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  • 22.12.2007

Autobahnlärm wird gedeckelt

Ein Grünstreifen von der Elbe bis zum Altonaer Volkspark soll auf einem Autobahndeckel nördlich des Elbtunnels entstehen. Bund gibt Zusage für die Finanzierung von Lärmschutz an der A 7

VON SVEN-MICHAEL VEIT

Das Bild durfte nicht fehlen. Von einem "verfrühten, aber willkommenen Weihnachtsgeschenk" sprach Stadtentwicklungssenator Axel Gedaschko (CDU) gestern im Rathaus. Denn der seit Mitte der 1990er Jahre diskutierte Deckel über der Autobahn 7 nördlich des Elbtunnels wird jetzt zur realen Möglichkeit. Am Donnerstagabend hatte das Bundesverkehrsministerium per Fax seine Bereitschaft erklärt, einen weit größeren Teil der Kosten für die Lärmschutzmaßnahmen an der Autobahn entlang des Hamburger Westens zu übernehmen, als bisher gedacht: 400 Millionen Euro statt der erhofften 250 Millionen.

Das sei "ein einmaliger Glücksfall", sagt der Senator. "Normalerweise ist es nicht so leicht, an Geld aus Berlin zu kommen." In diesem Fall half eine Machbarkeitsuntersuchung der Deges, einer bundeseigenen Gesellschaft, die seit 1991 das Verkehrswegeprogramm zur Asphaltierung der deutschen Einheit plant. Die legte nun eine Studie über Lärm- und sonstige Umweltbelastungen vor, die der Bund akzeptierte.

Und daraus ergibt sich der Bau zweier Deckel über der A 7, die bis zum Jahr 2015 von sechs auf acht Spuren erweitert wird. Ein Deckel wird auf 1,7 Kilometer Länge südlich und nördlich der Ausfahrt Bahrenfeld errichtet, der zweite mit einer Länge von etwa 950 Metern ist zwischen der Ausfahrt Stellingen an der Kieler Straße und der Güterumgehungsbahn vorgesehen.

Das Konzept enthält zudem weitere Lärmschutzmaßnahmen auf der gesamten Autobahnlänge von 11,5 Kilometern zwischen dem Elbtunnel und der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Nördlich der Güterumgehungsbahn sollen neuartige Lärmschutzwände errichtet werden, deren halbe Dächer über die Fahrbahnen ragen. Zwischen den beiden Deckeln Stellingen und Bahrenfeld könnte ein weiterer Deckel neben dem Altonaer Volkspark errichtet werden. Den allerdings müsste Hamburg mit runden 70 Millionen Euro aus eigener Tasche finanzieren.

Zudem will der Bund zwischen Baurweg und Elbtunnel lediglich einen halben Deckel bezahlen: Eine Galerie soll die Fahrspuren in Richtung Süden überdachen. Denn auf der anderen Seite der Autoschneise wohnen keine Menschen. Dort ist ein Gewerbegebiet und die Autobahnmeisterei.

Dennoch sei das, findet Gedaschko, "eine einmalige Chance, die städtebauliche Verbindung zwischen den zerschnittenen Stadtteilen im Hamburger Westen wiederherzustellen". Zu diesem Zweck soll der Deckel zur Grünachse mit Parks und Wegen zwischen Elbe und Volkspark werden. Schließlich könne und wolle der Senat dort "keinen Geschosswohnungsbau kloppen", stellte der Senator klar. Auch die Umsiedlung von Kleingärten an der Straße Kielkamp werde es nicht geben. Frühere Planspiele sahen deren zwangsweisen Umzug auf den Deckel vor. Zu dessen Finanzierung sollten die freiwerdenden Grundstücke verkauft werden. Das ist nun vom Tisch, sagte Gedaschko: "Die werden nicht angefasst."

Er rechnet auch so mit Klagen gegen die Planfeststellungen. Etwa 2015 könnte alles fertig sein - und Hamburg sich rühmen, Deutschlands längsten Park auf einer Autobahn zu haben.

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