Das taz Print-Archiv

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Ausgabe von: 08.02.2012
  • LESERINNENBRIEFE

    Veraltetes Gedankengut

     betr.: "Kein Ergebnis vorgeben", taz vom 6. 2. 12

    Eher zurückhaltend zu sein, einem Kind mit elf Hormone zu geben und nach anderen Lösungen zu suchen - nun, das klingt erst mal vernünftig. Aber spätestens der Ansatz, es könne für Elfjährige (oder überhaupt) "geschlechtsangemessenes" und anderes Verhalten geben, weist das Gedankengut der Charité-Therapeuten als um das eine oder andere Jahrhundert veraltet aus. Müsste man, um ein Kind wie "Alex" gegebenenfalls dazu zu ermutigen, sich vielleicht doch mit seinem biologischen Geschlecht anzufreunden, ihm nicht eher zeigen, dass es, genau so, wie es leben möchte, mit seinem Geschmack, seinen Hobbys usw. auch in seinem biologischen Geschlecht leben könnte? Diese Option, die man jemandem doch vor einer Hormonbehandlung ernsthaft anbieten müsste, wird vom Therapieansatz offenbar erst recht verneint. Und ich dachte, wir hätten das 21. Jahrhundert. SILKE KARCHER, Berlin

    Die größte Pest des Stadtlebens

     betr.: "Die Ökolüge vom Elektroauto", taz vom 30. 1. 12

    Elektroautos vermeiden Lärm, Abgase und Feinstaub in den Städten (und vielleicht irgendwann auch auf den großen Verkehrsachsen). Es ist doch logisch, dass auch Elektroautos Energie brauchen und die irgendwie erzeugt werden muss. So what?

    Die größte Pest des Stadtlebens sind der ewige Autolärm und der Gestank. Alle müssen ihn aushalten, auch die, die gar nicht Auto fahren, Tag und Nacht. Es ist schon lange wissenschaftlich erwiesen, dass dadurch Menschen krank werden, schlecht schlafen und auch sterben. Ich lebe in der Stadt und wünsche mir deshalb, dass bald nur noch Elektroautos fahren. Nie wieder auf dem Rad hinter stinkenden Abgasrohren herfahren müssen. Nachts nicht aufwachen, weil ein Diesel-Pkw umständlich einen Parkplatz sucht. Sich unterhalten können, wenn man an der Ampel steht, um eine große Straße zu überqueren. Wäre das nicht schön?

    Elektroautos erhöhen die Lebensqualität und vermeiden Stress, Lärm und Krankheiten - vor Ort, da, wo Menschen leben, jeden Tag und jede Nacht. Natürlich ist es gut, wenn es gelingt, Strom ökologischer als heute zu erzeugen und weniger davon zu verbrauchen. Aber das gilt allgemein und ist im Hinblick auf Elektroautos für mich erst mal völlig egal. LORENZ HUCKE, Köln

    Doppelmoral und Scheinheiligkeit

     betr.: "Madame Europa in Peking", taz vom 4. 2. 12

    Wie zu hören war, hat unsere Kanzlerin als fast mächtigste Frau der Welt den chinesischen Kommunisten wieder einmal die Frage nach den Menschenrechten gestellt; und die stellen sich fast taub, ja behindern offenbar sogar ein Treffen der Kanzlerin mit Menschenrechtlern in China. Die Empörung schlug nicht ganz so hoch, denn die Kanzlerin war schließlich auch in anderer Mission und anderem Interesse unterwegs, wo Menschenrechte eher kaum angemahnt werden, wenn es um maximale Profite oder finanzielle Hilfen für den Euro geht.

    Auffällig und verwunderlich ist es, wenn bei China stets das Kommunistische so betont wird. Was ist an dem marktwirtschaftlich erstaunlich aufstrebenden Land eigentlich das Kommunistische, wo allgemeine Sprachregelungen doch dem Kommunismus ganz anderes zuordnen? Und wenn es ernsthaft und ehrlich um Menschenrechte geht, warum dann so allgemein,wo doch Menschenrechte in China nicht nur mit der KP zu tun haben, sondern vor allem mit Arbeits- und Lohnbedingungen großer Konzerne bis zu Aldi, Lidl und Konsorten. Gab es auch Ermahnungen in diese Richtung oder gar Boykott- und Sanktionsandrohungen an solche Konzerne?

    Und schließlich würde mich interessieren, wie sich unser Land, unsere Kanzlerin und Politik verhielte, wenn andere Staatsmänner oder -frauen versuchen würden, Oppositionelle in unserem Land zu fördern und politisch zu instrumentalisieren, wo bekanntermaßen hierzulande schon Bundestagsabgeordnete einer legalen Partei überwacht und bespitzelt werden. Die Doppelmoral und Scheinheiligkeit sind geradezu ekelhaft. ROLAND WINKLER, Remseck

    Insolvenz lieber heute als morgen

     betr.: "Nicht den Füchsen überlassen", taz vom 6. 2. 12

    Q-Cells braucht schnell ein neues Management und daher eine schnelle Insolvenz. Wer es gut meint mit den Beschäftigten und dem Standort, der wünscht sich die Insolvenz lieber heute als morgen. Nur dann können drei Monate die Löhne weiter bezahlt werden, und nur dann haben die Restrukturierung und Suche nach neuen Managern und Gesellschaftern eine Chance. Natürlich wird in einer Insolvenz weiterproduziert, der Vergleich mit dem geschlossenen Theater ist völliger Quatsch.

    Die Ursachen der Q-Cells liegen beim Management, so krass, dass es die Spatzen von den Dächern pfeifen. Aus China beziehe ich Module inklusive Geldtransfer binnen fünf Tagen, aus Thalheim mal eben so in fünf Wochen, letztes Jahr auch mal nach drei Monaten, trotz voller Lager. Das sind dann Module, die auch aus China stammen, aber 30 Prozent teurer sind als die Originale. Und was Q-Cells an Förderung erhalten hat, da würden die Chinesen ungläubig staunen.

    Es wäre ganz schön, wenn Frau Maron neben ihrer Liebe zur Region ein wenig Sachkenntnis mitbrächte. Die "knappe Ressource Silizium", das zweithäufigste Element der Erde, ist nur ein Beispiel. Oder dass andere Gegenden geeigneter wären, ist auch so ein Lügenmärchen. Ich verstehe ja Herrn Rösner, aber ich verstehe nicht Frau Maron. ROLF WALTHER, Dessau