich im Rahmen einer kirchlichen Eheschließung absichern (andere Kombinationen sie und sie oder er und er sind hier ja schön ausgeschlossen) und ist so überzeugt von der Ewigkeit seiner Partnerschaft, wird diesen Lehrgang auch über sich ergehen lassen. Vielleicht sagt das ja auch aus, dass an diesem tollen Konzept der Zweisamkeit und Liebe für immer und ewig etwas nicht stimmen könnte?

    An alternativen Ideen bietet die Autorin ja reichlich: Promi-Affären in verschiedenen Konstellationen! Dass dies in der Tat Lösungen für eine Beziehung sein könnten oder aber Vorstufen zu Scheidungen, wird hier nicht diskutiert. Trennungen, speziell Scheidungen, seien eine Art Misserfolg, wird hier vermittelt. Dass das erwähnte Institut selbst "wissenschaftlich" die Wirksamkeit der eigenen Kommunikationsseminare belegt, erstaunt wenig. Allein die Verringerung der Häufigkeit von Scheidungen ist kein Kriterium für Erfolg. Da müssten doch schon etwas mehr Aspekte einfließen, wie Zufriedenheit in der Beziehung beispielsweise. Vielleicht fühlen sich besonders christlich geprägte Frauen (und auch Männer) nach wie vor unfrei und als Geschiedene wenig akzeptiert, vielleicht auch ökonomisch abhängig oder als Arbeitnehmerinnen bei katholischen Trägern (z. B. Caritas, mit Steuergeldern subventioniert) benachteiligt und bangen um Aufstiegsmöglichkeiten oder gar um die Anstellung.

    Da scheinen Ideen wie die von Frau Pauly, die Ehe von Anfang an im Zeitverlauf zu begrenzen, durchaus intelligent und modern. Partnerschaften sollten aus freien Stücken geschlossen und aufrecht erhalten werden und nicht, weil steuerliche Vorteile locken oder gesellschaftliche Stigmatisierung droht. Vielleicht sollte ja auch diskutiert werden, ob es noch zeitgemäß ist, Ehen zu bevorzugen gegenüber anderen Lebenskonzepten, ob es das Singledasein ist, allein erziehende Elternteile, homosexuelle Partnerschaften oder Lebensgemeinschaften mit drei oder mehr Beteiligten, womöglich über Generationen hinweg und vielleicht auf einer anderen schönen Idee von (Menschen-)Liebe beruhend. NORBERT O. SCHNEIDER, Nürnberg

  • Gerechter Anteil an den Gewinnen

    betr.: "Gerechtigkeit ist ein zu großes Wort", Kommentar von Thilo Knott, taz vom 24. 9. 08

    Entgegen Knotts Meinung halte ich es durchaus für richtig, die gerechte Verteilung der Gewinne zu verlangen. Und es ist eben nicht gerecht, wenn die Gewinne der Unternehmen exorbitant steigen, wenn Manager sich in unanständiger Weise Gehaltserhöhung zubilligen, und den Menschen, die diese Gewinne mit erwirtschaften, immer gepredigt wird, sie müssten sich in ihren Forderungen demütig zurückhalten. Das haben wir Arbeitnehmer in den letzten Jahren sehr wohl getan und dafür kein Dankeschön erhalten. Die Unternehmen schaffen auch keine neuen Arbeitsplätze, weil die Beschäftigten so zurückhaltend sind. Nein, sie schaffen nur dann Arbeitsplätze, wenn die Arbeit dafür da ist und die ist dafür da, wenn Aufträge getätigt werden und diese werden getätigt, wenn die Endverbraucher die Kohle haben, um zu konsumieren. Wenn wir Beschäftigten genug Geld in der Tasche haben, dann werden daraus Arbeitsplätze.

    Herr Knott, teilen Sie doch bitte den Reichen dieses Landes mit, dass sie etwas von ihrem Überreichtum abgeben, damit alle in unserem Land gut leben können. Und helfen Sie doch bitte mit, dass der Niedriglohnsektor verurteilt und die Unternehmen zur Zahlung anständiger Löhne gezwungen werden, und teilen Sie doch bitte unserer Regierung mit, dass sie die Gesetze wie Hartz IV usw. wieder ändern sollen, dann werden nicht mehr so viele Menschen in Armut leben müssen. Dort sind die richtigen Adressaten für Ihre Botschaft und nicht wir arbeitenden Menschen, die mit der Forderung nach acht Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung endlich einen gefühlt "gerechten" Anteil an den erwirtschafteten Gewinnen haben möchten. Die Forderung ist mit Bedacht und Fairness von uns Mitgliedern entschieden worden. Wir erreichen damit einen höheren Konsum und damit auch mehr Arbeitsplätze für die Arbeitslosen. Und wir füllen damit auch die Kassen der Sozialversicherungen, u. a. auch zugunsten der Arbeitslosen. Eine Spaltung der arbeitenden und der arbeitslosen Bevölkerung wird weder Ihnen noch den Unternehmen gelingen. BIRGIT ADAM, Großrinderfeld

  • Wo Männer "lila Pudel" sind

    betr.: "Rechte Männer in Angst", taz zwei vom 20. 9. 08

    Danke für diesen Artikel. Ich bin seit Jahren in Scheidungs- und Männerrechtsforen unterwegs, kenne einige der Protagonisten auch persönlich, muss allerdings dazu sagen, dass es nicht ganz so einfach ist wie dargestellt. Es gibt strukturelle Ungerechtigkeiten gegen Männer, vor allem im Bereich Scheidung/Trennung und daraus resultierende Folgen, etwa im Umgangsrecht oder ganz allgemein in der Durchsetzung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Das geht oft genug Hand in Hand mit - meist - Frauen, die an entsprechenden Schaltstellen wie Jugendämtern sitzen. (Meine eigene Frau musste sich auf dem Amt dafür rechtfertigen, warum sie mir als damals unehelichem Vater die gemeinsame Sorge einräumte…).

    Aus solchen Geschichten und anderen, z. B. Umgangsboykotten, Unterhaltszahlungen bis an den Rand des Existenzminimus und darüber hinaus und anderen hat sich eine Szene etabliert, die aus der Wut über solche Dinge durchaus als rechts angesehen werden kann. Nicht nur die junge Freiheit als gerne benutztes Vehikel, sondern auch daraus resultierend politische Auseinandersetzung mit teilweise wirklich falschen Informationen haben etwas etabliert, das durchaus als rechts einzuordnen ist. Die Auseinandersetzung mit Argumenten führt dann oft genug dazu, dass man als Mann als "lila Pudel" bezeichnet wird - womit man sich dann nicht mehr mit Argumenten auseinandersetzen muss. Fakt bleibt jedoch, dass auch Männer diskriminiert werden, auch aufgrund des Geschlechts, und die Erkenntnisse beispielsweise aus der Pilotstudie "Gewalt gegen Männer" bedürfen dringen einer Verifizierung durch eine richtige Studie - vor allem im Bereich "Bundeswehr". JÖRG RUPP, Malsch

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.