Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 21.10.2008
  • Wenn ich Königin wäre …

    betr.: "Der Finanzkapitalismus ist am Ende", taz vom 16. 10. 08, "Abkehr vom Wachstumsglauben", taz vom 15. 10. 08

    Mitten in Chaos und Panik hat Michael Müller noch seine Vision und das Wuppertal-Institut auch - und ich als kleiner Wurm in der "Zivilgesellschaft" auch! Wenn ich Königin wäre, würde ich die 480 Milliarden für folgenden alternativen Sanierungsplan ausgeben:

    Zuallererst sämtlichen Bankern, Wirtschaftslobbyisten und Regierungsvertretern einen mehrmonatigen Urlaub spendieren. Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Aktiv- und Bildungsurlauben: Erntehilfe auf Bio-Höfen, Erlebnisaufenthalt in afrikanischen Kleinbauernfamilien, Praktikum bei der Hunger-Nothilfe vor Ort oder Sozialeinsatz in Hartz-IV-Familien. In der dann einkehrenden Ruhe werden Finanz- und Wirtschaftssystem auf sozial-ökologisch umgebaut, das Grundeinkommen wird eingeführt; der dadurch frei werdende Bürokratieapparat kontrolliert zukünftig Nachhaltigkeitsstandards und CO2-Verbrauch in der Produktion und erhebt daran angepasste Steuern.

    Sämtliche Agrarexportsubventionen werden gestrichen. Die frei werdenden Mittel werden in die Umstellung landwirtschaftlicher Betriebe von Überschussproduktion auf gesunde und umweltverträgliche Wirtschaftsweise sowie in die Entwicklung heimischer Landwirtschaft in bisherigen Exportempfängerländern des Südens gesteckt. Jegliche Beteiligung an sämtlichen Kriegen wird eingestellt; die frei werdenden Mittel gehen in die Landwirtschaftsförderung und humanitäre Hilfe in armen Ländern. Der Wachstumsbegriff wird umdefiniert, indem qualitative Maßstäbe (Nachhaltigkeit, Gesundheit, Zufriedenheit …) mehr Gewicht erhalten. Materielles Nullwachstum wird medial nicht mehr als Schreckgespenst, sondern als neue Norm und positive Zeichen der "Ökonomie des Genug" verbreitet.

    Wenn sie dann alle wieder nach Hause kommen, haben sie sich vielleicht ziemlich verändert. Von denen, die so weitermachen wollen wie vorher, lässt sich jedoch niemand mehr durch Rezessions- oder Arbeitsplatzverlustdrohungen einschüchtern.

    Ehrlich: Ich habe nicht durchgerechnet, ob das Geld reicht, aber es kommt mir ziemlich viel vor!? SABINE MIEHE, Marburg

  •  Auch Politiker sollten sich entschuldigen

    Opfer bringen für die Krise

    betr.: "Bundestag nickt Rettungspaket ab", taz vom 18. 10. 08

    Peer Steinbrück gibt zurzeit den Retter Deutschlands aus der Finanzkrise. Die Wahrheit ist, dass auch er diese Krise mit verursacht hat. Dabei denke ich nicht nur an die Zulassung der Hedgefonds in Deutschland, lasche Bilanzierungsrichtlinien und Bankenaufsicht. Vor zwei Jahren forderte Steinbrück die Bundesbürger auf, auf Urlaub zu verzichten und dafür Geld für die Altersvorsorge auf dem Kapitalmarkt anzulegen. Er ist auch für die Mehrwertsteuererhöhung um drei Punkte und die Senkung der Unternehmenssteuer um mindestens sechs Milliarden Euro verantwortlich. Das Motto lautete, privaten Konsum einschränken, um Geld für die Kapitalmärkte zu bekommen.

    Doch die Möglichkeiten für Investitionen im produktiven Sektor sind sehr beschränkt, wenn der Konsum stagniert oder rückläufig ist. Also werden die weltweit überschüssigen Billionen im Finanzkasino auf die Spieltische geworfen. Wo sollen sie auch hin. Staatsquote runter, Löhne runter, Gewinne rauf, damit sich das Kapital immer rascher vermehren kann. Den Arbeitnehmern, Rentnern, Kranken usw. wurde erklärt, dass sie Opfer für ihr Land bringen müssen. All diese Opfer haben mit zur gegenwärtigen Krise beigetragen. Für ihre Lösung fordert die Politik jetzt neue Opfer von denselben Menschen.

    Horst Köhler hat die Bankenmanager aufgefordert, sich beim deutschen Volk zu entschuldigen. Unsere Politiker sollten damit anfangen. ULRICH SEDLACZEK, München

  • Überraschte Gesichter

    betr.: "Das sind 500 Milliarden Euro" u. a., taz vom 14. 10. 08

    Der eigentliche Skandal sind die überraschten und empörten Gesichter der von uns Gewählten, welche uns, der allgemeinen Bevölkerung, mal wieder erklären möchten, von all dem nichts gewusst zu haben. Das sind genau dieselben Gesichter, welche uns seit Jahren die Vorteile der Privatisierung immer und immer wieder erklären, gleichwohl wir die Ergebnisse dieser Vorteile bereits seit einiger Zeit durch erhöhte Energie- und Bahn-Preise aus unseren Geldbörsen bezahlen müssen und auch jetzt wieder bezahlen werden. Dem Motto folgend: Die Gewinne den Aktionären, die Verluste bezahlt der Steuerzahler. INGO ENGBERT, Ahlen

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • "Keine Buchung ohne Beleg"

    betr.: "Bankenrettung wird Staatsgeheimnis", taz vom 18. 10. 08

    Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich gelernt: "Keine Buchung ohne Beleg." Ich bin ja mal gespannt, wie die Bilanzen der Banken aussehen werden, die Staatshilfe annehmen. Vielleicht wird ja aus "aktuellem Anlass" einfach eine Bilanzierung ausgesetzt … bis alles wieder gut ist! STEPHANIE LUCKE, Kaltenkirchen