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  • 28.05.2009

Rund zwei Dutzend ranghohe Politiker und Beamte in Haft

DROGENKRIEG Im mexikanischen Bundesstaat Michoacán greift die Armee einmal energisch zu

MEXIKO-STADT taz/epd/afp | In einer großangelegten Aktion von Polizei und Armee sind im mexikanischen Bundesstaat Michoacán 27 ranghohe Staatsbeamte wegen möglicher Verbindungen zum organisierten Verbrechen festgenommen worden. Unter den am Dienstag (Ortszeit) im Morgengrauen Verhafteten sind zehn Bürgermeister, wie die Bundesstaatsanwaltschaft mitteilte. Zudem wurden bei der Aktion "Faustschlag" ein Richter, zwei Polizisten sowie 14 ranghohe Bundes- und Regionalbeamte aus Michoacán festgenommen. Der Bundesstaat ist Schauplatz des blutigen Drogenkrieges, in dem mexikanische Drogenkartelle um die Vorherrschaft im Drogenhandel kämpfen.

Zu den Festgenommen zählen Politiker aller drei großen Parteien Mexikos, der regierenden PAN, der früher herrschenden PRI und der linksgerichteten PRD. Mehrere der Verdächtigen stehen in enger Verbindung mit der Regionalregierung von Michoacán. Festgenommen wurde etwa die frühere Gesundheitsministerin des westmexikanischen Bundesstaats und aktuelle Beraterin von Gouverneur Leonel Godoy, Citlalli Fernández. Der Gouverneur von der linken Partei PRD erklärte am Dienstag, von der konservativen Zentralregierung nicht vorab über die Verhaftungen informiert worden zu sein. Die mexikanische Regierung des aus Michoacán stammenden Staatschefs Felipe Calderón hat den Drogenbanden den Kampf erklärt und setzt im ganzen Land mehr als 36.000 Soldaten ein, um das organisierte Verbrechen zu bekämpfen.

Gut einen Monat vor den Parlaments- und Kommunalwahlen Anfang Juli bestätigen sich damit Befürchtungen, wonach Mexikos Politik von der Mafia unterwandert ist. Laut einer Schätzung des Kriminologen Edgardo Buscaglia sind 63 Prozent aller mexikanischen Kommunen von der Mafia korrumpiert oder arbeiten gar für sie.

Seit Ende 2006 führt Mexikos Regierung mit Unterstützung der Armee einen zunehmend blutigen Krieg gegen die Mafiagruppen des Landes. Die Verbrecherbanden setzen rund 100 Milliarden US-Dollar jährlich um. In diesem Jahr sind bereits mehr als 2.300 Menschen im Drogenkrieg getötet worden.

Jüngstes Opfer war ein mexikanischer Journalisten, der regelmäßig über die Drogenkartelle des Landes berichtete. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der 36-jährige Eliseo Barrón mit mindestens vier Schussverletzungen in einem Abwasserkanal nahe der Stadt Gomez Palacio im Bundesstaat Durango entdeckt. Der Journalist war am Montagabend entführt worden.

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