Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 07.02.2009
  • Erst die Muslime, dann die Juden

    betr.: "Religionsstreit in der CSU", taz vom 6. 2. 09

    Nun sagt Frau Merkel, man glaubt es kaum, mal was Kritisches und Gescheites zum Papst und den gottlosen Piusbrüdern, und schon bekommt sie kräftig was auf die Ohren. Und das von ihren eigenen Parteifreunden.

    Dabei ist das Ausmaß der ökumenischen Katastrophe noch gar nicht abzusehen: Jahrzehntelange Bemühungen um die Einheit der Kirchen und die Koexistenz der Religionen ebenso wie der christlich-jüdische Dialog werden bewusst und gewollt vom Papst und seinen unseligen Beratern grundlegend zerstört. Mit unsäglicher Ignoranz und Arroganz begann man schon vor Monaten, die Millionen Menschen muslimischen Glaubens zu dämonisieren, und nunmehr schaut man im Vatikan tatenlos zu, wie eine Clique antisemitischer, frauenfeindlicher und fundamentalistischer Geistlicher der Pius-Bruderschaft um den bekennenden Shoa-Leugner Richard Williamson in Riesenschritten, alle mühsam erreichten Fortschritte seit dem Zweiten Vaticanum Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts niederreißend, zurück ins Mittelalter marschiert.

    Mit der Botschaft Christi hat das wahrhaft gar nichts zu tun. Das hat eher den Ruch der Gotteslästerung. Und Papst Benedikt schweigt oder redet sich raus, macht Antisemitismus in der Kirche trotz aller eloquenter Dementis hoffähig. Dabei ist konsequentes Handeln gefordert, sonst droht, sollten die unappetitlichen Pius-Brüder ihren Einfluss auf die Politik des Vatikans ausweiten können, den Emma-Redakteurinnen demnächst der Scheiterhaufen.

    Dass der Vatikan nicht aus lauter Schusseligkeit so viel kostbares Porzellan zerdeppert hat, zeigen die Begleitumstände der fast zeitgleich erfolgten Ernennung des Priesters Gerhard Maria Wagner zum neuen Weihbischof von Linz. Gegen das ausdrückliche Votum der Diözese wurde ein Mann ins Amt gehoben, der weibliche Ministranten, Frauen in Kirchenämtern und auch Harry Potter für Teufelszeugs hält und der die Überschwemmungskatastrophe in New Orleans und den todbringenden Tsunami in Ostasien als göttliche Vorsehung und gerechte Bestrafung von Ungläubigen ansieht. Kann dieser Papst nicht sich selbst exkommunizieren?

    HEIKO MÜLLER, Neustadt/Weinstraße

  • Als Gänse noch zutraulich waren

    betr.: "Gerupft bei lebendigem Leibe", taz vom 5. 2. 09

    Wer das für was Neues hält, muss ziemlich weltfremd sein. Seit hunderten von Jahren werden lebende Gänse gerupft, nur die Brutalität und Gnadenlosigkeit ist ein Kind der heutigen Zeit. Früher waren Tiere noch geschätzt, schließlich zog man seinen Nutzen aus der Haltung. Man war größtenteils sehr besorgt um das Wohlergehen der Tiere, konnte ein Verlust doch die Existenz kosten. Gänse wurden nur gerupft, wenn sie in die Mauser kamen und einen Großteil ihrer Daunen eh verloren.

    Aus Berichten meiner Großeltern und Eltern weiß ich, dass man Gänse dazu nicht einmal fesseln musste, sie waren zutraulich, man legte sie sich auf die Schenkel und wenn ihnen der Vorgang nicht gefallen hat, haben sie sich gewehrt und in die Waden des Ausführenden gepickt. Das war ein würdiger Umgang mit Tieren, der heute verloren gegangen ist. Alles wird zu Gunsten des Profits zum Exzess getrieben, ob nun bei der Fleisch-"Produktion" oder bei den Daunen. Reagiert wird doch von Firmen wie Ikea darauf nur, um Imagepflege zu betreiben und sich als Saubermann zu profilieren.

    HELMUT STROBEL, Schriesheim

  • Reißendes Kapitalistenrudel

    betr.: "Die Ökonomie der Natur", taz vom 6. 2. 09

    Den Neoliberalismus anhand von Naturprinzipien zu begründen, ist (ob nun mit oder ohne Darwin) schon alleine aufgrund eines grundlegenden Widerspruchs unplausibel: Abgesehen vom Menschen, beziehungsweise bestimmter menschlicher Kulturen, begnügen sich die einzelnen Organismen der Biosphäre auf materieller Ebene in der Regel mit dem, was sie zum Überleben brauchen. Die marktwirtschaftlichen Ideologien hingegen setzen bei den Teilnehmern ihres Systems Maßlosigkeit und unstillbare Gier voraus.

    Wenn ein Löwenrudel keinen Hunger hat, können Zebra und Antilope relativ gefahrlos in der Nähe grasen. Wäre es ein Kapitalistenrudel, würden sie Letztere schon allein um des Besitzes willen reißen. Und bevor jetzt jemand mit Gegenbeispielen aufwartet: Dieses Verhalten ist innerhalb der Ökosysteme die Regel, die von wenigen Ausnahmen bestätigt wird. TAREK KHOURY, Köln

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • … wer Böses dabei denkt

    betr.: "Die innere Spaltung", taz vom 30. 1. 09

    Iris Hefets, über jeden Verdacht des Antisemitismus erhaben, bemerkt, wie die deutschen Medien bevorzugt die israelische Position im Nahostkonflikt verbreiten und andere Stimmen ignorieren. Dazu Folgendes: Anfang Januar wurde in unserem TV-Kabelnetz der Sender Al-Jazeera/English abgeschaltet. Auf Nachfrage beim Betreiber erhielt ich die Auskunft, dass die deutsche Einspeisungsgesellschaft (Eutelsat) den Sender abgeschaltet hat. Rein zufällig war es genau die Zeit, in der der Gazakrieg tobte, Israel ausländischen Journalisten den Zugang in den Gazastreifen verwehrte und nur die dort anwesenden Al-Jazeera-Journalisten berichten konnten. Honi soit qui mal y pense. JOSEPH GLAGLA, Hamburg

  • Richtiges Schulpflichturteil

    betr.: "Wer selbst lehren will, muss fliehen", taz vom 4. 2. 09

    Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 2006 ist vollkommen richtig. Die Familie Neubronner soll sich mal vor Augen führen, welche Folgen eine Lockerung der Schulpflicht hätte. Ich sehe Kinder fundamentalistischer Gläubiger, die Jungs lernen die jeweils Ungläubigen zu verachten, die Mädchen lernen traditionelle weibliche Lebensweise ohne westliche Freizügigkeiten. Besser man kämpft dafür, dass die öffentlichen Schulen so werden, dass man seine Kinder gern hinschickt und alle Kinder hingehen, damit alle die gleichen Chancen auf kulturelle Entwicklung haben.

    ELKE PÖSCHKO, Knüllwald