Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 23.01.2012
  • LESERINNENBRIEFE

    Ein echter Skandal

     betr.: "Die Liberalen. Freie Dienststellen mit Pensionsanspruch" u. a., taz vom 17. 1. 12

    Wenn man alles richtig einordnet, haben wir einen echten Skandal "Minister Niebel". Im Gegensatz zum Bundespräsidenten geht es hier eindeutig um Bevorzugung bestimmter Personen in großer Zahl und direkten Zugriff auf unsere Steuergelder.

    Durch die von ihm in Gang gesetzten Personalbewegungen wird das Vertrauen zu Parteien untergraben, wird die Möglichkeit eines sonst nicht gerade durch besondere Leistungen aufgefallenen Ministers vorgeführt, auf legalem Weg eine Vielzahl von Parteifreunden zu versorgen, werden unsere Steuergelder "nachhaltig" verbraucht, um einem bestimmten Personenkreis nicht nur Arbeit schlechthin zu vermitteln, sondern auch für lange Jahre die Pensionen zu sichern. Dankbar kann man der taz sein, so eindrucksvoll diesen Skandal aufzudecken. MANFRED HOFFMANN, Naunhof

    Grünes Wachstum ist die Lösung

     betr.: "Serie: Wachstum", taz vom 27. 12. 11 bis 14. 1. 12

    Schönen Dank für die Serie zum Wachstum! Die meisten vorgestellten Positionen argumentieren jedoch moralisch und nicht ökonomisch. Sie werden dadurch zu hilflosen Appellen. Ökonomisch hat schon Karl Marx im zweiten Band des "Kapitals" nachgewiesen, dass Kapitalismus ohne Wachstum nicht geht. Die unverzichtbare gesamtgesellschaftliche Vorratshaltung kann in einer Warengesellschaft nur durch Überproduktion, Wachstum, gelingen. Was gebraucht wird, erzeugt Profit. Was nicht gebraucht wird, führt zu Verlust, im schlimmsten Fall Insolvenz. Auch im Wachstum gibt es in Deutschland um die 30.000 Insolvenzen von Unternehmen. Da es dem Kapital laut Marx gleichgültig ist, womit es seinen Profit erzielt, ist im Kapitalismus ganz unterschiedliches Wachstum denkbar. Also auch ein grünes Wachstum. Das ist die Lösung und nicht hilflose Appelle an Verhaltensänderungen der Konsumenten.

    WOLF WAGNER, Berlin

    Einheimische Produkte verhindert

     betr. "Hungerhilfe ,zu spät'", "Die nimmersatte Branche", taz vom 19. 1. 12

    Tausende von Toten am Horn von Afrika als Folge einer großen Dürre - eine Naturkatastrophe, an der wir wenig ändern können. Mit "Naturkatastrophen" wird seit der Kolonialzeit von der tatsächlichen Ursache der jährlich wachsenden Zahl von Hungertoten in vielen "Entwicklungsländern" abgelenkt: einer Export- und Import-Politik der Industrieländer, die einheimische Wirtschaftsstrukturen zerstört. Subventionierte Importe aus dem Norden verhindern einheimische Produktion, Kleinbauern verlieren ihre Arbeit, mit der Expansion der Industrieländer verlieren einheimische Währungen an Wert, die Leute können sich für ihr Geld nichts mehr kaufen und verhungern. Hauptursache für die jährlich wachsende Zahl der Hungertoten in Ostafrika und in vielen anderen Ländern des Südens sind also nicht Naturkatastrophen, sondern eine Wirtschaftspolitik des Nordens, die darum bemüht ist, dass "die Lage für den Verbraucher nicht schlechter wird". Mit dieser Politik verschlechtert sich tatsächlich die Lage vieler Verbraucher im Norden, weil sie immer dicker werden, und die Lage vieler Verbraucher im Süden, weil sie mehr und mehr hungern. CHRISTIANE HOPFER, Freinsheim