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Ausgabe von: 30.04.2009
  • LESERINNENBRIEFE

     betr.: "Das Leben ist kurz", taz vom 24. 4. 09

    Konsumverzicht ist keine Belastung

    "Die Krise ist im Kern der deutschen Wirtschaft angekommen." Und nun muss die Familie Klein wegen der Kurzarbeit des Vaters auf die geplante Flugreise verzichten, der Kauf der neuen Couch erscheint weniger freudvoll und die Tochter bekommt zum 18. Geburtstag nicht das in ihrer Privatschulklasse übliche Auto! Da kann ich nur denken: Hurra, Krise! Wenn es nur auf diesem Weg möglich ist, völlig überzogenes Konsumverhalten in Deutschland (aber nicht nur hier) einzuschränken, damit perspektivisch durch die Reduzierung von Autos, Flugreisen und überflüssiger Konsumgüterproduktion die Rettung des Klimas wieder etwas wahrscheinlicher wird, dann bin ich im Interesse meiner Familie für Krise!

    Eine echte Belastung kann ich jedenfalls im Konsumverzicht nicht erkennen. Vielmehr bekommen die Kinder der Familie die Chance, durch eine mögliche Verschiebung der Werteprioritäten ihre Zukunft unabhängiger von materieller Orientierung in verbesserten Umweltbedingungen zu gestalten. Der Hoffnung von Herrn Klein, dass es in Deutschland immer weitergegangen ist, steht meine Hoffnung entgegen, dass es so auf keinen Fall weitergehen wird. Mut zur Veränderung ist gefragt, der bloße Fingerzeig auf Managergehälter ist keine Lösung. YVONNE RICHTER; Tübingen

     betr.: "Allianz für Arbeit und Umwelt", taz vom 24. 4. 09

    Schmerzhafter Druck

    Natürlich unterstütze ich nachdrücklich Chris Methmanns These, Ökologie- und Gewerkschaftsbewegung sollten enger zusammenarbeiten. Allerdings wird seine These erst zu einer wirklich runden und erfolgversprechenden Sache nach folgender Ergänzung: Auch die bisher eher zaghaft und bettelnd auftretende Verfassungs-, Bürgerrechts- und Demokratiebewegung in Deutschland mit ihren zahlreichen bundesweiten und auch dezentralen Verbänden, Vereinen, Bürgerinitiativen und Gruppierungen muss zu dem neuen Bündnis ihren Part beitragen. Alle zusammen müssen künftig selbstbewusster, entschlossener, fordernder und auf konkrete parlamentarische Ergebnisse (insbesondere Gesetzesbeschlüsse, internationale Verträge) ausgerichtet agieren und ihre Kampagnen hierauf ausrichten.

    Da Parteien und ihre Repräsentanten scheinbar nur die Vokabeln "Mandate", "Parteienfinanzierung" und "Diäten" verstehen, müssen sich die künftigen Bemühungen dieser NGO auch darauf konzentrieren, dass das vermutlich weiterhin starrsinnig verfolgte Ignorieren ökologischer, sozialer und bürgerrechtlicher Probleme unserer Gesellschaft zum Mandatsverlust bis zum "Rauskegeln" und auch von Parteien aus den Parlamenten in Bund und Ländern führt. In der "Szene" noch kontrovers diskutiert, aber aus meiner Sicht keineswegs abwegig, ja sogar notwendig wäre hierfür eine Art Wählervereinigung aus zumindest allen größeren NGO in der EU/in Deutschland, um den - noch - großen Parteien und ihren Funktionären Beine zu machen, Wege aufzuzeigen und vor allem Mandate abzunehmen, wenn schon sie selbst diese Wege trotz ihrer gutbezahlten Experten und Ratgeber nicht finden wollen. Offenbar allenfalls durch massiven, schmerzhaften Druck lassen sich die Parteien und ihre Vertreter zu Entscheidungen drängen, die für die von ihnen allzu oft und offenbar nur als Steuerzahler, Konsumenten und Wähler willkommen geheißenen künftigen Generationen überlebensnotwendig sind.

    Angesichts der sich rasant verschärfenden ökologischen und sozialen Probleme auf diesem Planeten und einer immer häufiger vorsätzlich oder fahrlässig verfassungswidrigen, gegen Bürger und Umwelt gerichteten Gesetzgebung bzw. Entscheidungspraxis der Regierungen haben wir nicht mehr die Zeit zu warten, bis auch die Parteien und ihre Funktionäre kleinlaut zugestehen, dass es wichtigere Dinge gibt als die Parteienfinanzierung/als ihre eigenen Diäten und den Aktienkurs und den Profit der ihnen nahestehenden Konzerne und Manager. MANFRED BAUER, München

     betr.: "Gottfroher Manager" u. a., taz vom 28. 4. 09

    Eine muss Letzte werden

    Die vom System her vorgegebenen Trainerrauswürfe erregen immer wieder die ganze, ach so nachdenkliche Nation. Wenn 18 Mannschaften einen Wettbewerb austragen, muss eine Letzte werden, und sei sie völlig gleich gut wie die Erstplatzierte. Warum dann der Trainer gefeuert werden muss, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Vermutlich gehört die absolute Abhängigkeit der Trainer von den Spielern zu den Spielregeln. Wenn sie ihn nicht mehr wollen, spielen sie ganz einfach ein Quäntchen schlechter und schon wird er zum Teufel gejagt. Denn selbst der dritte Tabellenplatz einer mit viel Geld zusammengekauften Mannschaft kann in den Augen der Fußballphilosophen schon eine Schande sein. ALFRED MAYER, München