Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 26.08.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Reiche Recherchearbeit

     betr.: "Ein erhabener Neinsager", taz vom 19. 8. 11, Leserbrief: "Literarisch völlig uninteressant", taz vom 22. 8. 11

    Meinetwegen sei Robert Musil literarisch völlig uninteressant, biografisch ist er es verlässlich nicht. In Ambros Waibels Rezension geht es auch nicht um Musil, sondern um Karl Corinos reiche Recherchearbeit; sie liefert sehr viel Information und man begegnet in diesem Buch wohltuender Vornehmheit.

    PAUL ZWIRCHMAYR, Wels, Österreich

    Etwas ist faul im System

     betr.: "Lautes Bellen aus Schloss Bellevue", taz vom 25. 8. 11

    Nur, weil Bundespräsident Wulff bisher sehr schweigsam war, sollte ihn jetzt niemand dafür rügen, dass er zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten Stellung bezieht und dabei den handelnden Politikern deutlich auf die Finger haut. Wenn global betrachtet in der Realwirtschaft etwa 60 Billionen Euro jährlich umgesetzt werden, die Finanzmärkte aber mehr als 900 Billionen Euro drehen, ist da etwas ganz faul im System. Die jetzige Hungerkatastrophe in Ostafrika hat zwar mehrere Gründe. Einer davon ist aber ganz sicher die ungezügelte Profitgier der Finanzwelt, die schamlos und ethisch nicht haltbar ihre Termingeschäfte auch mit Nahrungsmitteln betreibt. Damit Millionäre ohne ehrliche Arbeit Profite scheffeln, müssen in armen Ländern Menschen verhungern. Wenn wir die inzwischen total nutzlos ausgeuferten Finanzmärkte nicht ganz schnell auf ihren ursprünglichen Sinn zurückführen und entsprechende Regeln setzen, werden unsere westlichen Demokratien sehr bald sich selber abschaffen. STEFAN BLUEMER, Mülheim an der Ruhr

    Ein Lebensabend voller Maloche

     betr.: "Für 660.000 ist kein Ruhestand in Sicht", taz vom 23. 8. 11

    Unsere Bundes- und Landespolitiker beziehen schon mit 55 Jahren eine üppige Pension. Aber für immer mehr Rentner verwandelt sich der wohlverdiente Ruhestand in einen Lebensabend voller Maloche ohne Rücksicht auf die Gesundheit. Noch ist Altersarmut ein Randthema in unserer Gesellschaft. Doch die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse auf Zeit, die gebrochenen Erwerbsbiografien aufgrund von Arbeitslosigkeit und immer weniger feste Dauerarbeitsplätze werden die Altersarmut nicht nur in der "Generation Praktikum" mittelfristig zu einem Massenphänomen machen. Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll, wenn die schwarz-gelbe Bundesregierung die Rente mit 67 zurücknimmt und insbesondere für Langzeitarbeitslose und das Millionenheer der Niedrigverdiener endlich wieder die Mindestentgeltpunkte in der Rentenversicherung einführt. ALBERT ALTEN, Wernigerode

    Auf dem Rücken der Mitarbeiter

     betr.: "Bahn spart in Reisezentren", taz vom 22. 8. 11

    Mag ja sein, dass der Fahrkartenverkauf in den Reisezentren zugunsten des Internets zurückgeht. Fragt sich nur, weshalb. Aus eigenem Erleben in den letzten Wochen: Der im Reisezentrum zu zahlende Preis für eine Fahrkarte betrug genau 10 Euro mehr als der im Internet bei der Bahnauskunft ausgewiesene. Man will eben weniger Kunden am Schalter, um Personal und Beratung einsparen zu können. Den Grund für Personaleinsparungen liefert sich die Bahn also selbst. Und das auf dem Rücken der Kunden und auf dem Rücken der eigenen Mitarbeiter. GERTRUD + MARTIN GAUKESBRINK, Münster