Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 17.02.2009
  • Geburt und Tod gehören zusammen

    betr.: "Wenn Politik und Religion nur unanständig sind",

    taz vom 11. 2. 09

    Die Debatten um Komapatienten, die jahrelang im Bett liegen, sind mir unbegreiflich. Kann sich niemand den seelischen Druck, den Stress, das Bangen und Hoffen oder die Verzweiflung der Angehörigen vorstellen, die damit über Jahre belastet sind? Was ist das für ein "Leben" an Schläuchen, ohne jede Kommunikation? Und kein Mediziner kann sagen, ob das Bewusstsein überhaupt noch "da" ist.

    Geburt und Tod gehören zusammen. Warum wird der Tod von vielen so verdrängt, wenn er doch unausweichlich ist? Warum wird nicht unterschieden zwischen sterben wollen oder dürfen? Wie kann man von Sterbehilfe oder Mord reden im Falle eines Komapatienten, wenn weder die Mediziner noch die Theologen über diesen Zustand konkretes Wissen haben? Wie lange kann man einen Komapatienten denn überhaupt am Leben erhalten? Ewig?

    Die Mediziner fühlen sich dem Leben verpflichtet und es ist ihre Aufgabe, Patienten bestmöglich zu versorgen. Sie jahrelang künstlich am Leben zu erhalten, kann nicht dazugehören. Wenn Eltern oder Angehörige den Medizinern die Verantwortung für das Abstellen der Maschinen abnehmen wollen, wieso gibt es dann weltweiten Aufruhr? Wollen nun auch Politiker Herr über Leben und Tod sein?

    Ich möchte, dass meine Patientenverfügung, mit der ich mich lange auseinandergesetzt habe, akzeptiert wird. Ich habe sie im Auto, in meinen Papieren, bei meinen Ärzten und bei meinen Freunden.

    In der taz sind immerhin 64 % dafür, das Leiden bei Krankheit so klein wie möglich zu halten. ("Sterben wann man will. Entscheidung des Tages", taz zwei 11. 2. 09, d. Red.) Ob die 25,6 % der Befragten, die von Tötung und gar Mord reden, selbst an Schläuchen hängen wollen, sollte man noch klären! BARBARA HOPF, Hettstadt

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Was ist mit den getöteten Frauen?

    betr.: "Jenseits der Familientragödie", Kommentar von Heide Oestreich, taz vom 14. 2. 09

    Der Artikel ist sehr täterzentriert und zeigt die scheinbaren Nöte des Mörders und den daraus folgenden - fast - schicksalhaften Verlauf einer sogenannten Tragödie, an deren Ende - wie so häufig - der Tod einer Frau oder eines Kindes steht. Soziale Angebote sollen "diese Jungs" von einer Gewalttat abhalten.Was ist mit den getöteten Frauen und Kindern, die nicht mehr über ihre Nöte und über die täglichen Demütigungen und erlittenen Gewalttätigkeiten sprechen können? Fast wöchentlich werden Frauen und Kinder von Männern getötet, weil sie sich - wie die Autorin formuliert - dem "Kontrollbedürfnis der Männer" widersetzen. Dabei handelt es sich bei der Mehrzahl der Täter um Männer aus dem familiären Umkreis. Die nationale, kulturelle oder religiöse Zugehörigkeit ist in diesem Zusammenhang letztlich belanglos!

    Die männlichen Täter vereint letztlich vor allem eine Überzeugung: die Überzeugung, dass Frauen - und auch Kinder - Menschen zweiter Klasse sind. Die vielfachen Morde sind anders nicht zu erklären. Soziale Angebote werden die Täter vermutlich kaum beeindrucken. Hier muss viel mehr passieren. In erster Linie muss die Gesellschaft jedoch den Frauen und Kindern bedingungslosen Schutz, Aufklärung und Hilfe bieten und klarmachen, dass die Täter, die die Menschenrechte mit Füßen treten, absolut keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. ROSA GEPPERT, Münster

  • Mord hat nichts mit Ehre zu tun

    betr.: "Lebenslang für Schwestermord", "Tödliche Intoleranz ist ein Mordmerkmal", "Es war Mord", taz vom 14. 2. 09

    Mir wird jedes Mal übel, wenn ich das Wort "Ehrenmord" ohne Anführungszeichen lese. Dem Unterbewusstsein wird suggeriert, Mord könne irgend etwas mit Ehre zu tun haben. Zuwanderer könnten sich möglicherweise bestätigt fühlen und ermutigt, menschenverachtende Traditionen fortzusetzen. Der "Ehrenmord" wird auch in Zukunft hoffentlich nie im Strafgesetzbuch stehen.

    Mord, aus welchem Beweggrund auch immer, ist zutiefst ehrlos, denn das Leben ist das höchste Gut. Das muss Zuwanderern aus jenen Kulturen unmissverständlich klargemacht werden. Dazu dienen neben aufklärender Unterstützung und Betreuung vor allem auch klare Urteile. GERHARD RUDOLF, Bad Homburg