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  • 28.01.2008

UN suchen weiter

Der Brite Ashdown zieht nach harscher Kritik seine Kandidatur als Afghanistan-Sonderbeauftragter zurück

BERLIN taz Die Suche der Vereinten Nationen nach einem neuen Afghanistan-Sonderbeauftragten hat einen herben Rückschlag erlitten. Nachdem der afghanische Präsident Hamid Karsai Freitagnacht sein Veto gegen den Briten Lord Paddy Ashdown einlegte, zog der 66-Jährige gestern seine Kandidatur zurück. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte Karsai in einem eilig anberaumten Gespräch nicht mehr umstimmen können.

Ashdown, ehemaliger Parteichef der britischen Liberalen und später UN- und EU-Repräsentant in Bosnien-Herzegowina, sollte den Deutschen Tom Königs ablösen, der seit Februar 2006 für die UN in Kabul ist. Ashdown hätte bereits zu Jahresbeginn ernannt werden sollen, als die Zustimmung Karsais noch als sicher galt. Er verschob das Gespräch mit UN-Chef Ban jedoch wegen eines Skiurlaubs.

Als Gründe für Karsais Veto gelten sowohl die Überheblichkeit Ashdowns als auch die Pro-Ashdown-Kampagne der USA. Ashdown hatte für sein neues Amt ähnliche Kompetenzen gefordert, wie er sie auf dem Balkan besaß. Dort konnte er unter anderem in Personal- und Gesetzgebungsfragen die Regierung überstimmen. Zudem stieß in Afghanistan auf Widerstand, dass ausgerechnet ein Brite Afghanistan-Sonderbeauftragter werden sollte. Großbritannien hatte zwischen 1838 und 1919 dreimal versucht, Afghanistan zu unterwerfen. Unmittelbarer Auslöser der Affäre waren gegenseitige Vorwürfe über die Sicherheitslage in der südafghanischen Provinz Helmand, wo die britischen Isaf-Truppen stationiert sind.

Um den Eindruck eines Zusammenhangs mit der Nationalität des Kandidaten zu vermeiden, ließ Kabul nun verlauten, statt Ashdown könne man sich den britischen Nato-General John McColl vorstellen, der 2001/2002 für sechs Monate Isaf-Kommandeur war. Neben McGoll gelten als mögliche Kandidaten Hikmet Cetin, der frühere türkische Außenminister und ziviler Nato-Vertreter in Afghanistan, sowie Kai Eide, der Exbotschafter Norwegens bei der Nato.

THOMAS RUTTIG

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