Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 05.11.2008
  • Koch gerettet

    Sehr geehrte Frau Everts, sehr geehrte Frau Tesch und sehr geehrter Herr Walter,

    ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen, die Mehrheit gegen Koch gebrochen zu haben. Immerhin hat er neun Jahre in Hessen sehr gute Arbeit geleistet, gefährliche Bildung durch Studiengebühren gestoppt, Uni-Kliniken endlich privatisiert, härtere Jugendstrafen gefordert, die brutalstmögliche Aufklärung in der seine Partei betreffenden Spendenaffäre versprochen und nicht zu vergessen, mit Parolen gegen Ausländer und deren Bleiberecht vor fünf Jahren einen prima Wahlkampf gemacht.

    All das zeichnet einen Mann wie Koch doch aus, weiter geschäftsführend im Amt zu bleiben. Eine linke Mehrheit zu nutzen, um ihn auszuhebeln, wäre in dieser Situation nicht nur sehr unverantwortlich, sondern "eine Belastung für Hessen".

    Zwar wünscht sich Herr Koch Neuwahlen, aber was sollten sie ihm bringen? Eine schwarz-gelbe Mehrheit etwa? Wohl kaum. Die haben sie doch schon beim letzten Mal verloren. Und bei der seriösen Arbeit Ihrer Partei werden sicherlich noch viel mehr Leute SPD wählen als noch am Anfang des Jahres. Sollte es denn wirklich dazu kommen, wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der kinderleichten Mobilisierung Ihrer Wähler. KALLE ERLACHER, Berlin

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Charakterlose PolitikerInnen

    betr.: SPD Hessen

    Politisch bin ich nicht weit weg von den drei neuen Abweichlern. Ihr Verhalten aber ist entweder dumm, naiv oder Berechnung. Ich neige zu Letzterem. Bei den monatelangen Diskussionen hätten alle drei klar nein sagen müssen. Was sind das für charakterlose Politiker, die bei einer Probeabstimmung Zustimmung signalisieren und nun plötzlich von ihrem Gewissen geplagt werden. Es ist doch lachhaft, wenn die beiden Damen heute in der Pressekonferenz sagen, sie wären von Ypsilanti nicht explizit auf ihr Stimmverhalten angesprochen worden. Der Landtag ist doch kein Kindergarten, wo man erst mitspielt und plötzlich keine Lust mehr hat. Ich habe den Eindruck, hier werden - besonders von Herrn Walter - alte Rechnungen beglichen. Wenn sie Charakter hätten, würden sie ihr Landtagsmandat niederlegen. Aber so viel Rückgrat werden sie nicht haben.

    WILLMAR STING, Tostedt

  • Brüder in die Tonne!

    betr.: "Vier Hessen für ein Halleluja", taz vom 4. 11. 08

    Dass ausgerechnet die linke taz in ihrem Seite-1-Kommentar nur Häme und Besserwisserei für Frau Ypsilantis Scheitern übrig hat, ist unverständlich. Zugegeben, der Wortbruch war unschön. Andrea Ypsilanti hat aber nach diesem "Sündenfall" bis zur Selbstaufgabe alles riskiert, um ihre Ansage "Koch muss weg" doch noch in die Tat umzusetzen. Dafür gebührt ihr Respekt. Sie hat verloren. Gegen die zunehmende Charakterlosigkeit in den SPD-Reihen, mit von durchfallartigen Gewissensbissen gepeinigten Abgeordneten, so stinkend wie abrupt, hatte sie keine Chance. Brüder in die Tonne!

    URSULA NEUHEUSER, Hamburg

  • Tschüss, SPD!

    betr.: Hessen-SPD

    Egal, was passiert, die hessische SPD wird für sehr lange Zeit in der Bedeutungslosigkeit versinken. Schade um das Engagement der Grünen und die Hoffnung, die ich mit dem Einzug der Linken in den hessischen Landtag verbunden habe. Selbst eine Stärkung dieser beiden Parteien wird jedoch nicht ausreichen, mein persönliches Wahlziel zu erreichen: Roland Koch abzuwählen. Nur, in Hessen oder in meiner Heimatstadt noch einmal SPD wählen? Nein, danke!

    RUDI SCHELL, Offenbach am Main

  • Vier Aufrechte für das Kapital

    Ich bin ja so was von erleichtert! Vier aufrechte Demokraten in den Reihen der SPD! Vier, die den Untergang der Demokratie verhindert haben, indem sie 24 Stunden vor der Wahl ihr Gewissen entdeckt haben. Solche Frauen und Männer braucht das Kapital! Das Scheckbuch konnte man durch alle Nachrichtensendungen dieses Tages geradezu rascheln hören. Endlich einmal zeigen vier Aufrechte, wer in diesem Land wirklich die Macht, das Sagen und die Herrlichkeit hat. Amen! JÜRGEN RAUSCH