Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

Ausgabe von: 31.12.2008
  • ZULIEFERER-PLEITE

    Die Automobilzulieferfirma Gimotive/Stankiewicz in Celle mit weltweit mehr als 2.000 Beschäftigten ist trotz wochenlanger Rettungsbemühungen in die Insolvenz gegangen. Das teilte das Amtsgericht Celle am Dienstag mit. Hintergrund der Krise ist ein Produktionsrückgang, weil die Hauptkunden, die deutschen Hersteller BMW, Daimler und Audi, weniger Teile abnahmen. Gimotive/Stankiewicz stellt vor allem schalldämpfende Isolierungen für Automotoren und Innenräume her. Die Firma beschäftigt an ihrem Hauptstandort im niedersächsischen Celle und an den Standorten in Hamburg, Hameln, Bad Friedrichshall, Straubing und in Friedrichroda (Thüringen) rund 1.300 Mitarbeiter. Weltweit sind über 2.100 Mitarbeiter für Gimotive/Stankiewicz tätig. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 270 Millionen Euro hat auch Werke in den USA, Polen, Frankreich, den Niederlanden und Tschechien. AP

  • Gaza 2008, Sarajevo 1992

    betr.: "Gaza bereitet sich auf Angriffe vor", u. a. taz vom 27. 12. 08

    1992 lehnte die Regierung Bosniens den Bundesstaat Jugoslawien ab. Die serbische Regierung bestritt ihrerseits der Regierung Bosnien-Herzegowinas die Legitimität und wollte sie stürzen; ihre Armee führte in ihrem Selbstverständnis einen Kampf gegen muslimische Extremisten und schnitt daher die Versorgung Sarajevos ab. Die Einwohner Sarajevos wehrten sich, so gut sie konnten, aber Tausende wurden getötet. Nun ersetzen wir in dieser Schilderung das Jahr 1992 durch 2006, den Bundesstaat Jugoslawien durch den Staat Israel, die bosnische durch die palästinensische Regierung, die Tausend getöteten Einwohner Sarajevos durch die Hunderte in Gaza. Der Unterschied zwischen Sarajevo 1992 bis 1995 und Gaza 2006 bis 2008 ist: Die Anführer der Belagerung Sarajevos wurden bereits in Den Haag als Kriegsverbrecher zu hohen Strafen verurteilt, die Anführer der Belagerung Gazas noch nicht.

    Glauben deutsche Journalisten wie Frau Mertins, deutsche Politiker wie Herr Steinmeier wirklich, es sei hilfreich für Israels Zukunft, wenn die Belagerung Gazas und die fortwährende Landnahme im besetzten Westjordanland nicht als das benannt und sanktioniert werden, was sie sind: Verletzungen von Menschenrecht und Völkerrecht? Glauben sie wirklich, es sei eine Wiedergutmachung der Ermordung meiner jüdischen Verwandtschaft, dass nun Israel haltlos und bindungslos alles machen darf, was ihm so gerade einfällt? Ich glaube, es würde Israel unendlich gut tun, wenn es fest in das internationale Regelsystem eingebettet würde. Die deutsche unkritische Unterstützung Israels scheint mir nicht das Wohl Israels im Auge zu haben, sondern hauptsächlich immer noch die Entlastung Deutschlands: Indem Deutschlands Regierung und veröffentlichte Meinung durch diese Unterstützung dazu beitragen, dass "andere" und insbesondere "die Juden" "auch nicht besser sind", lassen sie offenbar mit einem gewissen Behagen Israel immer mehr auf die schiefe Bahn rutschen. ROLF VERLEGER, Lübeck

  • Nur eine Überlebenschance

    betr.: "Krieg gegen die Hamas", taz vom 29. 12. 08

    Der Gazastreifen bietet 1,5 Millionen Palästinensern auf 360 km - ca. 1,3% von Palästina - eine Überlebenschance, aber dank westlicher Politik einer rigorosen Wirtschaftsblockade auch nicht mehr. Wer nicht versteht, dass die Einwohner nicht über den Rückzug der Israelis (die versalzene Wasservorkommen hinterließen, da ihre 10.000 Siedler jahrzehntelang 80 % der Vorkommen für sich ausbeuteten) grenzenlos dankbar sind, sei daran erinnert, dass die Israelis schon die Blockade des Golfes von Akaba für ihre Schiffe als Vorwand für den Sechstagekrieg nutzten.

