Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 29.11.2008
  • Der Staat baut auf Ausgrenzung

    betr.: "Ausgesondert. Mit staatlichem Zwang" von Magdalena Federlin, taz vom 26. 11. 08

    Liebe Frau Federlin, vielen Dank für Ihren Beitrag! Ihre Empörung teile ich voll und ganz. Meine behinderte Tochter hat ein verschenktes Jahr in einer Sonderschule hinter sich und nun besucht sie seit eineinhalb Jahren eine private Gesamtschule, wo auch ihre Schwestern hingehen - mit enormem Erfolg für sie und, wie mir die Klassenlehrerin versichert, auch für die anderen SchülerInnen. (Problematischer seien in dieser Klasse andere, "normale" Kinder!) Das Recht darauf haben wir mit viel Beharrlichkeit, großem Engagement der Schule und Glück durchgesetzt.

    Das deutsche Schulwesen ist in Bezug auf den Umgang mit Behinderten ein Skandal, ja eine einzige große Menschenrechtsverletzung. Das hat ja auch der UN-Menschenrechtskommissar festgestellt und wurde daraufhin von unseren Bildungsverwaltern abgekanzelt. Egal, wo man hinschaut, der Staat baut in Sachen Schule auf Differenzierung, Ausgrenzung und Konkurrenz unter Kindern und Jugendlichen. Darunter leiden besonders die Schwächsten, Hauptschüler und Sonderschüler - was in Deutschland ja häufiger als andernorts auch die sozial Schwächsten sind.

    Letztlich leiden aber alle, denn ich bin davon überzeugt, dass alle enorm profitieren würden, wenn, wie Sie schreiben, "Normalität" auch in Deutschland die unendliche Vielfalt des Daseins mit einschlösse. Krokodilstränen über die ethisch-moralische Orientierungslosigkeit zu vergießen, während man gleichzeitig ein solch selektives System befürwortet, ist nichts als Heuchelei.

    CHRISTIAN SCHMITT-KILB, Rostock

  • Gegen Missbrauch nicht geschützt

    betr.: "Die Nutzer zahlen mit intimsten Daten", taz vom 24. 11. 08

    Stefan Etgeton beurteilt in dem Interview die elektronische Gesundheitskarte nur positiv. Als Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Ernährung beim Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. sollte er über die zunehmende Kritik an dieser Karte informieren. Ernstzunehmende Kritikpunkte sind unter anderem: Sie gefährdet in der bisher geplanten Form die Selbstbestimmung der PatientInnen: Auf Datenspeicherung, -zugriff, -löschung haben sie keinen Einfluss.

    Die Karte bringt keinen belegbaren medizinischen Nutzen, sie ist rein wirtschaftlich ausgerichtet. Die Kosten für diese Karte gehen in die Milliarden. Die freie Therapiewahl der PatientInnen wird jedoch aus Kostengründen von den GKVs immer weiter eingeschränkt. Die gesetzlich Versicherten verlieren bei einer Erkrankung das Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung. Für eine "gesicherte Telematikinfrastruktur" gibt es bis heute keine Beweise. Der Zugriff auf die Daten der elektronischen Gesundheitskarte und damit Missbrauch durch Dritte ist nach Expertenmeinung in der geplanten Form nicht zu verhindern. HELGA STEINBÜGL, Osnabrück

  • RAF und 68er sind ein Reizthema

    betr.: "Klar bekommt Recht", taz vom 25. 11. 08

    Ich würde mich als politisch sehr interessierten und auch eher linksorientierten Menschen bezeichnen, fühle mich aber durch die taz nicht neutral informiert, was ich von einer tageszeitung erwarte. Als Beispiel hierzu möchte ich die Überschrift: "Klar bekommt Recht" benennen, die für mich eine in die falsche Richtung wertende Aussage beinhaltet. Er war ein Mörder, der sicherlich nicht zu Unrecht für eine lange Zeit von der Menschheit ferngehalten wurde, und wurde begnadigt. Okay. Das ist sicherlich auch irgendwo sein Recht. Dies nun aber reißerisch auf die Titelseite zu bringen und auch noch in einem zweideutigen Wortlaut, geht mir dann aber doch etwas zu weit und klingt sehr nach RAF-Verklärung, was ich nicht dulden kann, wo für mich schon die 68er ein Reizthema sind. Was diese Studentengeneration mit ihrer Ideologie angerichtet hat, wird wohl noch weitere Generationen dauern, es wieder auszubügeln.

    Zum Schluss noch etwas Positives: Euer Layout gefällt mir sehr gut und einzelne Berichte unterhalten mich gut. U. HERZAU, Berlin

  • Groteske Imagekampagne

    betr.: "Selbst der Papst wird grün", taz vom 26. 11. 08"

    Den Papst als Beispiel für ökologisches Denken anzuführen, halte ich für ziemlich daneben. Dass es sich hier um eine abgekartete Imagekampagne handelt, noch dazu um eine reichlich groteske, bei der der Vatikan für eine geschenkte (!) Solaranlage einen Preis verliehen bekommt, ist ja wohl offensichtlich. Angesichts der Finanzkrise hat es der Vatikan vorgezogen, sein eigenes Geld in eine Tonne Gold zu investieren, anstatt in die Bewahrung der Schöpfung. Und es ist auch leider nicht zu erwarten, dass der Papst, jetzt vor Weihnachten, dem größten Schlachtfest des Jahres, die sogenannte Christenheit zur Bewahrung unserer Mitgeschöpfe aufruft. RALF BÖHM, Berlin

  • Fehlende Ideen und Visionen

    betr.: "Wie Medienverlage die Finanzkrise nutzen", taz v. 26. 11. 08

    Die Medienverlage zeigen überforderte und demotivierende Manager, die ihrem hohen Gehalt nicht gerecht werden. Sparpläne zu Lasten der Belegschaft sind in einer Kreativbranche immer das Zeichen fehlender Ideen und Zukunftsvisionen. Um das Beispiel von Bernd Buchholz von Gruner + Jahr aufzunehmen: Wenn eine Welle auf das Sonnendeck zu rast, dann sagt man nicht den Gästen, dass sie ihre Liegestühle beiseite räumen sollen. Vielmehr kümmert sich eine kompetente Crew mit Glück und Geschick darum, dass niemand seinen Ort verlassen muss! RASMUS PH. HELT, Hamburg

  • Eine abscheuliche Überschrift

    betr.: "Baby im Müll entsorgt", taz vom 26. 11. 08

    "Clement schließt SPD aus" - eine wunderbare Headline! In derselben Ausgabe, wenige Seiten weiter: "Baby im Müll entsorgt" - eine abscheuliche Überschrift! Manchmal geht die Freude an der Flapsigkeit wohl mit euch durch, oder? Nicht alles, was im Müll landet, kann man als "entsorgt" bezeichnen, und ein Baby schon gar nicht.

    CHRISTIANE SCHLÜTER, Augsburg

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.