BERLIN taz | Helmut Kohl kam nicht nach Solingen. Nach dem Brandanschlag von Neonazis, bei dem im Mai 1993 fünf Migranten starben, beschied sein Sprecher abfällig, der Bundeskanzler lehne "Beileidstourismus" ab.
18 Jahre später: Bundespräsident Christian Wulff lädt die Angehörigen der Opfer der Neonazi-Terrorgruppe zu einem persönlichen Gespräch ein. Vorgesehen ist, dass neben Wulff auch Vertreter des Bundestags und der Bundesregierung teilnehmen. Ein Termin steht noch nicht fest. Ob es auch eine öffentliche Trauerveranstaltung geben wird, ist unklar.
Unterdessen wurden weitere Ermittlungsfehler bekannt. Ohne sie hätten die 1998 untergetauchten Terroristen und ein mutmaßlicher Helfer womöglich noch vor ihrem ersten Mord festgenommen werden können. Die Regierung hat für Freitag einen Krisengipfel mit den Spitzen der Sicherheitsbehörden einberufen.
Der Historiker Christian Gerlach hat extrem gewalttätige Gesellschaften untersucht. Sein Ergebnis: Auch die Zivilbevölkerung kann Auslöser von Massengewalt sein.
