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Ausgabe von: 06.01.2009
  • Die Aufgabe der Weltgemeinschaft

    betr.: "Israels kollektives Stammesfeuer" von Moshe Zuckermann, taz vom 3. 1. 09

    Moshe Zuckermann identifiziert die Militäraktion der Israelis als ein Fest der Barbarei, dem "Parlament und Militär, rechte wie linke Zionisten, Presse, Medien und "Publikum", euphorisiert von den aktuellen "Erfolgen" der Luftwaffe, um das kollektive Stammesfeuer versammelt, frönen. Angela Merkel identifiziert die gleiche Militäraktion als legitime Selbstverteidigung und sieht die Verantwortung "eindeutig und ausschließlich" bei der Hamas liegen.

    So richtig die Analyse der israelischen Gesellschaft durch Zuckermann und so wichtig die Positionierung der Bundesregierung durch Merkel gegen den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland sein mag, sie sind nicht geeignet, das Leid der Menschen auf beiden Seiten zu beenden. Im Gegenteil. Wir in Deutschland, und zwar die Dagewesenen und die Hinzugekommenen gleichermaßen, haben das Erbe, das keine Last, sondern eine fundamentale Überzeugung ist, Israel beizustehen. Beizustehen kann allerdings nicht bedeuten, einem in eine Schlucht steuernden Auto die Straße zu ebnen oder sie freizuräumen. Beizustehen bedeutet, alles zu unternehmen, damit die Menschen in Israel angstfrei und in Frieden leben können.

    Dass sich der Konflikt in einem Teufelskreis befindet und sich von Tag zu Tag höher schaukelt und dass die Israelis und die Palästinenser aus eigener Kraft da nicht rauskönnen, ist Realität. Realität ist auch, dass die Weltgemeinschaft vor sechzig Jahren stark genug war, den seit zweitausend Jahren verfolgten, unterdrückten und ermordeten Juden einen eigenen Staat zu ermöglichen, damit sie endlich ohne Angst und Verfolgung leben können. Diese Stärke und Entschlossenheit ist die Weltgemeinschaft heute auch den Palästinensern schuldig! Die Bildung von zwei souveränen Staaten, deren Einwohner in Sicherheit, in Freiheit und in Würde möglichst brüderlich neben- und miteinander leben, ist die Aufgabe der Weltgemeinschaft. Die Bildung einer Konföderation, der Traum u. a. von Zuckermann, dagegen die freie Entscheidung der Bürger beider Staaten.

    ISMAIL BORO, Berlin

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Agrosprit produziert Hunger

    betr.: "Kann Biokraftstoff wirklich nachhaltig sein, Herr Lackmann? ,Biosprit ist besser als sein Ruf'", taz vom 3. 1. 09

    Herr Lackmann, der Vertreter der Agrospritbranche, gibt sich sachlich und diffamiert doch selbst die Gegner des Agrospritwahns als unsachlich, "irrational" und ,,schwachsinnig". Er spricht zwar davon, dass "die Menschen in Europa satt" seien, die Millionen von Hungernden in der Welt übergeht er aber. Zwar weiß er, dass durch den Export von Getreideüberschüssen nach Afrika "dort die Märkte destabilisiert und der Aufbau (!) einer eigenen Landwirtschaft unmöglich gemacht" würden. Aber dass Agrosprit Hunger produziert, übergeht er ebenso mit Bedacht.

    Angeheizt durch die erwartete Nachfrage nach Agrosprit werden in vielen Ländern die Anbauflächen ausgedehnt: Zum Beispiel will Brasilien die Zuckerrohranbaufläche von 6 Millionen ha auf 30 Millionen ha erweitern. Kolumbien hatte 2003 188.000 ha Ölpalm-Plantagen und will diese auf 1 Million ha ausweiten. Indonesien will von heute 6 Millionen ha auf 20 Millionen ha Ölpalm-Plantagen kommen. Solche immense Ausdehnung der Anbauflächen für Plantagen bedeutet Landvertreibung und damit Hunger. Plantagenwirtschaft bedeutet steigende Umweltbelastungen durch Pestizide, Dünger und Erosion. Sie bedeutet die weitere Zerstörung kleinbäuerlicher Strukturen, Landvertreibung und dadurch wiederum Hunger. Diese Entwicklung soll man nicht versuchen schönzureden.

    LIES WELKER, Mainz

  • Mit Raffinesse gerächt

    betr.: "Rache, nicht Strafe. Die weibliche Sehnsucht nach Rache hatte schon immer viele Facetten", taz.magazin vom 3. 1. 09

    Drei Anmerkungen: 1. Unter dem linken Foto steht: "Monika Böttcher ermordete ihre beiden Kinder." Seid ihr da ganz sicher? Immerhin war eines der drei Urteile in diesem Fall ein Freispruch, und für viele, die es mitverfolgt haben, bleiben einige Zweifel, ob es nicht doch der Ehemann war und das letzte Urteil ein Fehlurteil.

    2. Die Stiefmütter im Märchen wollen nicht ihre eigenen Heiratschancen verbessern, sie sind nämlich schon verheiratet, sondern die ihrer leiblichen Töchter.

    3. Den meiner Meinung nach schönsten Film über weibliche Rache möchte ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen: "Die Braut trug Schwarz" von François Truffaut. Wie gerne schaut frau Jeanne Moreau dabei zu, wie sie die fünf Typen, die ihr den Bräutigam von der Seite weggeschossen haben, einen nach dem anderen mit Raffinesse erledigt.

    CHRISTIANE RATTINGER, Offenburg/Baden