Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 10.11.2011
  • LESERINNENBRIEFE

    Rumeierei ums Copyright

     betr.: "Schultrojaner wohl vor dem Aus", taz vom 8. 11. 11

    Die ganze Rumeierei um das heilige Copyright der Schulbuchverlage muss endlich ein Ende haben! Es ist absehbar, dass es bald preisgünstige elektronische Geräte geben wird, in die man einfach alle Schulbuchinhalte reinkopieren kann, wo man mit Ton und Videoausgabe etliches verbessert darstellen kann und sogar interaktiv Aufgabenstellungen mit Lösungskontrolle möglich sind. Mit Hilfe der internen Vernetzung der Geräte untereinander kann jeder jedem einzelne Dokumente rüberkopieren: Ein großer Teil des täglichen Fotokopien-Chaos an den Schulen dürfte entfallen. Zusammen mit einem etwas besseren Texteditor könnten sogar Hausaufgaben direkt am Gerät erstellt werden. Schüler bräuchten also keine dicken Schultaschen mehr und könnten auch keine Bücher mehr vergessen. Die neuen Schul-"bücher" selbst und auch die Lehrer könnten zusätzlich beliebig viel Hintergrundmaterial liefern, denn Platz ist genügend da, und sei es für eine komplette lokale Kopie von Wikipedia.

    So etwas geht am besten und macht letztendlich nur Sinn, wenn natürlich das Material frei kopierbar ist, also copyrightfrei ist. Die ganzen schlauen Köpfe in den Bildungsministerien sollten sich also lieber schleunigst darum kümmern, dass das komplette Schulmaterial elektronisch auf Multimedia und Interaktiv umgestellt bzw. neu entwickelt wird. RAINER SONNTAG, Essen

    Staatenlenker wirken überfordert

     betr.: "Krise als Chance - für das Klima", taz vom 5. 11. 11

    Der Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß liegt auf der Hand. Aber mal abgesehen davon, dass überhaupt nicht klar wird, was Hanno Böck konkret vorschlagen will, bleibt ein Widerspruch unausgesprochen. Die alten Industrieländer in Europa und Amerika haben das Klimaproblem durch ihr ungebremstes Wachstum im vergangenen Jahrhundert verursacht. Sie könnten zwar theoretisch heute auf industrielles Wachstum verzichten, allerdings nur theoretisch, denn sie haben ihre Staatshaushalte austrocknen lassen und es fehlen Ressourcen für eine postindustrielle Umstrukturierung und Sanierung der Infrastruktur, sei es Bildung, Verkehr oder Energie. Die neuen Industrieländer in Asien und Südamerika wollen mit den alten gleichziehen und werden heute und in Zukunft nicht auf Wirtschaftswachstum verzichten, das heißt, sie wollen nicht die Suppe auslöffeln, die die alten Industriestaaten der Welt eingebrockt haben. Deshalb wird global gesehen Wirtschaftswachstum weiter die Maxime sein. Weil dieser grundlegende Widerspruch bisher nicht gelöst wurde, scheitert auch ein Klimagipfel nach dem anderen. Wenn man sich anguckt, womit sich die Staatenlenker auf ihren G-20-Gipfeln so beschäftigen, hat man den Eindruck, sie hätten sowieso schon aufgegeben, die Welt vor dem Klima-GAU retten zu wollen. Die Finanz- und Währungskrise scheint das einzige Thema zu sein, womit sie sich noch beschäftigen. Sie wirken überfordert angesichts der auf sie einprasselnden Probleme. Da die drohende Klimakatastrophe und auch das irgendwann nicht mehr sprudelnde Erdöl noch keine ökonomische oder politische Krise ausgelöst haben, existiert der von Böck beschriebene "Krisenmix" gar nicht oder besser noch nicht. HARTMUT GRAF, Hamburg

    Weniger Netto vom Netto

     betr.: "Bundesweit fehlen noch 230.000 Kitaplätze", taz vom 9. 11. 11

    Die Regierung will die Steuern senken. In den Städten und Gemeinden fehlen aber Krippenplätze. Sieht da irgend jemand einen Zusammenhang? Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten. Aber selbst besserverdienende Eltern, die jetzt vielleicht etwas mehr "Netto vom Brutto" bekommen, zahlen viel Geld für ihre Tagesmütter. Was nichts anderes bedeutet, als dass ihnen weniger "Netto vom Netto" bleibt. WALTER HEIDENFELS, Hamburg

    Wirklichkeit verdrängt

     betr.: "Peanuts für Geringverdiener", taz vom 8. 11. 11

    Sechs Milliarden Euro Steuersenkung, die wieder vor allem den Besserverdienern zugute kommt. Die dreiste Erklärung: "Damit leisten wir einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit." Gleichzeitig wird berichtet, dass in Westdeutschland der Kita-Ausbau hängt. Die Antwort der CSU? 100 Euro für jede Familie, die die Kinder zu Hause erzieht. In der Krise versuchen die Regierungsparteien, ihr altes Profil zu bewahren. Die Wirklichkeit und die Ursachen der jetzigen Systemkrise verdrängen sie lieber. DAVIDE BROCCHI, Köln