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  • 02.04.2009

Hitzewelle im Anflug

Heißere Sommer, nassere Winter, extremeres Wetter im ganzen Jahr - das erwartet eine Studie zum Klimawandel in Berlin. Grün- und Freiflächen könnten die Auswirkungen mildern, etwa in Tempelhof

VON SVENJA BERGT

Berlin im Sommer 2050: Seit Wochen hat es nicht geregnet, stattdessen bleibt die Tagestemperatur konstant über der 30-Grad-Marke. Auch die Nächte sorgen kaum für Abkühlung. Der Wasserpegel der Flüsse und Seen in der Stadt sinkt langsam, der niedrige Wasserstand macht sich bald an einem leichten Fäulnisgeruch bemerkbar.

So könnte ein Szenario aussehen, wenn die Forscher des Potsdamer Instituts für Klimafolgeforschung (PIK) recht behalten. Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und mehrerer landeseigener Betriebe haben sie eine Studie zu den Folgen des Klimawandels erstellt. "Es ist das erste Mal, dass wir uns mit der Frage befassen, welche Folgen der Klimawandel in Berlin haben wird", sagt Maria Krautzberger (SPD), Staatssekretärin für Verkehr und Stadtplanung.

Das zentrale Ergebnis der Forscher: Es wird wärmer. Um 2,5 Grad Celsius soll die durchschnittliche Temperatur bis 2050 steigen. Besonders bemerkbar soll sich das im Winter und im April und Mai machen: Die Anzahl der Frosttage werde um die Hälfte sinken. Schnee soll es in Zukunft weniger geben; da aber die Niederschlagsmenge im Winter insgesamt steigen soll, erwarten die Forscher häufigeren und auch intensiveren Regen.

Der typische Sommer werde dagegen dem als "Jahrhundertsommer" bezeichneten von 2003 ähneln: trocken und heiß. Das werde sich auch auf die Gewässer auswirken: So fließe weniger Wasser hinein und bilde sich wegen der Verdunstung weniger neues Grundwasser. Abkühlung zu finden könnte also immer schwieriger werden: Denn auch die Wälder leiden unter dem Klimawandel. Die Forscher untersuchten in der Studie die Baumarten Buche, Eiche, Kiefer und Birke. Ihr Fazit: Keine der Arten wird komplett aussterben, aber die meisten von ihnen dürften schwächer und anfälliger werden - unter anderem für die Auswirkungen von Sommerstürmen, aber auch für Waldbrände, die ebenfalls zunehmen sollen. "Der Klimawandel wird stärkere Auswirkungen haben als bislang angenommen", sagt Hermann Lotze-Campen, Leiter der Studie am PIK.

Der Senat will dem nicht tatenlos gegenüberstehen - und schlägt gleich eine Reihe von Maßnahmen vor, mit denen sich die Stadt in Zukunft gegen die Folgen des Klimawandels wappnen soll. Häuser, die besser gegen Wärme und Sonneneinstrahlung geschützt sind, gehören dazu; intelligente Bewässerungssysteme für Pflanzen in Parks und auf Straßen sowie ein Netz von Grünflächen, das die Stadt in sommerlichen Nächten durchlüften soll. Mit dabei: die derzeit prominenteste Freifläche Berlins. "Im Fall Tempelhof ergibt sich jetzt eine gute Gelegenheit, die Vernetzung von Grünflächen anzuschieben und nicht alles zu bebauen", sagt Lotze-Campen. Staatssekretärin Krautzberger will nicht ganz so konkret werden: Es gebe verschiedene Vorhaben, die mit den jetzt gewonnenen Erkenntnissen neu beleuchtet werden müssten. "An der ein oder anderen Stelle wird man umdenken müssen."

Ein Umdenken fordern auch Umweltschützer - von Anpassungsstrategien hin zu Vermeidungsstrategien. Einen Ansatz, den Lotze-Campen nicht falsch findet, der aber im konkreten Fall nicht weiterhelfe. "Das Gutachten hat sich mit dem Teil des Klimawandels beschäftigt, der nicht mehr zu vermeiden ist."



KLIMAWANDEL IN DER STADT

Urban Heat ist ein Phänomen der Großstädte. Da die vielen Gebäude Wärme besonders gut speichern, kühlt die Stadt nachts nicht richtig ab. So ist es in der Innenstadt deutlich wärmer als im Umland. Das lässt sich mildern durch Grün- und Freiflächen, die die Stadt wie mit Zugluft kühlen. Wenn es insgesamt wärmer wird, verändern sich auch die Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Einige können sich in kühlere Gebiete zurückziehen, andere kommen hinzu. Dazu gehören auch Pflanzen, die es hier früher nicht gab - und die nicht für alle angenehm sind. Zum Beispiel die allergieauslösende Ambrosia, die in warmen Temperaturen gedeiht.

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