Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 27.09.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Gelungen Satire

     betr.: "Religionsführer im Bundestag", taz vom 22. 9. 11

    1.001 Dank für diese gelungene Satire zum Papstbesuch! Der kleine Kunstgriff, die Begriffe Papst und katholische Christen durch Joda und Jedi-Ritter zu ersetzen, führt in aller Deutlichkeit vor Augen, wie zweifelhaft, ja geradezu lächerlich der Geltungs- und Machtanspruch einer religiösen Gemeinschaft mit sinkender Mitgliederschaft in einer modernen Gesellschaft wirken muss. Um Impulse zu drängenden Fragen des öffentlichen Lebens, der Ökologie oder der Friedenspolitik zu erhalten, gibt es, wie z. B. Eure "Helden des Alltags" beweisen, wesentlich inspirierendere Quellen als einen weltfremden Religionsführer mit menschenverachtender Sexualmoral. ELKE FREITAG, Adelschlag

    Achselzucken für Kommentar

     betr.: "Der Papst, der nichts zu sagen hat", taz vom 23. 9. 11

    Straight to the heart, würde ich sagen. Im Deutschen müsste ich mich kitschig ausdrücken. Ne, es war eine große Rede, und als ich den Kommentar meiner Tageszeitung dazu las, blieb mir auch nur ein Achselzucken. Wie armselig, flachköpfig, geistlos, engherzig, bösartig. Ohne Bezug zum Gesagten, nur zu dem, was wir immer schon wussten von den Kirchenfeinden, und das wir als lauwarmen Aufguss doch nicht immerzu erneut hören wollen.

    MICHAEL HERRIG, Kaiserslautern

    Wem nützt die Repression

     betr.: "Der Weg des Haschisch", sonntaz vom 25. 9. 11

    Wem nützt die Repression, wen würde eine Entkriminalisierung unterstützen? Das Ende des mörderischen Drogenkrieges, der eine Subvention der organisierten Kriminalität in ungeahnten Höhen bedeutet, wird von Wissenschaftlern, Hilfsverbänden und Menschenrechtlern immer dringender gefordert:

    Beendigung der Kriminalisierung, Ausgrenzung und Stigmatisierung der Konsumenten illegalisierter Drogen; Modellversuche zur Regulierung des Drogenmarktes mit dem Ziel, die organisierte Kriminalität zu schwächen sowie die Sicherheit und Gesundheit der Bürger zu fördern; Achtung der Menschenrechte in der Drogenpolitik sowohl für Konsumenten als auch für Drogenbauern und Kleinhändler; Fokussierung der Strafverfolgung auf die gewalttätige organisierte Kriminalität mit dem Ziel, die Gewalt einzudämmen; Reform der globalen Drogenpolitik, weg von der Verbotsideologie hin zu einer Politik, die auf Wissenschaft und Menschenrechten fußt und die eine Evaluation ihrer selbst zulässt.

    Das sind Ziele, die niemand Geringeres als die Global Commission on Drug Policy aufgestellt hat. In diesen Zielen ist die Antwort auf obige Fragen beschrieben. MICHAEL KLEIM, Gera

    Eine Seite für "Refugio"

     betr.: "Schwarz-Grün gibt es 2013 nicht", taz vom 23. 9. 11

    In Villingen-Schwenningen wird ein 18-Jähriger sudanesischer Flüchtling um zwei Uhr nachts aus einem Jugendwohnheim geholt und via Frankfurt nach Italien geflogen. Tags darauf sollte es eigentlich zu einem Gespräch mit dem Jugendamt über dessen zukünftigen Lebensweg kommen. Stattdessen aber Abschiebung durch baden-württembergische Polizisten. Und die taz? Ganzseitiges Interview mit Kretsche-Superstar, in welchem er über seine machtpolitischen Vorstellungen schwadronieren darf. Dann bitte aber auch eine ganze Seite für "Refugio", die sich für die Aufklärung des Falls einsetzen. Und was sagt eigentlich Kretschmann dazu? Aber als Ministerpräsident kann er sich naturgemäß nicht mit solchen Banalitäten beschäftigen. JÖRG RICHTER, Meisenheim

    Zitat verkürzt die Aussage

     betr.: "Schwarz-Grün gibt es 2013 nicht", taz vom 23. 9. 11

    Ich ärgere mich sehr über die Wahl Ihrer Überschrift zu dem Interview mit Winfried Kretschmann. Dieser sprach ausdrücklich von einer Prognose, die Koalitionen bei der Bundestagswahl 2013 betreffend. Prognosen schließen mögliche Veränderungen jedoch nicht aus. Ihr "Zitat" stellt die Aussage verkürzt dar und wird so zu einer Polemisierung der Debatte beitragen: "Kretschmann hat doch gesagt". Nein, die taz hat gesagt. Sie machen Politik und Politiker an Stellen unglaubwürdig, an denen sie es nicht sind.

    GEORG-VALENTIN MEYER, Berlin