Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 16.07.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Das Problem ist ein anderes

     betr.: "So ist Italien kaum zu retten", taz vom 12. 7. 11

    Selbst auf der Titelseite der taz soll die einzige Lösung für einen überschuldeten Staat sein, weitere Schulden zu machen (Schulden aller EU-Staaten über Eurobonds). Das ist jedoch keine Alternative, sondern ein weiterer Schritt in die falsche Richtung: Wer z. B. im Moment italienische Staatsanleihen kauft, erhält, durch EU-Staatsbürgschaften garantiert, mindestens 6 % Zinsen. Die Geldgeber sind in den meisten Fällen Banken und Versicherungen, die das Geld für momentan 1,5 % Zinsen von der EZB leihen können. Warum verleiht die EZB das Geld nicht direkt an betroffene Länder? Das wäre zwar immer noch keine Alternative, würde aber die zusätzlichen Belastungen enorm verringern.

    Das Problem ist aber ein anderes: Niemand würde einem hoffnungslos überschuldeten Menschen empfehlen, noch mehr Schulden zu machen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn für überschuldete Staaten Zinsrückzahlungen komplett gestrichen würden und nur die Einlagen zurückgezahlt werden müssten? Jeder Gläubiger würde seine Einlagen komplett zurückerhalten und müsste nur auf seine Zinsen verzichten. In (angeblichen) Zeiten der Not eine durchaus zumutbare "Belastung" von Banken und Versicherungen. Durch die Entlastung wäre es möglich, einen Haushalt wirklich zu konsolidieren, und neue Schulden wären überhaupt nicht mehr nötig. Sollte die Entlastung immer noch zu gering sein, wäre ein europäischer Solidaritätsfonds eine wirkliche, direkte Hilfe der Länder untereinander, ohne Banken und Versicherungen zusätzliche Gewinne zu verschaffen. Aber wahrscheinlich sind diese Gewinne genau das (gewünschte) Problem. CHRISTIAN HERBERT, Köln

    Gefährdete Kinder

     betr.: "Schrecken der Heime",

    taz vom 14. 7. 11

    Ja, da tun sich Abgründe auf. Doch bei allem Entsetzen darf nicht vergessen werden: Nirgendwo ist die Gefahr für ein Kind, misshandelt und missbraucht zu werden, größer als in seinem eigenen Heim, seiner Familie. Und nirgendwo ist die Gefahr für die TäterInnen, entdeckt und zur Verantwortung gezogen zu werden, geringer als ebenda. Und das gilt unabhängig von sozialer, religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit.

    K. DIERCKS, Hamburg

    Nicht so schlimm

    betr.: "Endlich wieder oben",

    taz vom 15. 7. 11

    Na gut, "endlich wieder oben" ist nicht so schlimm wie: "Das Robbensterben geht weiter" und "Panik in Bonn: Strauß-Grab leer" von der Satirezeitschrift Titanic zum Tod von FJS. Aber eine Nichtsatirezeitung wie die taz sollte schon mehr an die Angehörigen denken als die Titanic, die von der Politprominenz ja selten gelesen wird. Andererseits musste auch ich lachen und anerkennend feststellen, dass das Wortspiel gar nicht mal so schlecht ist. HANNES KÜPER, Werne

    Kostenneutrale Weiterbildung

     betr.: "Facharzt für lau", taz vom 13. 7. 11

    Interessant, wie in diesem Artikel das Ausbeuten von ausländischen Ärzten beschrieben wird. Wie wäre es, mal einen Artikel über die gängige Praxis von vor zehn Jahren zu schreiben, wo man als frisch approbierter Arzt, der an einer deutschen Hochschule sein Studium absolvierte, kostenneutrale Weiterbildung zum Facharzt erlebt. Natürlich war dies zum Wohl von Krankenkassen, Arbeitgeber und für das Ego des Chefs. Sprich, man durfte zum Beispiel für eine halbe Stelle voll arbeiten, oder man durfte lange unbezahlte Praktika machen, oder ein Chefarzt fragte nach einer Spende, um die Möglichkeit zu schaffen, in seiner Abteilung eine unentgeltliche Zeit für den lang ersehnten Teil des Facharztkatalogs zu verbringen. Also, es gibt alte Muster, die durch Ärztemangel und "Ärztegewerkschaft" beendet wurden. Diese genannten Erlebnisse waren früher nur häufiger als bei den paar Gastärzten. GEORG WILDERMANN, Frauenarzt, St. Augustin