    Israel baut seine Siedlungen im Westjordanland unbeirrt von allen sogenannten Friedensprozessen aus. Es gibt aber kein Recht, seine völkerrechtswidrigen Annektionen mit militärischer Gewalt zu verteidigen. Dieser Zielsetzung dient letztlich auch die dritte Zerstörung des Gazastreifens innerhalb weniger Jahre. Vor der Bombardierung noch einige Hilfsgüter "aus Sorge um die Zivilbevölkerung" über die Grenze zu lassen, ist schon ziemlich zynisch. Vielleicht ist es ja wirklich das Ziel, Gaza wieder unter die Verwaltung der Fatah zu bringen und dieser dann eine Lösung aufzuzwingen, die den Palästinensern lediglich einige Ghettos als Restpalästina überlässt. Da dieses Gebilde nicht lebensfähig sein wird, kann man seinen Bewohnern dann permanent ihre angebliche Unfähigkeit vorhalten, für sich selbst zu sorgen. PETER FREUDENTHAL, Hamburg

  • Immer wieder das gleiche Spiel

    betr.: "Verbotene Speisen", taz vom 27. 12. 08

    Hamas provoziert, Israel bombardiert? Traurig, dass auch die taz immer wieder auf das gleiche Spiel hereinfällt, das Uri Avnery mehrfach beschrieben hat: Da gibt es einen Waffenstillstand, eine "Hudna" oder ähnliches. Israelisches Militär oder Geheimdienste bringen einzelne palästinensische Aktivisten um (so geschehen Anfang November). Deren Organisationen rächen sich und organisieren Anschläge oder Raketenangriffe. Dagegen muss Israel natürlich von seinem Selbstverteidigungsrecht Gebrauch machen und mit seiner militärischen Übermacht zuschlagen. Und wenn dann die Palästinenser mit dem einzigen Mittel zurückschlagen werden, das ihnen übrig zu bleiben scheint, dem individuellen Terror, hat dies dann doch den schönen Nebeneffekt, dass Israel auch dagegen dann wieder reagieren muss und dass der Abzug Israels aus dem besetzten Palästina in weite Ferne gerät. HORST SCHIERMEYER, Zittau

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Dem Krieg den Kampf ansagen

    betr.: "Bomben auf Gaza", "Wir gegen sie", "Samuel Phillips Huntington", taz vom 29. 12. 08

    Dramatischer hätte ein Bestsellerautor sein Untergangsszenario nicht gestalten können: der Krieg im Gazastreifen und der Tod des Politologen Samuel P. Huntington, der den Kampf der Kulturen und Religionen prophezeit hatte. Der allseits anerkannte Tübinger Theologe, Pazifist und Wissenschaftler, Prof. Dr. Hans Küng, verbreitet dagegen mit seiner überreligiösen "Stiftung Weltethos" die Erkenntnis, Weltfrieden könne nur durch den Frieden unter den Religionen, Dialog und Verständigung zwischen den Religionen und Grundlagenforschung in den Religionen realisiert werden. Deshalb wünsche ich mir für das neue Jahr 2009 ein Weltparlament der Weltreligionen, das sich auf die ethischen Gemeinsamkeiten aller Religionen besinnt und auf diesem Wege endlich dem Krieg moralisch gesehen im Namen Gottes den Kampf ansagt. ROLAND KLOSE, Bad Fredeburg

  • Nichts dazugelernt

    betr.: "Hamas provoziert, Israel bombardiert", taz vom 29. 12. 08

    Es macht den Palästinensern im Gazastreifen immer wieder Freude, nach Israel hineinzuschießen. Lange genug betrieben, führt das immer wieder zu Menschenopfern. Zuerst zu israelischen, dann zu hundertmal so vielen palästinensischen. Es wird höchste Zeit, dass sich auf beiden Seiten der Verstand einschaltet. Werden wir noch zu unseren Lebzeiten einen stabilen, belastbaren Frieden im Nahen Osten begrüßen können? JÜRGEN BÖCK, Wasserburg