Das taz Print-Archiv

Hier können Sie in alten taz-Ausgaben blättern:

Ausgabe von: 14.05.2009
  • LESERINNENBRIEFE

     betr.: "Vom Steilpass zum Eigentor", "Gymnasiallehrer-Bashing",

    Leserbriefe vom 11. 5. 09

    Hindernisse für Gymnasiallehrer

    Zwei Leserbriefe aus dem Süden der Republik (Baden-Württemberg), deren Schreiber nicht über den Tellerrand schauen oder nicht genau lesen: In Berlin wird nicht nach der 4. Klasse sortiert, die Grundschule dauert dort bis zur 6. Klasse. Nur einige Kinder (7 Prozent) gehen nach der 4. Klasse auf eines der wenigen grundständigen Gymnasien. Diese Kinder aus der 5. und 6. Klasse Gymnasium und der 5. und 6. Klasse Grundschule - Christian Füller hat das mindestens viermal in seinem Text geschrieben - wurden verglichen, gleich alt, gleich pubertierend. Obwohl sich diese Gymnasiasten von Migranten-, Unterschicht- und anderen Problemkindern getrennt haben, steigt ihre Kompetenz nicht an, sondern verläuft parallel mit der der heterogenen Grundschulkinder. Das zeigen die Tabellen, die beide Forscher verwendet haben - auch den Kasten lesen! Wer legt Ihnen, Herr Lösch, Hindernisse in den Weg? "Forscher im Theorierock und Journalisten" oder Ihr Schulministerium, das Sie für 25 Prozent Ihrer Unterrichtstätigkeit nicht ausbildet und keine Stunden zur Verfügung stellt?

    URSULA LEPPET, München

     betr.: "Lafontaine steht das Wasser bis zum Hals",

    taz vom 12. 5. 09

    Enttäuschend, Herr Wechselberg

    Die defensiven Äußerungen von Herrn Wechselberg (Die Linke) sind enttäuschend. Denn angesichts der fast unvorstellbaren Summen, die Staaten derzeit in das Bankensystem pumpen, überzeugt das Argument der fehlenden Finanzierbarkeit nicht mehr. Die Bundesregierung ist dabei, die Defizite der als systemrelevant eingestuften Banken in geradezu astronomischen Höhen zu sozialisieren. Allein der IWF schätzt den Gesamtverlust der US-Banken auf 2.700 Milliarden US-Dollar. Daher mutieren die heutigen Kosten des finanzpolitischen Konzeptes der Linken in Höhe von 300 Milliarden Euro zu einer finanzpolitisch umsetzbaren Staatsmaßnahme. Warum angeblich die linke Forderung nach Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes auf 500 Euro im Monat ohne sachliche Begründung erfolgt, kann nur einem Politiker fremd bleiben, der mit weniger als 500 Euro im Monat nicht auskommen muss.

    Ich finde es beschämend, dass in der taz gar nicht erst dargelegt wird, dass sich die Linke nach wie vor für die Abschaffung von Harz IV engagiert (Spiegel vom 11. 5. 2009). Die "Kommunisten" sind derzeit die einzige Partei, die das Vermögen älterer Arbeitnehmer, die 30 Jahre oder mehr in die Sozialversicherungssysteme eingezahlt haben, im Falle von Arbeitslosigkeit schützen und nicht enteignen wollen. Bei der drohenden Massenarbeitslosigkeit ist jedoch genau dieses Szenario absehbar: Viele Arbeitnehmer von heute werden ihre Darlehen und Kredite nicht mehr bedienen können, die Banken können massenhaft ihre Wertpapiere abschreiben. Die Krise hat Deutschland deshalb noch gar nicht richtig erreicht.

    Die Linke braucht sich daher nicht zu verstecken. Sie kann Fehlentwicklungen auch in der Opposition stoppen, wie die letzte Bundestagswahl gezeigt hat. Hier hat es dank des Wahlergebnisses der Linken nicht für eine schwarz-gelbe Mehrheit gereicht. Das kann auch bei der kommenden Wahl das einzige realistische Maximalziel darstellen. Das Streben der Grünen nach Regierungsbeteiligung um (fast) jeden Preis hingegen lässt die ehemalige Protestpartei zum billigen Mehrheitsbeschaffer à la FDP mutieren.

    JÖRG HUTTER, Bremen

     betr.: "Grillen ist riskant", taz vom 9./10. 5. 09

    SPD wird zur Verbotspartei

    Lauterbach sagt: "Ich will keine Spaßbremse sein." Dass ich nicht lache - Lauterbach ist die inkarnierte Spaßbremse! Zusammen mit Frau Bätzig. Lassen Sie den Menschen ihren Spaß und ihre kleinen Laster. Die SPD ist auf dem besten Wege, alle Tugend- und Gesundheitsterroristen bei sich zu versammeln und eine Verbotspartei zu werden. Da dürfen sich die Genossen nicht wundern, dass ihnen die Mitglieder weglaufen und sie noch schlechtere Wahlergebnisse einfahren. HANS-JÜRGEN BARTELS, Bielefeld

     betr.: "Tipp vom Innenminister: "In Libyen Asyl verlangen",

    taz vom 12. 5. 09

    Wo bleiben die Proteste?

    Der Zynismus der italienischen Regierung - in diesem Fall Innenminister Roberto Maroni - gegenüber Menschen, die ihr Leben riskieren, um dem von der westlichen Welt verursachten Elend zu entfliehen, ist fast nicht zu übertreffen.

    Mir wird übel bei dem Gedanken, dass sich dieses menschenverachtende Unwesen mitten in Europa umtreibt, vor unserer aller Augen - mitten in dem Land, in dem viele unserer Landsleute ein Ferienlandhaus ihr eigen nennen! Wo bleiben die Proteste?

    Ich erwarte, dass solche skandalösen Zustände auf der ersten Seite der taz angeprangert werden, anstatt uns schon jetzt mit rot-gelb-grün-schwarzem Wahlkampfgenörgel zu langweilen! INGRID GANGLOFF, Hamburg