    Besser die Gegenspieler ehren

     betr.: "Quadriga ist nichts für Menschenrechtler", taz vom 15. 7. 11

    Gut, dass der Quadriga die Luft aus den eisernen Reifen - betreffs Putin als ausgegucktem Preisträger - entweicht. Sollten sie doch besser dessen Gegenspieler, Michail Chodrokowski, ehren. Auch er hat "Aufbruch, Pioniergeist und Erneuerung" gelebt und würde es gerne immer noch tun. Es wäre zwar naiv, die undurchsichtigen Methoden zu beschönigen, mit denen er sein Jukos-Imperium zusammengebastelt hat. Aber er hat sich unter Lebensgefahr auch für eine "offene Gesellschaft" in Russland eingesetzt. Und er hat die in der der Sowjetunion übliche Ölverseuchung ganzer Landschaften (wie sie z. B. im Museum des Erdöl-Instituts in Tjumen dokumentiert ist) in eine saubere Exploration umgewandelt. Eine seiner letzten Investitionen war es, in der Gegend von Tomsk das bisher abgefackelte Gas aufzufangen und zur Stromerzeugung für die Maschinerie zu verwenden, obwohl ein Dieselaggregat wesentlich einfacher und billiger gewesen wäre. Dies als Beispiel, wie man mit dem meist immer noch abgefackelten Gas umgehen kann, wenn die Maximierung des Profits nicht die einzige Richtschnur ist. MANFRED WESTERMAYER, Gundelfingen

  • FANPOST

    Dank

     betr.: "Aufhören! Aufhören!", WM-taz vom 13. 7. 2011

    In der Sache haben Sie mir aus dem Herzen gesprochen und in der Form viel Vergnügen bereitet. Ich bin begeistert. Übrigens auch von der Berichterstattung in der WM-taz. Als eine, die noch nie den Sportteil in irgendeiner Zeitung mehr als überflogen hat, lese ich die WM-Berichte hier mit großem Interesse. Dank! HEIDEMARIE BOCK, HANNOVER

    Lobhudelei

     betr.: "Nicht hart, aber fair", WM-taz Seite 02 vom 8. 7. 2011

    Endlich sind sie draußen. Das war ja wie die Fischerchöre! Harmoniesüchtiges gemeinsames Grölen aus debil vater- bzw. mütterländischer Gesinnung. Deutschland einig Mutterland. Ich wurde richtig angesteckt, ekelhaft. Drei Spiele der Deutschen habe ich gesehen (gegen Kanada, Nigeria und Japan), alle waren scheißlangweilig, gähn. Die lügnerische Lobhudelei war wohl der allgemeinen Harmoniesucht geschuldet, dem Spiel der Damen jedenfalls nicht. So viele Fehlpässe passieren nicht einmal B-jugendlichen Fußballern. Jetzt, wo es vorbei ist, schalten wir hoffentlich wieder unsere kritischen Hirne ein. HANNES KÜPER, HORNEBURG

    Schlamperei

     betr.: WM allgemein

    Im Playboy waren sie große Klasse, Angie Merkels schwarz-rot-geile Nummerngirls. Aber was zählt, ist auf dem Fußballplatz. 0:1 gegen Japan. Aus der Traum vom 3-D-Sommermärchen mit dem dritten WM-Titel in Folge. Unsere Nationalelfen haben zwar hingebungsvoll gekämpft, aber uns nicht verzaubert, weil sie jene leidenschaftliche Spielbesessenheit vermissen ließen. Dafür haben sie schlampert gespielt und hinten einen zu viel reingelassen. Dumm gelaufen. ROLAND KLOSE, BAD FREDEBURG

    Beleidigung

     betr.: Kolumne "Trikottausch", WM-taz und WM-taz online

    Wie können Sie nur zulassen, dass so etwas veröffentlicht wird? Ich bin ein Freund gut gemachter Satire, aber ein plumper Artikel, der lediglich mit dem Holzhammer alles erschlägt, was sich nicht wehren kann, ist keine Satire und kann in diesem Artikel auch nicht als solches verstanden werden. VOLKHARD DRÜCKLER, ROSTOCK

    Deutsch

     betr.: Kolumne "Trikottausch", WM-taz und WM-taz online

    Was bilden Sie Ar...loch sich ein, die Spielerinnen als Schlampen zu bezeichnen? Wahrscheinlich sind Sie der deutschen Sprache noch nicht so mächtig, dass Sie wissen, was das Wort bedeutet. Ich gebe Ihnen den Rat, wenn Sie das nächste Mal über Dinge schreiben, wo Sie nicht wissen was sie bedeuten, sich vorher besser zu informieren.

    PETER SCHULZ