Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 08.01.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Radikalisierte Kleinbürger

     betr.: "Für einen demokratischen und sozialen Liberalismus", taz vom 6. 1. 11

    Ein ehrenwerter Versuch, der Abdruck der Freiburger Thesen der FDP von 1971. Doch was soll's, it's history! Wer heute noch in Erwägung zieht, dass sich die Vereinigung der selbsternannten Leistungsträger und der tumben Fortschrittsgläubigen auch nur ansatzweise mit diesem vergangenen Gedankengut beschäftigt, der ist ein Träumer. Man braucht sich nur das Treiben von Personal inklusive Anhängerschaft während der letzten Bundestagswahl in Erinnerung zu rufen, dann ist man von dieser Vorstellung geheilt. Die Geltung der Thesen umfasste gerade mal ein schmales Zeitfenster von etwa sechs Jahren, und schon war die Chose perdu. Was übrigens ebenso für andere ehrenwerte Gedankenspielereien dieser Epoche gilt. Überschüssiges oder republikanisches Bewusstsein hat in diesem Land in der Regel nur eine kurze Halbwertzeit - leider. Übrigens war die FDP - genauso wie die Grünen - keine republikanische Veranstaltung. Und zurzeit ist sie in erster Linie eine Versammlung radikalisierter und antigesellschaftlicher Kleinbürger. Angesichts dessen ist man verwundert über das Aufhebens, das hier gemacht wird. HANS GÜNTER GREWER Saarbrücken

    Putschistenfreunde

     betr.: "Empörung über Linke",

    taz vom 6. 1. 11

    Zum Aufschrei über den Artikel von Gesine Lötzsch in der jungen Welt kann ich nur sagen: Warum kommt niemand von den Schreihälsen auf die Idee, jedes Mal, wenn jemand positiv über den Kapitalismus redet, zunächst eine Verurteilung des Faschismus, aller Militärdiktaturen und aller sonstigen verbrecherischen Regime mit kapitalistischer Wirtschaftsordnung zu verlangen? Aber niemand identifiziert den Kapitalismus mit diesen Morden. Das zeigt doch nur die Verlogenheit dieser "Verteidiger unserer Demokratie". Sie halten zu den undemokratischen Systemen des Kapitalismus den Mund oder unterstützen sogar mit unseren Steuergeldern Putschisten, wie die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras. GÜNTER TRIEBE, Berlin

    Hardliner-Lady

     betr.: ""Nicht Lenin, nur Lötzsch",

    taz vom 6. 1. 11

    Es gibt ja immerhin einige kluge engagierte Humanisten in dieser linken Fraktion, denen ich vertraue und die ich für kompetent halte. Aber: Ich empfinde das Gebaren etlicher Parteikader der Linken - nicht nur von Gesine Lötzsch - in der Tat totalitär. Diese Hardliner-Lady sagte ja vor einigen Wochen in Brandstiftermanier: "Es ist nur eine Frage der Zeit, dass Häuser von Muslimen brennen." Ich finde so einen Satz verantwortungslos. Mir sind solch ehrgeizige ScharfmacherInnen immer unsympathisch. Vielleicht sollten manche Karrieristen - Männer und Frauen - mal ne Pause einlegen, sich auf eine Feldenkrais-Matte begeben und sich besinnen auf ihre ambivalenten Beweg-Gründe im Politik-Geschäft, aber auch im Big Business. MARIANNE BÄUMLER, Köln

    Im Kommunismus gibt es keinen Staat

     betr.: "Linke-Chefin macht auf linksradikal", taz vom 6. 1. 11

    Erstens: Dass Frau Lötzsch auf Rosa Luxemburg eingeht, ist nicht verwunderlich, da sie auf der jährlichen Rosa-Luxemburg-Konferenz diskutiert und dies am Luxemburg-Liebknecht-Wochenende stattfindet.

    Zweitens: Warum wird der Begriff des Kommunismus immer so falsch behandelt? Es gab nie einen kommunistischen Staat!

    Der Kommunismus ist keine Staatsform und im Kommunismus gibt es keinen Staat und somit auch keine Parteien (siehe Marx).

    Es gab/gibt Staaten, welche eine kommunistische Partei hatten/haben, aber nur weil diese behaupten, kommunistisch zu sein, sind sie es noch lange nicht.

    Nur weil ich behaupte, Marsmensch zu sein, bin ich dies auch noch lange nicht. OLIVER GLEIBS, Essen

    Herr Westerwelle ist gut für Deutschland

     betr.: "Er zuckt noch", taz vom 7. 1. 11

    Die FDP-Führung ist sogar noch beschränkter als ich bisher annahm. Letzte Woche schickte ich eine E-Mail an die FDP. Der Text lautete in etwa: "Geben Sie es bitte Herrn Westerwelle weiter. Er soll stark bleiben. Denn Herr Westerwelle an der Spitze der FDP ist gut für Deutschland." Ich wollte damit anmerken, dass die weitere Führung der Partei durch Herrn Westerwelle zuverlässig dafür sorgt, dass diese Partei an der 5-Prozent-Grenze rumkrebst und vielleicht sogar aus einigen Parlamenten fliegt. Nun erhalte ich von einem Mitarbeiter, der für ein MitMachZentrum verantwortlich zeichnet, eine Mail mit dem Titel: "Ihr Zuspruch für Herrn Dr. Guido Westerwelle." Er teilt mit: "Unser Bundesvorsitzender Dr. Guido Westerwelle hat sich sehr über Ihre freundlichen Worte und guten Wünsche gefreut. Wir Liberalen stehen geschlossen hinter unserem Vorsitzenden." Insofern war ja mein Scheiben an die FDP erfolgreich.

    PETER BISCHOFF, Berlin

  • taz.de-LeserInnenkommentar der Woche

    Unfassbar, dieser Artikel. Wahrer Fußball ist also derjenige, der von Schlägertypen, Säufern und Glücksspielern gespielt wird? Profis, die auf Derartiges verzichten, sind Weichlinge?

    VON USER MATTHIAS IBANEZ ZU "DER GANZ ALTE FUSSBALLGEIST"