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  • 06.01.2012

Die Angst vor den Umfragen im Nacken

BAYERN Die CSU fürchtet, bei den kommenden Landtagswahlen in Bayern ihre Mehrheit zu verlieren. Darum richten sich die Hoffnungen beim Treffen in Wildbad Kreuth auf den Exverteidigungsminister

WILDBAD KREUTH taz | Die aus seiner Sicht wohl wichtigste Frage beantwortet Horst Seehofer neuerdings immer schon, bevor er danach gefragt wird. "Wir sind sehr, sehr gelassen und ruhig", sagte der bayerische Ministerpräsident zu Beginn der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth mit Blick auf die nächsten Landtagswahlen in Bayern im Herbst 2013.

Dabei gibt es wenig Anlass für Ruhe. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des BR-Politikmagazins "Kontrovers" sieht die CSU derzeit bei 44 Prozent. Wäre morgen Landtagswahl, würde das für die Mehrheit reichen - vor allem, weil kleine Parteien wie die Piraten oder die Linke, mit denen keiner koalieren will, die nötige Stimmenzahl senken.

Doch die Umfrage zeigt auch: Der Vorsprung gegenüber dem Dreierbündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern, dem erstmals seit Jahrzehnten eine echte Chance auf einen Regierungswechsel zugesprochen wird, schwindet. Mehr noch: Die FDP als traditioneller Koalitionspartner der CSU würde den Einzug in den Landtag verfehlen, die CSU wäre auf sich allein gestellt. Sie muss die absolute Mehrheit der Mandate erringen, oder es droht die Opposition. Fast unvorstellbar für die Partei, die Bayern seit 1957 durchgehend regiert.

Seehofer gibt sich angesichts der Zahlen bescheiden zuversichtlich. Die Umfragewerte seien "Rückenwind und Mahnung zur Vorsicht zugleich", sagte er kurz nach dem Eintreffen in Wildbad Kreuth und gibt zu: Die CSU müsse sich "gewaltig anstrengen", um das Vertrauen der Bevölkerung auszubauen.

Zu einem Wahlsieg beitragen soll nun ausgerechnet der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Laut BR-Umfrage ist der gefallene Minister nach wie vor der beliebteste Politiker in Bayern - noch vor Seehofers Herausforderer, Münchens SPD-Oberbürgermeister Christian Ude. Klar, dass der Ministerpräsident auf den Sympathieträger nicht verzichten will. Vergeben und vergessen scheinen sowohl die Plagiatsaffäre als auch dessen Kritik an der CSU.

Bereits vor Beginn der Kreuther Klausurtagung hatte Seehofer verkündet, Guttenberg komme für eine "herausgehobene Funktion" in Betracht, wenn er zur "Teamarbeit" bereit sei. Die Botschaft ist klar: Guttenberg soll sich in Zukunft demütiger gebärden und aufhören, auf die CSU zu schimpfen. Hält er sich daran, stehen ihm in der Partei alle Türen offen - Spitzenämter und Ministerposten inklusive.

MARLENE HALSER

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