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  • 15.12.2008

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Aus der Sonntagsarbeit Nutzen ziehen

Stille Wochenenden ohne Einkaufsgedrängel, ruhige Städte mal ohne Lärm, Abgasnebel und Staus - wie schön wäre das! Doch der Traum ist ausgeträumt: PolitikerInnen, die zur Belebung der Konjunktur keine Alternative kennen als Konsum, Konsum, Konsum und die überdies bei der Sonntagsarbeit noch mit dem - fadenscheinigen - Argument "Mehr Arbeitsplätze!" punkten können, haben doch - seien wenigstens wir ehrlich - schon gewonnen.

Statt dem guten alten arbeitsfreien Sonntag nachzujammern, sollten wir uns deshalb lieber überlegen, wie wir das Beste aus dem Arbeitstag Sonntag machen können. Nicht wenigen Beschäftigten ist das Arbeiten am Wochenende ja durchaus recht: manchen Alleinerziehenden etwa, die dann eher als an Wochentagen darauf bauen können, dass der Partner das Kind betreut. Sonntagsarbeit, durch freie Tage ausgeglichen, kann Eltern dabei helfen, die Zahl ihrer Urlaubstage zu erhöhen, die normalerweise bei weniger als der Hälfte der Ferientage ihrer Kinder liegt. Und sie kommt nicht zuletzt auch denjenigen entgegen, die karge Gehälter durch Zulagen aufbessern wollen - vorausgesetzt natürlich, dass es solche gibt.

Und genau da sind deshalb nun die Gewerkschaften und die Arbeitnehmerorientierten unter unseren PolitikerInnen gefragt: Statt dem arbeitsfreien Wochenende, das doch sowieso längst nur noch für einen Teil der ArbeitnehmerInnen selbstverständlich ist, hinterherzujammern, sollten sie sich lieber darum kümmern, dass Sonntagsarbeit besser - nämlich mit Zuschlägen - bezahlt und/oder angemessen durch Freizeit ausgeglichen wird. Und dass Arbeitgeber solche Regelungen nicht einfach umgehen können, indem sie Sonntagsschichten eben nur mit unterbezahlten Aushilfskräften bestücken. So bliebe klar: Der Sonntag ist ein Extraarbeitstag, kein regulärer. Was auch bedeuten muss: Wer das lieber will, soll dem altgewohnten Rhythmus treu bleiben können.                       ALKE WIERTH

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