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Ausgabe von: 02.04.2009
  • Grundsatzfragen stellen

    betr.: "Der Schein trügt"

    Ein sehr schöner Artikel zu Geld und Finanzsystem.

    Es ist Zeit, dass hier auch Grundsatzfragen gestellt werden. Die Frage ist, ob man ein neues System erfinden muss oder ob neuer Sozialismus, Kommunismus oder Reform des Bestehenden der Ausweg ist. Ich denke, dass die schon bestehenden Entwürfe zum Wirtschafts- und Finanzsystem alle einen wertvollen Kern, aber auch Fehler enthalten. So wäre es denn eine Aufgabe, daraus eine Synthese zu schaffen. Gesell war Antimarxist und blind für die Macht der Besitzverhältnisse an Produktionsmitteln. Umgekehrt sagt aber Frau Goettle, es ginge nicht um "beglückende Tauschverhältnisse" bezogen auf Gesells Freigeld, sondern um Produktions- und Wirtschaftsverhältnisse. Dies hängt aber zusammen, ein auf Zins und Schuld beruhendes Finanzsystem zwingt auch zu Wachstum und Umverteilung. Marx beschrieb das Geld als Ware und übersah die Überlegenheit des Geldes im Verhältnis zu Ware und Arbeit. Ware und Arbeit stehen unter hohem Angebotsdruck (Verkauf/Lebenshaltung). Geld großer Kapitalbesitzer kann gehortet werden, bis ein passender Zins oder Rendite oder ein Rettungspaket des Staats erpresst ist. Gemeinsam wird ein Schuh daraus: Eine demokratische Kontrolle und Beteiligung der Arbeitenden am Produktionsprozess und ein nachhaltiges Geldsystem könnte den gordischen Knoten lösen. Wir müssen die Schranken in unserem Denken und unserem Miteinander überwinden und eine "Mosaiklinke"(Herr Urban, IG Metall) bilden. RAINER BÄHRENS, Rotenburg

  • Ein Stück weiter

    betr.: "Der Schein trügt" von Gabriele Goettle, taz vom 30. 3. 09

    Ich habe den Eindruck, dass wir zum Glück schon ein Stück weiter sind, als es Frau Goettle sieht. Robert Kurz, den sie als Einzigen benennt, der weitreichendere Ideen zum Geld entwickelt hat, kenne ich nicht, dafür sind mir aber durchaus andere Denker bekannt, die jenseits von Kapitalismus, Kommunismus und der Reform des Bestehenden Ideen entwickelt haben. Zu nennen wäre da Wilhelm Schmundt mit seinem Buch "Der soziale Organismus in seiner Freiheitsgestalt", Joseph Beuys, der mit seinen Ideen zu Geld und Kapital nicht zuletzt auf Schmundt zurückgreift und eine sehr zukunftsweisende und menschliche Form des Kapitalbegriffs vertritt. Nicht zuletzt ist auch Rudolf Steiner zu nennen, der mit seinen Ausführungen zur Nationalökonomie Neues gedacht hat.

    Mir scheint, wir werden die Krise nicht sinnvoll und gewinnbringend überwinden können, wenn unser Herz im Prinzip an der "schönen" Mark hängt oder wir bereit sind das Geld als "Zwangsmittel" oder "Schweigegeld" zu betrachten. Vielleicht sollten wir die wirklichen Ideen bezüglich des wirtschaftlichen Bereichs unserer Gesellschaft nicht unbedingt nur bei den Ökonomen und Soziologen suchen. HELGA HERWIG-SCHEVE, Velbert

  • Geld ist kein geschlossener Kreislauf

    betr.: "Der Schein trügt"

    Nicht nur, dass Goettle Voltaires Satz "Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück - zu null" unkommentiert stehen lässt, als wäre das wirklich eine haltbare Tatsache, nein, sie offenbart mit einem Satz wie "Es gibt keinen Verlust an der Börse, jeder Verlust ist zugleich ein Gewinn und jeder Gewinn ist ein Verlust, den ein anderer hat" auch noch ein völliges Unverständnis dessen, wie Wirtschaft und Geld funktioniert. Dass Geld kein geschlossener Kreislauf ist, sondern dass es sich vermehrt, sollte man schon in der Schule gelernt haben. Dass nicht immer jemand Gewinn macht, sieht man schon beim Ausgangspunkt der Finanzkrise: Die Banken haben zwar für die Immobilienkredite "als Sicherheit" die Häuser bekommen, die sind aber nichts mehr wert, das Geld ist verschwunden, genau wie umgekehrt Faust Geld erschafft, indem er Bodenschatzoptionen verkauft. Dass Frau Goettle diese Mechanismen nicht zu verstehen scheint, ist einerseits ihr Problem. Andererseits nährt es die Kritik, linke Wirtschaftsideen seien nicht ernst zu nehmen. Und das ist das, was mich wirklich ärgerlich macht.

    MATTHIAS LUDEWIG, Potsdam

  • Arme AutofahrerInnen ausgesperrt

    betr.: "Umweltzonen. Strafen für ,Stinker'", taz vom 1. 4. 09

    nun gibt es also wieder eine stadt mehr, die arme autofahrer aussperrt. mein alter transit (natürlich mit partikelfilter) bekommt keine plakette, und einen neuwagen kann ich mir nicht leisten. wofür bezahle ich eigentlich noch kfz-steuer? zur finanzierung der autolobby? WOLF MOLINARI, Kiefersfelden

    Die Redaktion behält sich Abdruck und Kürzen von LeserInnenbriefen vor. Die veröffentlichten Briefe geben nicht unbedingt die Meinung der taz wieder.
  • Wer die Geschichte nicht kennt …

    betr.: "Der Schein trügt"

    Gabriele Goettle schreibt über das Ende der Hyperinflation 1923: "Die Weltwirtschaftskrise dauerte noch weitere zehn Jahre an, was dann folgte, weiß jeder." Das ist falscher, als die Wikipedia erlaubt: Jeder Neuntklässler lernt heute, dass die Weltwirtschaftskrise nicht 1923, sondern 1929 begann. Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen. PHILIPP HEYDE, Hamburg