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  • 17.09.2009

Rafsandschani darf nicht predigen

IRAN Das Regierungslager und die Opposition rufen für den "Jerusalem-Tag" am Freitag zu Demonstrationen auf. Angehörige von Reformgeistlichen festgenommen

TEHERAN ap/afp | Das iranische Establishment hat die Opposition davor gewarnt, die Feierlichkeiten zum jährlichen "Jerusalem-Tag" für Demonstrationen zu nutzen. Es entzog nach staatlichen Medienberichten vom Mittwoch dem früheren Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani die Predigt zu der Veranstaltung am Freitag, die mit dem Ende des Fastenmonats Ramadan zusammenfällt. Statt Rafsandschani wird ein Gefolgsmann von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, Ahmad Chatami, die Predigt halten.

Rafsandschani, der auch den geistlichen Titel eines AJatollahs hat, hat seit Jahren die Rede zum Al-Kuds-Tag, gehalten, an dem die Iraner ihre Solidarität mit den Palästinensern ausdrücken. Al-Kuds ist der arabische Name Jerusalems. Am Al-Kuds-Tag ziehen die Einwohner in großen Gruppen durch die Straßen, bevor sie sich zum Freitagsgebet auf einem großen Platz versammeln.

Auf der Webseite des Ahmadinedschad offiziell unterlegenen Mir Hussein Mussawi hieß es, der Oppositionspolitiker werde am Freitag an einer propalästinensischen Kundgebung teilnehmen. Das könnte ein Signal an seine Anhänger sein, in großer Zahl zusammenzukommen. Das wäre die erste Massenkundgebung seit den Protesten gegen das Wahlergebnis am 17. Juli - damals hatte Rafsandschani, der sich auf die Seite Mussawis geschlagen hatte, das Freitagsgebet gesprochen.

Laut einem Zeitungsbericht wurden Familienmitglieder des einflussreichen Großajatollahs Hossein Ali Montazeri festgenommen. Auch Angehörige des ebenfalls reformorientierten Geistlichen Hossein Mussawi Tabrisi seien inhaftiert worden, wie die Zeitung Etemad berichtete.

Bei den Protesten gegen das Ergebnis der Wahl im Juli kamen nach Angaben der Opposition 72 Menschen ums Leben. Die Behörden sprechen von 36 Toten. Es waren die größten Proteste im Iran seit der Islamischen Revolution 1979. Tausende wurden verhaftet, zahlreiche Gefangene sollen Oppositionsangaben zufolge gefoltert worden sein.

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