Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

Ausgabe von: 10.10.2008
  • Für eine andere Verkehrspolitik

    betr.: "Autobranche gerät ins Schleudern", "Die Bänder stehen still", taz vom 8. 10. 08

    Seit Jahren kämpft der VCD für eine andere Verkehrspolitik und wird von der Autoindustrie und der Regierung ignoriert. Greenpeace hat mit dem Smile vor 20 Jahren vorgemacht, wie einfach man sparsame Autos bauen kann. Und jetzt will die Autoindustrie 40 Milliarden Euro, um den Smile nachzubauen. So geht das nicht!

    Wer weiß, was die mit den 40 Milliarden machen? Der Industrie darf man nur Geld geben mit klaren Randbedingungen, sonst verjuxt sie es. Also: Es gibt nur 20 Milliarden für die Industrie und 20 Milliarden für die Käufer sparsamer Autos. Dass die Leute sich verarscht fühlen, wenn sie für Klimaschonung mit höheren Anschaffungspreisen bestraft werden, hat VW mit dem 3-Liter-Lupo und Audi mit dem A 2 bewiesen. Wie man es richtig macht, hat Frankreich gezeigt: Man lässt die Käufer von Spritsäufern eine kleine Abgabe entrichten und verteilt sie 1:1 an die Käufer sparsamer Neuwagen. Wenn ich recht gehört habe, war die Maßnahme so erfolgreich, dass weniger Säufer als bisher gekauft wurden und der Staat die Differenz aufbringen musste. Vielleicht funktioniert das nur in einem Land mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung, vielleicht braucht man auch weniger steuerliche Förderung von spritsaufenden Firmenwagen, vielleicht sollte man den halben Betrag für die Vorstellung eines praxistauglichen Elektroautos ausschreiben? Die EU sollte sorgfältig überlegen, ob sie jeden Unfug aus USA nachmachen muss. HANSPETER MAIER, Mörfelden

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Der 9. Oktober 1989

    betr.: "Als die Macht auf der Straße lag", Das Schlagloch von Kerstin Decker, taz vom 8. 10. 08

    Diesen Text kann ich nur unterstützen. Für mich war der 9. Oktober 1989 der einschneidendste Tag meines damaligen Erlebens. Wer an diesem Abend in Leipzig dabei war, weiß, dass wir nicht wussten, ob wir abends wieder zu Hause sind.

    In Leipzig wird regelmäßig mit verschiedenen Veranstaltungen an diesen Tag erinnert, andere werden sich noch etwas daran erinnern können, dass an diesem Tag "was los war". Leider war es schon 1990 nicht möglich, als der "Tag der Einheit" auf den 3. Oktober festgelegt wurde, eine Mehrheit für den 9. Oktober zu begeistern. Ab und zu gab es in den letzten Jahren mal Vorstöße hin zu dieser Änderung. Bisher wurden diese nicht gehört.

    Ich wünsche mir, dass es in den nächsten Monaten, in Vorbereitung auf den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution, möglich ist, da noch einmal Bewegung in die Debatte zu bekommen. Mit dem 3. Oktober verbindet kaum einer in diesem Land etwas Emotionales, beim 9. Oktober wäre das anders. Auf diesen Tag mit seinen mutigen Ereignissen können wir zu Recht stolz sein. Der 9. Oktober wäre eines Feiertages würdig. MONIKA LAZAR, Leipzig

  • Autokrise ohne Finanzkrise

    betr.: "Die Bänder stehen still", taz vom 8. 10. 08

    Die Autoindustrie hatte schon vor der Finanzkrise Probleme, in den Kernmärkten werden einfach weniger Autos gekauft und die Schwellenländer stehen vor einer Sättigung. Es gibt einfach ein Überangebot an Autos, und die einfachen Rezepte der Industrie (mehr PS, mehr Technik, mehr Blech) funktionieren nicht.

    Dank steigender Benzinpreise haben sich viele Bürger (auch in anderen Ländern) nach Alternativen zum Auto umgesehen. Bahn, Bus, Fahrräder und Roller boomen. Viele Geschäftsleute sitzen lieber im Zug und arbeiten, als im Stau zu stehen. Auch die Scheichs und Promis haben erkannt, dass die S-Klasse, ein 7er oder 911, nicht zum Klassiker oder als Wertanlage dient (da in 15 Jahren keiner mehr die notwendigen Chips herstellen kann).

    Wenn die Industrie keine neuen Konzepte für die Probleme von morgen aus dem Hut zaubert, dann werden die Firmen auf ihrem Alteisen sitzen bleiben. STEPHAN KLÖCKNER, Hamburg

  • Wo bleiben die Proteste?

    betr.: "Koalition einigt sich auf Visa-Warndatei. In der von den Unionsfraktionen schon seit Jahren geforderten Datei sollen künftig alle gespeichert werden, die visumpflichtige Ausländer nach Deutschland einladen", taz vom 8. 10. 08

    Am Montag einigt sich die Koalition auf Bundeswehreinsätze im Inland, am Dienstag einigt sich die Koalition auf eine Visa-Warndatei. Während in der gesamten Presse die "Finanzkrise" zum Thema Nr. 1 gemacht wird, kann Herr Schäuble seelenruhig in altbekannter Manier seine Ziele durchsetzen - erst das Unmögliche fordern, um das Mögliche zu bekommen.

    Flugzeuge dürfen nicht mehr abgeschossen werden, aber sogenannte Staatsfeinde. Schiffe sollen auch nicht vor Piraten geschützt werden, aber hohe Staatsgäste vor unliebsamen Demonstranten. Ist das die Vorbereitung dafür, Aufstände gegen die kapitalistenfreundliche Politik niederzuschlagen? Wo bleiben die Proteste?

    INGRID GANGLOFF, Hamburg