Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 14.02.2009
  • Wer benennt die Verantwortlichen?

    betr.: "Überforderter Kapitalismus", taz vom 12. 2. 09

    Klare und deutliche Worte von Robert Misik zur Finanz- und Systemkrise. Klaus Wiegandt, der ehemalige Chef des Handelskonzerns Metro und jetzt Vorsitzender der "Stiftung Forum für Verantwortung", hat bereits vor drei Monaten auf einer Tagung der Evangelischen Akademie in Loccum in Bezug auf die jetzige Krise und ihre absehbar weltweiten Folgen von einem der größten Verbrechen an der Menschheit gesprochen. Wenn dem so ist, gehen wir dann angemessen mit dieser Dimension der Krise um? Es geht nicht um Hexenjagd! Verbrechen haben aber auch etwas mit persönlicher Verantwortung zu tun. Wer benennt aber die Verantwortlichen und wer zieht sie zur Rechenschaft? Wo hört man das öffentliche Eingeständnis, dass man sich geirrt habe und sich von einer einseitigen Ideologie habe blenden lassen, deren Scheitern nun so offensichtlich ist. Milliarden werden unter den Folgen dieser Krise leiden und vermutlich Millionen, vor allem in den Ländern des Südens, an diesen auch sterben. Wir müssen hunderte von Billionen zu unser aller Lasten und der zukünftiger Generationen zur Rettung eines marodes Bankensystems und zur Ankurbelung der Wirtschaft pumpen, wo zuvor für die dringendsten sozialen Bedürfnisse angeblich kein Geld da war, und die Frage der persönlichen Verantwortung wird nicht einmal thematisiert.

    Allzu viele haben schalten und walten können, wie sie wollten, und offenbar hat jegliches Risikomanagement versagt. Mit Segen und Unterstützung der Politik, die erst die Voraussetzungen dafür schuf, dass dieses System so völlig aus dem Ruder laufen konnte. Wo bleibt der Ruf nach einer Wirtschaftsdemokratie, damit sich so etwas nicht wiederholt? DIETER LEHMKUHL, Berlin

  • Symbiotische Verhältnisse

    betr.: "Raus aus dieser Kirche", taz vom 6. 2. 09

    Der Kirchenaustritt ist die einzig angemessene Handlung im Zusammenhang mit den entlarvenden Handlungen der alten Männer in Rom. Da rehabilitiert ein Papst, der sich Stellvertreter Gottes nennt, und der "ex Cathedra" unfehlbar ist, einen Bischof, der das größte verbrecherische Geschehen in der deutschen Geschichte leugnet, und wenn dann die Kanzlerin dieses Landes zur Ordnung ruft, pochen Bischöfe auf die Trennung von Kirche und Staat. Ist diesen Bischöfen bewusst, dass diese Kanzlerin sinnbildlich jeden Monat zu ebendiesen Kirchen (katholisch und evangelisch) pilgert und ihnen einen Koffer voll mit über 1,2 Milliarden Euros in den Schoß legt? Wohlgemerkt; Gelder aus dem allgemeinen Steuertopf, nicht etwa nur von katholischen Mitbürgern. Es ist also nicht nur ihr Recht als Kanzlerin, deutlich zu werden, sondern ihre Pflicht. Und es wäre nur folgerichtig, diesen Beitrag einzusparen und ihn Bedürftigen zukommen zu lassen.

    Aber auch den Kollegen Seehofer müsste sie zur Rede stellen. Denn dieser schwärmte nach der Privataudienz beim Papst von einem symbiotischen Verhältnis des Freistaates Bayern und der katholischen Kirche, sodass ein Journalist der Süddeutschen Zeitung gar von "Brüdern im Geiste" sprach. Da kann es einem Angst und Bange werden! MARTIN KÜBLI, Greussenheim

  • Steile These

    betr.: "Braunkohle forever", Kommentar von Reiner Metzger,

    taz vom 11. 2. 09

    Ach so, die eigentlich Schuldigen am Scheitern des Bürgerbegehrens gegen Tagebaue in Brandenburg sind die Initiatoren, weil sie es überhaupt erst versucht haben? Steile These.

    Zwar ist die Hürde, sich auf den Meldeämtern eintragen zu müssen, in der Tat viel zu hoch. Es sollten auch Anliegen eine Chance haben, bei denen es am Anfang nur 10 % oder 20 % Zustimmung gibt, weil die anderen sich mit dem Thema noch gar nicht befasst haben. Aber wenn es bereits 70 % Zustimmung gibt und trotzdem nur 1 % den Hintern hochkriegen, dann lässt das nur einen Schluss zu: Hier herrscht noch die gute alte deutsche Untertanenmentalität nach dem Motto: "Die da oben machen ja doch, was sie wollen." Ich sage es ungern, aber dieses Volk hat die Regierenden, die es verdient. Nur schade, dass die CO2-Emissionen an der brandenburgischen Landesgrenze nicht Halt machen werden. ANJETTA CHRISTNER, Berlin

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Ein großes "Aber"

    betr.: "Im Netz der Liebe", taz vom 12. 2. 09

    Zurückzuführen ist der Valentinstag auf Bischof Valentin von Terni, der Brautpaaren zur Hochzeit Blumen aus seinem Garten geschenkt haben soll. Terni wurde am 14. 2. 269 hingerichtet und später heilig gesprochen. Unbestritten ist aber die durch die Blumenindustrie herbeigeführte Popularität dieses Valentinstages, die einzig der Verkaufsförderung dienen soll. Es gibt dennoch auch ein großes "Aber" an diesem Tage zu bedenken, der auch in manchen Kirchen als Tag der "Ankunft Jesu als himmlischer Bräutigam zur himmlischen Hochzeit" gefeiert wird.

    Am Valentinstag 1349 begann in Straßburg der größte Völkermord an Juden vor ihrer industriellen Vernichtung im Nationalsozialismus. Mehr als 2.000 Juden wurden in einer Kirche zusammengetrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt. Ihr Vermögen wurde unter den Städtern aufgeteilt. Noch schlimmer war, dass das Straßburger Pogrom auch auf andere Städte übergriff.

    Ich wünsche allen einen schönen Gedenktag am 14. Februar.

    JOE SCHLOSSER, Bremen

  • Leben von Flüchtlingen schützen

    betr.: "Wenn Politik und Religion nur unanständig sind",

    taz vom 11. 2. 09

    Ach würden doch die italienische Regierung, allen voran Berlusconi & Co, und der Vatikan ähnliche Kräfte entwickeln, um Leben von Flüchtlingen und Einwanderern, an ihrer Küste etwa, zu schützen, anstatt sich zu verausgaben, um gegen das Recht auf Selbstbestimmung zu tönen, im Versuch Popularitätsverluste auszugleichen, dann wären sie wohl zukunftsorientiert, also ihrer Zeit voraus und vermutlich das Gegenteil von rechts. HENDRIK FLÖTING, Berlin