Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 06.11.2008
  • Vier pachten die Moral

    betr.: "Vier Hessen für ein Halleluja", Kommentar von Klaus-Peter Klingelschmitt, taz vom 4. 11. 08

    Die schon in der Überschrift an Abrechnung wie im Western daherkommende staatstragende Kommentierung des Desasters für die SPD, die Frauen und Hessen schreibt mit blumigen Worten letztlich die Verantwortung für das Debakel Frau Ypsilanti zu. Das ist in dieser Darstellung und Konsequenz falsch und ein Rücktritt hätte nichts mit "Anstand" zu tun, insbesondere weil der Autor dem "hessischen SPD-Abweichler Jürgen Walter und seinen drei Mitstreiterinnen positiv zubilligt, mit dem Meucheln ihrer Parteichefin nicht bis zur Landtagsabstimmung gewartet zu haben. Bemerkenswert ist noch, dass hier nach Heide Simonis in Schleswig-Holstein erneut eine bislang erfolgreiche Frau mit ihrer Politik demontiert wird. Im aktuellen Fall wird der nach Macht strebende Konkurrent offen, wie leider so oft im Leben, von zwei Frauen, Carmen Everts und Silke Tesch, eskortiert. Beide haben zwar wenig Landtagserfahrung, dafür scheinbar aber die politische Moral und den Blick für den richtigen WählerInnenwillen für sich plötzlich entdeckt. Hessen, den Frauen, der SPD und vielen zukunftsweisenden Bestrebungen haben sie damit geschadet. ROLF SCHEYER, Köln

  • Vier stellen sich gegen Mehrheit

    betr.: "Gewissen auf hessisch", taz vom 4. 11. 08

    Da entscheiden 95 % eines SPD-Landesverbandes, dass eine Koalition und der zugehörige Vertrag unterstützenswert sind, und dann kommen vier übereitle oder machtgierige (man weiß es nicht) Abgeordnete daher und stellen sich gegen diese Mehrheit. Den Willen, dann auch noch sein Mandat zu behalten, kann man doch gar nicht anders als mit dem Wort "schäbig" beschreiben. Das Fazit ist doch, dass hier eine bessere Bildungs-, Energie- und Umweltpolitik an der Eitelkeit von Herrn Walter scheitert. Traurig, dass hier die brutalstmögliche Unterstützung für einen katastrophalen, rechtspopulistischen Ministerpräsidenten geleistet wird. RENÉ GÖGGE, Hamburg

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Rote-Socken-Denke à la CDU

    betr.: "Ypsilanti kocht", taz vom 4. 11. 08

    Die SPD bleibt ihrem Hang zur Selbstzerstörung treu. Anstatt die Mehrheiten zu nutzen, die ihr auf dem Silbertablett serviert werden, verliert sie sich in inneren Flügelkämpfen und Eitelkeiten. Interessant dabei ist vor allem die Begründung für das zutiefst unsolidarische Verhalten eines Rückziehers in letzter Sekunde, der gewissermaßen auch einem Wortbruch gleichkommt. Denn der Satz, die Partei Die Linke sei extrem und vernichte Arbeitsplätze, lässt darauf schließen, dass die vier Rebellen der Roten-Socken-Denke der CDU zur Bewahrung bürgerlicher Mehrheiten auf den Leim gegangen sind! RASMUS PH. HELT, Hamburg

  • Absturz beim Landeanflug

    betr.: "Ypsilanti kocht"

    In Hessen wurde vor den Augen der ganzen Republik demonstriert, welche Folgen es hat, die Interessen der übermächtigen Atomstrom- Konzerne zu vernachlässigen. Frau Ypsilanti ging unter vier harten Schlägen der Lobbyisten in den eigenen Reihen zu Boden und wurde komplett ausgezählt. Roland Koch und seine Freunde im Hintergrund können nun Biblis und anderes Gerät munter weiter kernspalten lassen - was auch der Zweck der Übung war!

    JÜRGEN BÖCK, Wasserburg/Bodensee

  • Partei- und politikschädigend

    betr.: "Vier Hessen für ein Halleluja"

    der kommentar von klingelschmitt ist schlicht zum kotzen. ist ja ganz toll, dass die vier ihr gewissen schon einen tag vor der wahl entdeckt, aber bei der probeabstimmung mitgestimmt haben. partei- und politikschädigender kann man und frau sich kaum verhalten. die rückwärtsgewandten kräfte in der wirtschaft wird's freuen und wir werden unsere hoffnung auf ein bisschen andere politik begraben. STEFANIE NELKE-KRAUSBAUER, Berlin