Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 16.06.2009
  • LESERINNENBRIEFE

     betr.: "Raufen mit olympischer Vergangenheit. Ultimate Fighting erreicht Deutschland", taz vom 13. 6. 09

    Opfer zum Sonderpreis

    Das wussten schon die alten Römer: Kampf, Blut und Tod faszinieren die Massen. Solange es sie nicht selbst betrifft. Also im sicheren Abstand, hinter der Bande, dem Maschendrahtzaun, vorm Bildschirm oder der Leinwand. Nicht nur leben alle Gazetten, Kinos, TV-Sender und Nachrichtenshows davon, sondern tendenziell auch der sich selbst so nennende, auf Show und Konsum ausgerichtete Sport; nicht Fitness ist da das Ziel, sondern der pure Nervenkitzel. Selbst Kriege abroad sind okay, solange es nicht zu viele eigene Leute kostet oder betrifft.

    Na und? Teil der conditio humana, könnte man sagen, und ein Riesengeschäft. Und darum geht es doch, oder? Was wäre dann schließlich gegen das Original zu sagen? Der Gladiatorenkampf im Circus Maximus wäre da nur konsequent. Ehrlich. Radikal. "Wir Todgeweihten begrüßen dich, Tod!" Was für ein Statement! Einschaltquote garantiert. Die Opfer kriegt Gunter von Hagens zum Sonderpreis.

    Übrigens: In den klassischen Martial Arts steht die ethische Erziehung an erster Stelle! Das ist wohl im Rummel untergegangen. Schade.

    GERHARD RUDOLF, Bad Homburg v. d. Höhe

     betr.: "Penthesilea hätte leichtes Spiel" Birgit Glombitza zum Dokumentarfilm "Der entsorgte Vater", taz vom 11. 6. 09

    Mütter sollen entsorgt werden

    Viel zu wenig wird im Film, wie auch in realen Fällen, hinterfragt, warum denn die Mutter nicht möchte, dass ihre Kinder keinen Kontakt mehr zum Vater haben. Sicher gibt es Frauen, die dies aus Hass oder eigenen Verletzungen heraus forcieren. Dies ist ohne Frage zu verurteilen, weil das "Kindeswohl" hier mit Sicherheit Nachrang hat. Jedoch ist nachvollziehbar, dass Frauen, deren Männer sich jahrelang nicht für ihre Kinder interessiert haben, die Berufliches vorneangestellt haben, die ihre Kinder oder die Partnerin geschlagen oder missbraucht haben, die depressiv geworden oder psychisch labil sind, kein Vertrauen mehr in den Ex-Partner haben und Angst haben, die Kinder würden im Umgang mit dem Vater Schaden nehmen. Ob dies im Einzelfall der Fall ist, muss immer (selbstkritisch) geprüft werden.

    Ich beobachte in diesem Zusammenhang aber einen weiteren Trend: Auch Mütter sollen entsorgt werden. Dann wenn der Vater sich tatsächlich in der Vergangenheit mehr als nur am Wochenende um die Betreuung der Kinder gekümmert hat. Und umgekehrt auch, wenn Väter sich jahrelang nur am Wochenende in die Kinderbetreuung und -erziehung eingebracht haben, ansonsten der Partnerin aber das Feld überlassen und Karriere gemacht haben. Mit der Trennung besinnen sie sich nun auf ihre Kinder. Und das mit aller Macht: Sie überengagieren sich in Schule, Fußballverein und Haushalt, machen der Partnerin klar, dass nur sie (die Väter) geeignet seien, die Kinder (vor allem Jungen) angemessen zu betreuen, und wollen auch den Lebensmittelpunkt stellen. Die Mutter wird verunglimpft, ihre jahrelanges Engagement für die Kinder (auch öffentlich) diskreditiert und Tatsachen verdreht, so dass sie als Rabenmutter dasteht. Kurz: Sie soll entsorgt werden. In so einem Fall kann man nur darauf hoffen, dass der Richter, der darüber zu befinden hat, wo sich der Lebensmittelpunkt der Kinder befinden wird, einen klaren Blick hat und sich nicht von einer vordergründigen Fürsorge blenden lässt. ANNETTE SABERSKY, Hamburg

     betr.: "Penthesilea hätte leichtes Spiel", taz vom 11. 6. 09

    Engel und Teufel

    Frauenrechtlerinnen weisen seit Jahrzehnten auf ihrerseits erfahrenes Unrecht hin, mal im Jammerton, mal nüchtern, mal aggressiv … und das geht alles in Ordnung, wenn auch den heutigen Männern dasselbe Recht zugestanden wird, ohne sich damit postwendend ins mediale Abseits zu katapultieren. Tun sie es nämlich, ernten sie, bis auf wenige journalistische Lichtblicke, nur Spott und Häme. Mit weiblicher Empathie und Mitgefühl scheint es nämlich genau dann vorbei zu sein, wenn es um den eigenen (meist ernüchternden) Blick in den Spiegel geht.

    Natürlich ist der Film auch subjektiv gehalten, aber das sind die anderen 90 Prozent der Streifen schließlich auch, in denen Männer pauschalisiert und damit, den Zeitgeist hofierend, als Täter, und Frauen als bessere Menschen, die, überall benachteiligt, auch noch alles Leid zu tragen haben, dargestellt werden. Lehrt uns aber nicht unser gemeinsamer Alltag stets aufs Neue, dass sowohl in Männern als auch in Frauen gleich viel Engel und Teufel stecken? Ist das wirklich noch Gegenstand einer ernsthaften Diskussion?

    TOM J. HARTMANN, Augsburg

     betr.: "In Einzelhaft mit Kind", taz zwei vom 9. 6. 09

    Mütter, raus ins Leben

    Ich stimme der Autorin voll zu und würde viel weiter gehen: Mütter mit Kleinkindern sollen raus ins Leben. Ich glaube, der sogenannte Babyblues würde sich dann auch kaum oder jedenfalls sehr reduziert einstellen. So ein Baby schläft am Anfang hauptsächlich. Es trinkt, und dann schläft es, bis es wieder trinken will. Sehr unterhaltsam. Mütter könnten die Babys gut ins Büro nehmen, neben sich in der Wiege lassen oder im Nebenraum mit Babyphon. Solange Babys Muttermilch brauchen, sollte es Frauen ermöglicht werden, sie überall mit hinzunehmen und auch überall zu stillen. Dazu braucht es keine besonderen Räume, nur Großzügigkeit. Mütter freuen sich, wenn man sich über ihr Baby freut.

    Wenn das Kind anfängt zu laufen und zu sprechen und nicht mehr oder nicht mehr nur an der Mutterbrust trinkt, sollte es andere Kinder kennenlernen. Das geht nur in einer Kita oder bei der Tagesmutter/-vater. Dann freut sich die Mutter, wenn sie auch mal ohne ihren Anhang existieren darf. Kleine Kinder brauchen andere kleine Kinder. Die meisten Kinder sind Einzelkinder oder haben allenfalls ein Geschwister, welches häufig aber viel älter ist. Deswegen sollten alle Kinder in die Kita gehen. Dann geht es allen Kindern besser, alle lernen schnell und gut Deutsch, und allen Müttern geht es auch besser, weil sie sich nicht mehr wortreich entschuldigen müssen, wenn sie denn überhaupt angeklagt werden. ANNETTE AHME, Berlin